Teamschüler fahren eigene Ernte ein
Kartoffelsuche mit „Garten-Karl“

Drensteinfurt -

Seit zwei Jahren gibt es nun den „Interkulturellen Garten“. Und er wird rege genutzt. Zwei Parzellen gehören der Teamschule. Und deren Schüler haben gemeinsam mit Lehrer Karl Kampelmann ein durchaus stattliche Ernte eingefahren.

Dienstag, 01.10.2019, 17:54 Uhr
Die Kartoffelernte war gut. Zuvor hatten sich die Schüler aber selbst um die Pflege der Pflanzen im „Interkulturellen Garten“ zu kümmern.
Die Kartoffelernte war gut. Zuvor hatten sich die Schüler aber selbst um die Pflege der Pflanzen im „Interkulturellen Garten“ zu kümmern. Foto: Karl Kampelmann

Die Kartoffeln und der Salat wurden bereits geerntet. Und da es langsam aber sicher herbstlich wird, sind auch die Tage von Mangold und Tomatensträuchern bald gezählt. Zeit, Bilanz zu ziehen. Und das nicht nur mit Blick auf den – übrigens recht üppig ausgefallenen – Pflanzenertrag. Denn um den geht es Teamschullehrer Karl Kampelmann eigentlich erst in zweiter Linie. „Wir sind stolz darauf, dass wir es hier nur mit glücklichen und am Ende auch manchmal ausgepowerten Kindern zu tun haben“, sagt „Garten-Karl“, wie er von seinen Kollegen mitunter liebevoll genannt wird.

Mit „hier“ meint der Pädagoge den vor gut zwei Jahren eingerichteten „Interkulturellen Garten“ jenseits der Dreingau-Halle. Zur Verfügung gestellt von der Stadt, wurden dort in Trägerschaft von Teamschule und Deutsch-Ausländischem Freundeskreis insgesamt 16 Parzellen angelegt, die seitdem kontinuierlich bewirtschaftet werden. Und das, betont „Gartenchef“ Rudi Naerger , nicht nur von Schülern und Flüchtlingen. „Es ist ein Garten für alle Drensteinfurter“, sagt Naerger.

Zwei große Parzellen sind allerdings für die Teamschule reserviert. Unter den „Fittichen“ von Karl Kampelmann werden dort jedes Jahr und über die Saison verteilt verschiedene Gemüsesorten angebaut – anfangs mit Unterstützung einiger engagierter Schüler während ihrer Mittagsfreizeit, mittlerweile jedoch sogar von einem festen Kurs aus 20 Schülern. Zudem lädt „Garten-Karl“ alle vier bis sechs Wochen zu verschiedenen Projekttagen ein – mit reger Resonanz. „Das ist schon toll – und hat auch großen Einfluss auf das Zusammenleben in der Schule“, erklärt Kampelmann. Schließlich finden die Gartenaktionstage klassenübergreifend für alle interessierten Schüler aus den Jahrgängen fünf bis zehn statt.

Für Karl Kampelmann und Rudi Naerger, der den Garten gemeinsam mit Olaf Tillmann, Fritz Krähenbühl und Herbert Jäger „managed“, ist die Gartenkooperation zwischen Schule und DAF ein echtes „Leuchtturmprojekt“. Zum einen, weil dort Jung und Alt regelmäßig und in lockerer Atmosphäre zusammenkommen. Zum anderen, weil Schüler bei der Gartenarbeit viel Praktisches über Pflanzen, deren Pflege und über die Naturgesetze erfahren. „Und das ganz ohne Arbeitsblätter“, betont Kampelmann, der gleichwohl gerne das Praktische mit dem Theoretischen verbindet – etwa dann, wenn es im Naturwissenschaftsunterricht um das Thema „Pflanzenkeimung“ geht. Und dabei hilft ein Beispiel aus dem „eigenen Garten“ mitunter enorm.

In der Praxis schätzt Karl Kampelmann die Selbstständigkeit, die seine Schüler an den Tag legen. Und das nicht nur, wenn es darum geht, die Pflanzen im Sommer regelmäßig mittels Schwängelpumpe mit Wasser zu versorgen. „Die Treppe zum Bauwagen etwa hat ein Neuntklässler gebaut. Der hat es echt drauf und wird sicherlich einmal Ingenieur“, sagt der Lehrer. Und auch das kleine Gewächshaus für die zierlichen Tomatensträucher stammt aus Schülerhänden. „Da gab es ein paar Latten – und schon ging es los. Die Schüler mussten eigenständig planen, sägen und zusammenschrauben“, so Kampelmann weiter.

Und was passiert mit dem Gemüse, das die Schüler ernten? „Einiges nehmen sie natürlich mit. Denn wer sät, der will bekanntlich auch ernten“, schmunzelt Kampelmann. Ein Teil der Ernte geht mittlerweile aber auch über den sprichwörtlichen Ladentisch, hat sich innerhalb des Teamschulkollegiums doch ein fester „Kunden-kreis“ entwickelt, der die Qualität des Gemüses aus 100 Prozent ökologischem Anbau schätzt.

Eine Winterpause? Die gibt es im „Interkulturellen Garten“ – wenn überhaupt – nur bedingt. Denn schließlich will das Areal samt Terrasse und Gartenhütte kontinuierlich in Schuss gehalten werden. Das nächste Projekt wartet bereits: Der ausgemusterte Bauwagen, in dem von der Schubkarre bis zum Spaten alle notwendigen Gartengeräte vor Langfingern geschützt gelagert werden, wartet noch auf seine Restaurierung. Neue Fenster hat die Sendenhorster Veka AG bereits spendiert. „Im kommenden Frühjahr sind dann die Schüler gefragt, wenn es um die Außengestaltung geht“, schildert Karl Kampelmann, der das Gartenprojekt zwar nicht als „Gegenangriff“, wohl aber als „willkommenen Gegenpol“ zur stetigen Digitalisierung von Schulalltag und Freizeit versteht.

Und die positive Resonanz scheint ihm Recht zu geben. „Man sieht hier Schüler voller Tatendrang. Und das entspricht nicht dem Bild, das heute viele Menschen von Schülern haben“, sagt Kampelmann, der sich bereits jetzt auf die neue Gartensaison freut. Denn: „Wir leben das.“

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