Interview mit Teamschulleiterin Anja Sachsenhausen
„Wir sind näher zusammengerückt“

Drensteinfurt -

Mit einem Akzeptanzproblem hat die Teamschule zu kämpfen. Dabei, das belegt das jüngste Schulgutachten, wird dort gute Arbeit geleistet. Im Interview erzählt Schulleiterin Anja Sachsenhausen, welchen Einfluss die Diskussion auf die Schulgemeinschaft hat.

Freitag, 15.11.2019, 07:59 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 08:01 Uhr
Seit 2017 leitet Anja Sachsenhausen die Drensteinfurter Sekundarschule.
Seit 2017 leitet Anja Sachsenhausen die Drensteinfurter Sekundarschule. Foto: Dietmar Jeschke

Mit vielen Vorschusslorbeeren ist die Sekundarschule vor sechs Jahren an den Start gegangen. Seitdem sinken die Anmeldezahlen, insbesondere die Quote „einheimischer“ Schüler ist gering. Dabei, das belegt das jüngste Schulgutachten, wird dort gute Arbeit geleistet. Eine Qualitätsanalyse hat die Teamschule mit einem landesweiten Spitzenergebnis bestanden. Woher rührt also das Akzeptanzproblem? Wie wirkt sich die Debatte auf die Stimmung innerhalb der Schulgemeinschaft aus? Und welche Wünsche gibt es für die Zukunft? Darüber haben die WN-Redakteure Nicole Evering und Dietmar Jeschke mit Schulleiterin Anja Sachsenhausen gesprochen.

 

Frau Sachsenhausen, über die Zukunft der einzigen weiterführenden Schule im Stadtgebiet wurde in den vergangenen Monaten viel diskutiert. Wie betrifft Sie diese Debatte, und wie ist die Stimmung?

Anja Sachsenhausen: Diese Debatte ist für uns nicht neu, allerdings die Vehemenz, mit der die Diskussionen geführt wurden. Wir haben die Eltern- und die Schülerschaft über das Schulrechtsänderungsgesetz, das verabschiedet wird und das der Sekundarschule im ländlichen Raum eine Zweizügigkeit zusagt, gesondert informiert. Die einzelnen Gremien haben sich zusammengesetzt – mit dem Erfolg, dass wir näher zusammengerückt sind und eine sehr positiv-kämpferische Stimmung deutlich ist.

 

Die Teamschule basiert bekanntlich auf dem Gesamtschulkonzept – ohne gymnasiale Oberstufe. Ist es ein Makel, letztere nicht bieten zu können und nicht einfach „Städtische Gesamtschule“ zu heißen?

Sachsenhausen: Die Vorzüge unserer Sekundarschule sind deutlich und auch der Erfolg unserer Arbeit ist es. Er ist aber nicht abhängig von der Namensgebung. Die Schulform gewährleistet ein umfassendes und wohnortnahes Angebot als Ganztagsschule. Dies muss auch angenommen werden. Allein die Diskussion um den Makel „fehlende Oberstufe“ zeigt deutlich, dass das Image einer Schule nicht durch die erfolgreiche Arbeit geprägt ist. An dieser Stelle muss sich das gesellschaftliche Bewusstsein ändern.

 

Bei der Vorstellung des Sekundarschulkonzepts vor einigen Jahren wurden dessen Vorzüge in der Politik ausdrücklich gelobt. Was davon hat sich in der Praxis bewährt?

Sachsenhausen: Die Sekundarschule sollte den Wünschen von Eltern und Grundschullehrern entgegenkommen: keine Schullaufbahnempfehlung, die vorzeitig über den weiteren Werdegang des Kindes entscheidet, kleine Lerngruppen, neue Raumkonzepte und differenzierte Unterrichtsgestaltung. Die Vorbereitung auf einen Beruf oder eine weitere Schullaufbahn hat in unserer Sekundarschule hohe Priorität. Das alles hat sich bewährt. Dem entgegen steht allerdings offenbar der gesellschaftliche Wille zur frühen Entscheidung für eine gymnasiale Schullaufbahn. Dem entgegenzuwirken, scheint im Moment kaum möglich.

 

Die – noch junge – Abschlussbilanz der Teamschule kann sich bekanntlich sehen lassen. Was geben Sie Eltern potenzieller Schüler mit auf den Weg, denen besonders dieser Aspekt wichtig ist?

Sachsenhausen: Auch hier zeichnet sich klar die Tendenz ab: Wichtig wird für eine Schule, inwieweit sie Abgänger mit der Qualifikation zur gymnasialen Oberstufe vorweisen kann. Und für geeignete Schülerinnen und Schüler ist auch der Übergang in eine gymnasiale Oberstufe möglich. Die Schule unterrichtet nach Lehrplänen der Gesamtschulen, vermittelt damit auch Inhalte auf Gymnasialniveau. Aber: Das differenzierte Arbeiten im Unterricht ermöglicht jedem Kind, seinen Weg zu finden und den individuell höchstmöglichen Schulabschluss anzustreben. Und jedes Kind hat ein Recht auf Anerkennung seiner Leistung. Entscheidend ist aus unserer Sicht nicht nur der gute Abschluss, sondern vor allem der gute Anschluss. Und auch hier unterstützen wir unsere Schüler in allen Belangen.

 

Was persönlich gefällt Ihnen an „Ihrer Schule“ am besten?

Sachsenhausen: Unsere Schule zeichnet sich durch ein Kollegium aus, das mit Herz bei der Arbeit ist. Wir arbeiten gerne an unserer Schule. Unsere Schule bietet zudem eine optimale mediale und räumliche Ausstattung. So ist eine moderne Form des Lehrens und Lernen überhaupt erst umsetzbar – zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler.

 

Was wünschen Sie der Schule für die Zukunft?

Sachsenhausen: Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Sekundarschule als relativ „junge Schulform“ die gesellschaftliche Anerkennung erhält, die sie verdient.

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