Hans Hesse fährt ein exklusives Fahrzeug
„Saft“ aus Luft und Wasserstoff

Drensteinfurt -

Hans Hesse ist einer der ersten, die ein recht exklusives Fahrzeug bewegen dürfen. Sein silbernes SUV ist ein Elektroauto, dessen Akku nicht nur an der Steckdose aufgeladen werden kann. Es produziert vielmehr auch Strom aus mitgeführtem Wasserstoff und dem Sauerstoff der Luft.

Donnerstag, 26.09.2019, 23:58 Uhr aktualisiert: 27.09.2019, 00:00 Uhr
Hans Hesse lädt seinen Wagen an der öffentlichen Stromtankstelle vor dem Drensteinfurter Bahnhof (li.). Wasserstoff kann an einer „H2-Station“ in Kamen nachgefüllt werden. Das Auto des Drensteinfurters behält ein Stuttgarter Kennzeichen, weil der Hersteller es nur vermietet.
Hans Hesse lädt seinen Wagen an der öffentlichen Stromtankstelle vor dem Drensteinfurter Bahnhof (li.). Wasserstoff kann an einer „H2-Station“ in Kamen nachgefüllt werden. Das Auto des Drensteinfurters behält ein Stuttgarter Kennzeichen, weil der Hersteller es nur vermietet. Foto: Matthias Münch

Seit wenigen Tagen rollt ein exklusives Fahrzeug über Drensteinfurts Straßen: ein Elektroauto, dessen Akku nicht nur an der Steckdose aufgeladen werden kann, sondern auch eine Brennstoffzelle an Bord hat. Die produziert Strom aus mitgeführtem Wasserstoff und dem Sauerstoff der Luft. Hinten raus kommt sauberes Wasser. Der Drensteinfurter Hans Hesse gehört zu den Ersten, die diesen Pkw fahren dürfen.

Die Rede ist von einem Mercedes „GLC F-Cell“, den der Daimler-Konzern seit ein paar Wochen an einen kleinen Kundenkreis ausliefert. Das Besondere: Dieses Wasserstoff-Plug-in-Hybrid-Auto ist weltweit einzigartig. An die Kombination von aufladbaren Batterien und Brennstoffzelle hat sich sonst noch niemand gewagt.

Für Hans Hesse ist das natürlich auch etwas Besonderes, dennoch aber kein komplettes Neuland. Er fährt schon länger einen E-Golf. Auch weitere Familienmitglieder sind rein elektrisch unterwegs.

„Es macht einfach Spaß“, sagt Hesse. Wie fast alle Elektroautos gleitet auch sein „F-Cell“ sanft und stabil in der Straßenlage, andererseits ist er kraftvoll in der Beschleunigung durch den Verkehr. Hans Hesse fährt immer elektrisch, gewinnt Energie beim Bremsen und Bergabfahren zurück. Für den Weg zur Arbeit in Hamm und zurück reicht die Batterieladung allemal. Erst wenn der Akku auf Null steht, schaltet sich die Brennstoffzelle lautlos ein und zieht Wasserstoff aus dem Tank. Die H2-Reichweite beträgt 430 Kilometer. Die Batterie bringt zusätzlich 50 Kilometer.

Viele Wasserstoff-Tankstellen gibt es noch nicht. In Deutschland sind es derzeit rund 100, in allen Nachbarländern noch viel weniger. Da hat der Unternehmer Hesse fast den idealen Standort. Von seinem Betrieb in Hamm sind es 20 Kilometer zur nächsten Wasserstoff-Tankstelle am Kamener Kreuz, von seinem Stewwerter Wohnhaus zur H2-Station in Amelsbüren sogar noch weniger. Für seinen ersten Tankvorgang in Kamen brauchte er rund zehn Minuten. „Wenn alle Handgriffe sitzen“, sagt Hesse, „dauert es wohl nur noch halb so lange. Aber allzu so oft wird das aber gar nicht nötig sein. Im normalen Alltag dürfte eine Akkuladung für die meisten Fahrten ausreichen. Und dann kann der Wagen wieder Ökostrom tanken. Den

produziert Hesse privat in Drensteinfurt und demnächst mit einer großen Solaranlage auf dem Firmendach in Hamm.

Der „F-Cell“ von Mercedes ist ein spezieller Plug-in-Hybrid. Statt Diesel oder Benzin tankt er Wasserstoff. Nur wenige Hundert Exemplare bringt Daimler in Umlauf. Verkauft wird das Auto nicht. Es wird nur an ausgewählte Kunden und Partner vermietet. Einer davon ist Hans Hesse. Nach vier Jahren gibt er das Auto zurück.

799 Euro beträgt die Mietrate für den „GLC F-Cell“ im Monat ohne Anzahlung. Enthalten sind in dem Preis Wartung, Versicherung und alles andere. Als Zusatzkosten fallen nur die Tankrechnungen für Wasserstoff an. Ein Kilo Wasserstoff kostet 9,50 Euro. Damit kommt das Auto rund 100 Kilometer weit. Der F-Cell bringt eine Leistung von rund 200 PS auf die Straße. Zwei Tanks aus Karbonfasern sind im Fahrzeugboden eingebaut und fassen 4,4 Kilogramm Wasserstoff. Der Lithium-Ionen-Akku fasst 13,8 Kilowattstunden. Er kann an einer eigenen „Wallbox“ oder einer öffentlichen Ladestation in anderthalb Stunden mit Strom gefüllt werden. An einer normalen Steckdose dauert es sechs Stunden.

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