Teamschule: Rat diskutiert weiteres Vorgehen
„Existenz ist nicht bedroht“

Drensteinfurt -

Die Vorstellung des Schulgutachtens samt der daraus für die Teamschule drohenden Konsequenzen hat in den vergangenen Tagen für heftige Diskussionen gesorgt. In der Sitzung des Rates betonte Bürgermeister Carsten Grawunder nun auf Antrag der Grünen, dass die Schulexistenz nicht bedroht sei.

Dienstag, 24.09.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 13:26 Uhr
Die einst mit den Namen „Hauptschule“ und „Realschule“ versehenen Hinweisschilder sind seit dem Auslaufen beider Einrichtungen verschwunden. Möglicherweise wird der bislang noch immer fehlende Name „Teamschule“ erst gar nicht angebracht werden müssen. Eine mögliche Änderung des Schulnamens gehört nämlich zum Maßnahmenkatalog, den der Rat am Montag auf den Weg gebracht hat.
Die einst mit den Namen „Hauptschule“ und „Realschule“ versehenen Hinweisschilder sind seit dem Auslaufen beider Einrichtungen verschwunden. Möglicherweise wird der bislang noch immer fehlende Name „Teamschule“ erst gar nicht angebracht werden müssen. Eine mögliche Änderung des Schulnamens gehört nämlich zum Maßnahmenkatalog, den der Rat am Montag auf den Weg gebracht hat. Foto: Dietmar Jeschke

Eigentlich, das machten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD , Heinz Töns und Ingo Stude, in eher ungewohntem Einklang deutlich, wollte man über das Thema nicht öffentlich diskutieren. Aber da „Verwaltung und Schulgutachterin die Vereinbarung gebrochen haben“, habe man nun wohl kaum eine andere Wahl, bedauerte Töns. „Das Thema muss aus der Öffentlichkeit raus.“

Das „Thema“, um das es am Montagabend – übrigens erst auf Antrag der Grünen und im erst nachträglich aufgenommenen „Tagesordnungspunkt Null“ der Ratssitzung – ging, hatte die Gemüter in der vergangenen Woche mächtig hochkochen lassen – vor allem bei Eltern und Schülern der Teamschule. Denn nachdem Gutachterin Ulrike Lexis im Schulausschuss aufgezeigt hatte, dass die Schule bei anhaltender Anmeldeschwäche und weiter deutlich unter 60 Schülern pro Jahrgang nach geltender Rechtslage „eigentlich geschlossen werden müsste“ (WN berichteten), war das Entsetzen groß. Wie Schulleiterin Anja Sachsenhausen erklärte, habe sie es nach der entsprechenden Berichterstattung mit zahlreichen verunsicherten und teilweise weinenden Schülern zu tun gehabt, die verzweifelt wissen wollten, wo sie denn wohl ab dem kommenden Sommer zur Schule gehen werden.

Bestandsgarantie

Anders als in der Sitzung des Schulausschusses hatte Bürgermeister Carsten Grawunder dazu während der Ratssitzung nun eine klare Antwort parat. Denn: „Die Teamschule ist nicht in ihrer Existenz bedroht“, betonte der Verwaltungschef. Dass dies so sei, belegte er mit einem Verweis auf das derzeit in Arbeit befindliche Änderungsgesetz, das gerade Sekundarschulen im ländlichen Raum auch bei nur zweizügiger Jahrgangsstärke die Existenz sichern soll.

Gleichwohl, räumte Grawunder ein, sei auch ein geändertes Gesetz kein Allheilmittel gegen die unbefriedigende Anmeldesituation, für die mit Blick auf die überaus erfolgreiche Qualitätsprüfung und die guten Übergangsquoten der ersten beiden Entlassjahrgänge der Teamschule bislang niemand wirklich eine einleuchtende Erklärung hat.

