Pilgern auf dem Jakobsweg
Mit nur zehn Euro pro Tag ans Ziel

Rinkerode -

Der Jakobsweg erfreut sich seit Jahren wachsender Popularität. Auf dem Weg in Richtung Santiago de Compostela können Pilger auch in Rinkerode Station machen. Matthias und Mechthild Steinhoff bieten Gästen in der Bauerschaft Hemmer seit einiger Zeit ein Quartier an.

Mittwoch, 30.10.2019, 23:59 Uhr aktualisiert: 03.11.2019, 17:56 Uhr
Auf ihrem Pilgerweg machte Edith Hagemann gemeinsam mit Setter „Sola“ bei Mechthild und Matthias Steinhoff Station.
Auf ihrem Pilgerweg machte Edith Hagemann gemeinsam mit Setter „Sola“ bei Mechthild und Matthias Steinhoff Station. Foto: Mangels

Vielen dürfte er bekannt sein: der berühmte Jakobsweg, der durch die malerische spanische Landschaft bis nach Santiago de Compostela führt. Weit weniger bekannt hingegen dürfte sein, dass es auch in Deutschland verschiedene Jakobswege als „Zuwegungen“ zum offiziellen Startpunkt an der französisch-spanischen Grenze gibt.

Einer dieser deutschen Jakobswege führt von Bremen über Osnabrück und Münster nach Köln und endet auf deutschem Territorium in Aachen an der belgischen Grenze. Von dort geht es weiter durch Frankreich nach Spanien. Die Strecke von Bremen nach Köln ist beschrieben in einem kleinen Büchlein mit der Bezeichnung „Outdoor – Der Weg ist das Ziel“. Entlang des Weges befinden sich zahlreiche Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten, die in dem Buch genau beschrieben werden.

Eine der Stationen gibt es auch in Rinkerode, und zwar bei Matthias und Mechthild Steinhoff in der Bauerschaft Hemmer. „Seit September 2018 sind bei uns schon sechs Jakobspilger eingekehrt. Einer kam sogar aus Frankreich“, erzählt Mechtild Steinhoff. Vor einigen Tagen nun hatte sich die siebte Jakobspilgerin angemeldet.

Pünktlich um 16 Uhr erscheint die fast 60-jährige Edith Hagemann samt ihrem irischen Setter „Sola“ aus Richtung Münster und wird von Mechtild Steinhoff herzlich begrüßt. „Das war heute vom Wetter her der schlechteste Tag seit meinem Aufbruch in Bremen. Doch dafür wird es heute Abend bei der Familie Steinhoff umso schöner werden“, schmunzelt die Pilgerin und bedankt sich überschwänglich für die freundliche Aufnahme bei ihrer Gastfamilie.

Edith Hagemann berichtet, dass sie Mitte September in Bremen gestartet und immer auf dem mit der Jakobsmuschel gekennzeichneten Weg gegangen sei. Es ist nicht der erste Pilgerweg, den die Bremerin hinter sich hat. Bereits in den Jahren 2016 und 2017 ist sie über mehrere Wochen den sogenannten ökumenischen Pilgerweg „Via Regia“ von Görlitz nach Vacha mit insgesamt 400 Kilometern auf „Schusters Rappen“ unterwegs gewesen. Im Jahr 2018 ist sie dann vom spanischen San Sebastian aus in Richtung Santiago de Compostela und dann noch bis Porto „immer entlang der Küste“ rund 1000 Kilometer in sieben Wochen gegangen. „Da sind mir unterwegs die Sohlen abgegangen, und ich musste meine Schuhe mit Pflaster und blauem Bindegarn flicken“, sagt sie lächelnd.

In diesem Jahr stand nun der Jakobsweg von Bremen nach Köln auf ihrem Plan. Nach dem Start, bei dem sie vom sogenannten „Jakobswegbeauftragten für Norddeutschland“ die letzten Informationen bekommen hatte, ging es täglich rund 25 Kilometer in Richtung Osnabrück. „Ich bin in der Regel um 10 Uhr losgegangen und habe gegen 17 Uhr mein Ziel erreicht“, berichtet Edith Hagemann. Sie sei aber auch schon mal zwei Tage an einem Ort geblieben, beispielsweise auf einem großen Bauernhof in Kroge.

Übernachtet hat sie meistens in Unterkünften, die im genannten Leitfaden aufgeführt sind. „Aber ich habe auch in drei Orten gezeltet“, erzählt sie. „Mein Ziel war es, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Fünf Euro für die Verpflegung und fünf Euro für die Übernachtung pro Tag waren mein Ziel. Und das habe ich bisher – auch dank der tollen Gastfamilien wie der Familie Steinhoff – einhalten können“, sagt die Pilgerin.

Von Münster aus – „dort war es mir zu hektisch, daher bin ich schnell weitergegangen“ – ging es dann zunächst entlang der Bundesstraße 54 bis nach Hiltrup und nach dem Überqueren der beiden Kanalbrücken in die Hohe Ward. Vorbei am Steiner See führte der Weg entlang der Bahnlinie nach Rinkerode. „Mechtild Steinhoff hat mir dann genau beschrieben, wie ich sie erreiche“, schildert Hagemann, die ziemlich durchnässt ihre Herberge erreichte.

Auf die Frage, was ihre Beweggründe für das wochenlange Pilgern sind, sprudelt es nur so aus ihr heraus. „Ich bin ein Mensch, der sehr gerne in der Natur ist. Ich treffe gerne Menschen und suche neue Kontakte. Auf meinen vielen Wanderungen habe ich schon viele Freundschaften geknüpft.“

Besonders freut sie, dass es entgegen eigener Erwartungen auch in Deutschland genau so leicht sei, mit freundlichen Menschen ins Gespräch zu kommen, wie in Spanien. „Das hätte ich vorher nicht gedacht“, so die fließend spanisch sprechende Mutter von sieben Kindern im Alter zwischen 17 und 27 Jahren.

Am folgenden Tag soll es dann weitergehen in Richtung Köln, zunächst durch die Drensteinfurter Bauerschaft Ossenbeck nach Herbern und Werne. Vor dem Abschied trägt sie sich noch in das Gästebuch der Familie Steinhoff ein. Und „Sola“? Die hat sich nach der anstrengenden Strecke bei dem Hundewetter inzwischen schon mal schlafen gelegt.

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