Windrad fällt wie ein Baum
Nach 20 Jahren Betrieb kommt das Aus

Drensteinfurt/Albersloh -

Es war seinerzeit das erste seiner Art im Stadtgebiet – nun hat es ausgedient: Das Windrad unweit der Landesstraße 585 zwischen Drensteinfurt und Albersloh wurde am Dienstag „gefällt“. Einen Ersatz gibt es nicht – zum Ärger der bisherigen Windenergiegesellschafter.

Mittwoch, 09.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 08:53 Uhr
Das Windrad in der Bauerschaft Natorp ist Geschichte. Nach dem Aufschlag auf den Acker wird besichtigt, was sonst nur aus der Ferne zu sehen ist.
Das Windrad in der Bauerschaft Natorp ist Geschichte. Nach dem Aufschlag auf den Acker wird besichtigt, was sonst nur aus der Ferne zu sehen ist. Foto: -cri-

Sirenengeheul macht unüberhörbar deutlich, dass gleich etwas passiert. Wohl dem, der den Anweisungen des Sicherheitsingenieurs gefolgt ist, und gebührenden Abstand einhält. Dann wird es ernst: 100 Tonnen Stahl setzen sich in Bewegung, und innerhalb weniger Sekunden liegt das Windrad, das über 20 Jahre in der Bauerschaft Natorp alternative Energie produziert hat, längs auf dem Acker.

Natürlich wollen sich Rainer Volling und Heinz-Josef Uhlenbrock das Spektakel nicht entgehen lassen. Die Albersloher gehören zur „Natorp-Strom-Einspeisegesellschaft GbR“, die das Windrad in der Drensteinfurter Bauerschaft betrieben hat. Risse am sogenannten „Königszapfen“ bedeuteten das „Aus“ für den Weiterbetrieb des Energielieferanten. Für die Windenergiegesellschaft eigentlich ein guter Grund, ein neues, noch effektiveres Windrad aufzustellen oder das alte zumindest zu reparieren. „Immerhin konnten mit 13 050 000 Kilowatt über 20 Jahre lang 185 Haushalte durchgehend klimafreundlich mit Strom versorgt werden“, rechnet Rainer Volling vor.

Vorerst keine alternative Energie mehr aus Natorp

Doch es gibt Gegenwind: „Es sieht düster aus für die regenerative Stromproduktion mittels Windkraft“, findet der Albersloher. Dabei hatte sich auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Paul Berlage sogar eine weitere Windenergiegemeinschaft aus in Natorp ansässigen Bewohnern gegründet, die damals noch voller Zuversicht war.

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Foto: Christiane Husmann

Rainer Volling erklärt verärgert, wie der Gemeinschaft bei der Planung neuer Anlagen gegenwärtig immer mehr Wind aus den Segeln genommen werde: „Nach dem neuen Flächennutzungsplan gibt es nur Rudimente von Flächen, die den Aufbau von Windkraftanlagen in Natorp und deren wirtschaftlichen Betrieb unmöglich machen“, nennt Volling einen Grund.

Hinzu käme das Flugsicherungsproblem: „Die Bundesanstalt für Flugsicherung hat fast den ganzen Raum Drensteinfurt für Windkraftanlagen gesperrt“, erklärt der Freund von Windenergie und wundert sich: „Eine Hilfestellung durch die Stadt Drensteinfurt findet nicht statt.“ In Münster sei so etwas doch auch möglich. „Des Weiteren werden Naturschutzgründe angegeben“, sagt der Albersloher und versichert: „Die Freifläche rund um die Anlage war ein Refugium für das hier vorkommende Niederwild.“

Windrad fällt wie ein Baum

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"Von der Politik im Stich gelassen"

Über die gesamte Betriebszeit der Anlage habe es auch keinerlei Schlagopferfunde von Greifvögeln oder Fledermäusen gegeben. „Wir haben viel Energie, Zeit, Arbeit und vor allem Herzblut in das Projekt gesteckt“, ärgern sich Heinz-Josef Uhlenbrock und Rainer Volling, und sie sagen: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen. Wieso stemmt man sich gegen die dringende Notwendigkeit, Energie klimafreundlich zu gewinnen?“

Die Demontagefirma ist während der Abbauarbeiten mit anderen Dingen befasst. Bevor das Windrad aus der Vertikalen in die Horizontale wechselt, wird die Elektronik ausgebaut. Dabei bietet sich ein Blick ins Innere, das über eine sehr steile Leiter 65 Meter hoch bis in die Spitze bestiegen werden kann. Rechnet man die Flügel dazu, ist das Windrad insgesamt 95 Meter hoch. Deshalb muss Thomas Zscherper als Geschäftsführer der Demontagefirma genau berechnen, wo die Stahlmassen aufschlagen.

Material wird recycelt 

Als würde ein Baum gefällt, wird der Sockel so eingeschnitten, dass die Fallrichtung vorgegeben ist. Das passiert allerdings mit schwerem Gerät. Oben am Windrad wird ein Stahlseil befestigt, das mit einem Bagger verbunden ist. Derweil passt Sicherheitsingenieur Werner Siewert peinlichst darauf auf, dass sich kurz vor dem Fall niemand mehr der Anlage nähert. Mit einer Sirene wird eine letzte Warnung gegeben, bevor sich der Bagger in Bewegung setzt.

Innerhalb weniger Sekunden fällt der Koloss und landet mit sehr lautem Knall auf dem freien Acker. Dabei löst sich der aufgesteckte Kopf des „E40“ – so der Name des Windrads, das nun von nahem begutachtet werden kann. „Das Material wird wiederverwendet“, erklärt Thomas Zscherper, der sich freut, dass er seine Arbeit erfolgreich erledigt hat.

„Schade, dass das Windrad jetzt weg ist“, finden nicht nur Heinz-Josef Uhlenbrock und Rainer Volling, sondern auch einige Landwirte, die sich das Schauspiel aus der Nähe angeschaut haben. Ob sie im Natorp oder Umgebung in Zukunft sich drehende Windräder sehen – wer weiß?

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