„Die Wahrheit ist, dass die Anmeldezahlen nicht dem entsprechen, was wir uns wünschen“, sagte Burkhard Wieland (FDP). „Wir können nicht zufrieden sein, wenn nur eine Klasse mit Drensteinfurter Schülern und die zweite Klasse allein mit auswärtigen Schülern besetzt ist.“

Akzeptanzproblem

„Die zentrale Frage ist, warum die Eltern ihre Kinder nicht an der Teamschule anmelden“, betonte CDU-Mitglied und Schulausschussvorsitzender Andreas Brinkmann. Und genau um diese Frage soll es nun im weiteren Prozess gehen. Gemäß der entsprechenden Anträge von Grünen-Fraktion und CDU soll zum einen ermittelt werden, woher das offensichtlich Akzeptanzproblem der Sekundarschule rührt. Zum anderen, erklärte Bürgermeister Carsten Grawunder, gelte es, das offensichtlich „Marketing- und Imageproblem“ zu lösen. Diesbezüglich habe die Verwaltung bereits Kontakt mit einem externen Büro aufgenommen, das Schulen in ähnlichen Situationen bereits erfolgreich unterstützt habe.

Ein Thema, dem sich die Marketingexperten widmen sollen, wird auch der Name „Teamschule“ sein, ließ Carsten Grawunder unverhohlen durchblicken. Denn: „Wenn die Schule einfach ,Gesamtschule ohne Sek. II.‘ heißen würde, würde vielen Eltern die Entscheidung sicher leichter fallen“, erklärte Grawunder.

Eine Oberstufe soll her

Apropos Sekundarstufe zwei: Auf Antrag der CDU-Fraktion wurde die Verwaltung nicht nur beauftragt, eine Bestandsgarantie der Landesregierung für eine zweizügige Schule einzuholen. Die Union fordert vielmehr gleichzeitig die Erlaubnis zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe bis hin zum Abitur. „Um wieder sichere Ruhe in die Schullandschaft zu bekommen, bittet die CDU-Fraktion darum, möglichst schnell Grundsatzergebnisse zu erarbeiten, um dann die Details erneut in nicht öffentlichen Sitzungen erarbeiten zu können“, erklärte Heinz Töns.

Nicht darüber reden und alles unter den Teppich kehren, ist der falsche Weg.

Waltraud Angenendt (Grüne)

„Es hat in der Vergangenheit nichts geholfen, nur nicht öffentlich zu diskutieren“, entgegnete Waltraud Angenendt (Grüne). „Nur zu sagen, ,Wir haben eine gute Schule‘, reicht nicht. Wir müssen nun Schritte ergreifen, die wir bislang nicht ergriffen haben.“

SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Stude legte derweil den Eltern der aktuellen Viertklässlern nahe, den bevorstehenden „Tag der offenen Tür“ der Teamschule zu nutzen, um sich zumindest einmal selbst ein Bild zu machen. „Es gibt sicher viele Vorurteile, die sich einfach ausräumen lassen, wenn man sich vor Ort informiert“, so Stude.

Kommentar

Eine konsequente Ursachenanalyse, die Hilfe externer Experten und nicht zuletzt eine mögliche Überarbeitung des Gesamtkonzepts samt Namensänderung und Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe: Der angestrebte Maßnahmenrahmen zur Sicherung des Schulstandortes ist nur konsequent – anders als der angedachte Weg dorthin.Denn wer meint, sich mit Blick auf den anhaltenden Schülerschwund und nach dem Tohuwabohu der vergangenen Tage nun erneut ins „stille Kämmerlein“ verkriechen zu können, um dort „nicht öffentlich“ an einer Patentlösung zu feilen, dem sollte klar sein, dass gerade die intransparente Verschleierungspolitik der vergangenen Jahre maßgeblichen Anteil am offensichtlichen Vertrauensverlust hat, mit dem die Teamschule seit Jahren zu kämpfen hat.Gerüchte, Halb- und Unwahrheiten, denen nicht energisch, rasch und offensiv entgegengetreten wird, machen bekanntlich schnell die Runde – und halten sich mitunter über viele Jahre. Das sollte mittlerweile auch in der Politik angekommen sein.Ganz abgesehen davon: Auch in kleinen Städten haben Bürger einen Anspruch auf transparente politische Entscheidungsprozesse – und Eltern ein Recht auf Klarheit, was die Zukunft ihrer Kinder anbelangt.Dietmar Jeschke

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