Vor genau 50 Jahren
Eine Stadt wächst zusammen

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde -

Es war im Jahr 1969, als die bis dahin selbstständigen Gemeinden „Drensteinfurt-Stadt“ und „Drensteinfurt-Kirchspiel“ administrativ zusammengelegt wurden. Im gleichen Jahr entschied sich die Walstedder Gemeindevertretung für den Anschluss an Drensteinfurt. Ein Blick zurück...

Dienstag, 22.10.2019, 10:00 Uhr
Die Bauerschaften und umliegenden kleinen Siedlungen – hier ein Luftbild aus Mersch – bildeten einst die selbstständige Gemeinde „Drensteinfurt-Kirchspiel“. Erst 1969 folgte der Zusammenschluss mit der Stadt.
Die Bauerschaften und umliegenden kleinen Siedlungen – hier ein Luftbild aus Mersch – bildeten einst die selbstständige Gemeinde „Drensteinfurt-Kirchspiel“. Erst 1969 folgte der Zusammenschluss mit der Stadt. Foto: Gunnar A. Pier

Der erste Mensch auf dem Mond, der Erstflug von „ Concorde “ und Boeings „Jumbo Jet“ oder auch das „Woodstock“-Festival: 1969 war ein Jahr besonderer Ereignisse. Auch Drensteinfurt standen große Veränderungen ins Haus, als die bis dahin selbstständigen Gemeinden „Drensteinfurt-Stadt“ und „Drensteinfurt-Kirchspiel“ in eben diesem Jahr administrativ zusammengeschlossen wurden.

Wie der „Kleinen Stadtgeschichte“ von Werner Bockholt zu entnehmen ist, bedeutete dies vor allem für die Verwaltung eine enorme Vereinfachung der Arbeit. „Zumal wichtige anliegende Probleme wie Kanalisation, Ausweisung von Baugebieten, Sport, Schulwesen nur gemeinsam gelöst werden konnten“, so Bockholt.

Nach historischer Überlieferung gehörte die einstige Gemeinde „Kirchspiel“ nach der Napoleonischen Zeit zunächst zur Bürgermeisterei Drensteinfurt im 1816 gegründeten Kreis Lüdinghausen. Mit der Einführung der Westfälischen Landgemeindeordnung soll 1843 aus der Bürgermeisterei das „Amt Drensteinfurt“ entstanden sein, während das „Kirchspiel“ auch als „Landgemeinde Drensteinfurt“ bezeichnet wurde. Sie umfasste eine Fläche von knapp 45 Quadratkilometern mit den Bauerschaften Averdung, Eickendorf, Mersch, Natorp, Ossenbeck und Rieth. Die Einwohnerzahl wuchs von rund 1000 im Jahr 1830 auf 2575 im Jahr 1969.

Zum Altkreis Lüdinghausen

Durch das Gesetz über den Zusammenschluss wurde die Gemeinde Kirchspiel zum 1. Juli 1969 in die Stadt Drensteinfurt eingemeindet. Die Stadt selbst gehörte damals noch zum Altkreis Lüdinghausen und kam erst 1975 zum neuen Kreis Warendorf.

Ebenfalls 1969 – und damit vor genau 50 Jahren – entschied sich die Walstedder Gemeindevertretung für den Anschluss an Drensteinfurt. „Das Dorf Walstedde geht in seinen Ursprüngen auf die Zeit um 900 zurück. In jenem Jahr wurde eine Gerichtsstätte erwähnt“, schildert Werner Bockholt. Bereis um 1100 gab es die drei heutigen Siedlungskerne Walstedde, Ameke und Herrenstein als Bauerschaften. „Der agrarische Charakter des Raumes blieb dominierend. 1796 werden in Walstedde 44 Bauernhöfe erwähnt“, so der Heimatforscher weiter.

Bahnstrecke und Brennereien

„Die Pfarrgemeinde St. Lambertus, eine Ahlener Filiale, geht in ihrer Gründung in das 13. Jahrhundert zurück.“ Der Bau der Pfarrkirche habe zu einer geringfügigen Siedlungsverdichtung geführt, begünstigt durch den Bau der Bahnstrecke Münster-Hamm, durch zwei Brennereien und den damaligen Strontianitbergbau. „Die günstige Nähe zu den Städten Ahlen und Hamm führte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer räumlichen Ausdehnung“, so Werner Bockholt weiter. „Der Zusammenschluss mit Drensteinfurt kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine starke zentralörtliche Ausrichtung nach Ahlen und Hamm vorzufinden ist.“

Die Einwohnerzahl Walsteddes stieg von 1052 im Jahr 1818 auf 2214 im Jahr 1950. Nach dem Zusammenschluss von Drensteinfurt-Stadt, Kirchspiel und Walstedde zählte die neue Kommune 1969 insgesamt 7908 Einwohner. Eine Zahl, die noch einmal deutlich anstieg, als im Rahmen der kommunalen Neuordnung 1975 auch das Dorf Rinkerode der Stadt Drensteinfurt zugeschlagen wurde – obwohl sich die Rinkeroder selbst für eine neue Flächengemeinde mit Amelsbüren und Hiltrup ausgesprochen hatten.

Räumliche Entfernung

„Die Eingliederung Rinkerodes nach Drensteinfurt ist sicher nicht unproblematisch“, lautete es damals in einer Stellungnahme des Innenministeriums. „Nach der räumlichen Entfernung (acht Kilometer) beider Gemeinden voneinander bestehen jedoch keine Bedenken. Drensteinfurt ist auch der eindeutige Siedlungsschwerpunkt, der bereits heute über ein beachtliches Grundversorgungsangebot verfügt, so dass insbesondere nach Abschluss der Stadtkernsanierung langfristig mit einer stärkeren Ausrichtung Rinkerodes nach Drensteinfurt gerechnet werden kann.“

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Davertdorf übrigens im Jahr 1170. Die Pfarrei wurde zum ersten Mal 1250 genannt. Die Pfarrkirche St. Pankratius entstand zwischen 1721 und 1724 und wurde damit also vor genau 245 Jahren fertiggestellt. Zur Zeit des Kirchenbaus lebten 976 Einwohner in der Ortschaft – heute sind es knapp 3800.

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