Gedenkfeiern zum Volkstrauertag
Frieden fällt nicht vom Himmel

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde -

Mit Gedenkfeiern wurde am Sonntag anlässlich des Volkstrauertages in allen drei Ortsteilen der Opfer der Weltkriege gedacht. In Drensteinfurt lenkte CDU-Ratsmitglied Heinz Töns dabei den Blick auf das Jahr 1938, in dem das Ehrenmal errichtet worden war.

Sonntag, 17.11.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 17:38 Uhr
CDU-Fraktionsvorsitzender Heinrich Töns blickte in seiner Ansprache auf das Jahr 1938 zurück, in dem der Grundstein für das Ehrenmal am Landsbergplatz gelegt worden war.
CDU-Fraktionsvorsitzender Heinrich Töns blickte in seiner Ansprache auf das Jahr 1938 zurück, in dem der Grundstein für das Ehrenmal am Landsbergplatz gelegt worden war. Foto: Dietmar Jeschke

„Wir Kinder brauchen Vorbilder. Männer und Frauen, die unsere Sprache sorgsam verwenden, Worte behutsamen wählen und sich für unser Wohl und den Frieden weltweit einsetzen“, erklärten einige Schüler des Schülerrates der Walstedder Lambertusschule während der Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertags am Walstedder Ehrenmal. Ebenso betonten sie, dass der Frieden „nicht wie der Regen vom Himmel fällt“.

Diese Gedanken griff auch Bernd Borgmann in seiner Gedenkrede auf. „Der Volkstrauertag bleibt ein Moment des Erinnerns, in dem wir die Toten von Krieg, Diktatur und Gewalt ehren. Er ist ein Tag, an dem wir zum Frieden mahnen müssen“, so der Ortsvorsteher. Die Gegenwart zeige, dass Frieden und Krieg heute immer noch dicht beieinander liegen und Gewalt sowie Terror präsenter denn je seien. „Leider erleben wir zunehmend das Erstarken des Antisemitismus‘ und radikaler Kräfte von rechts und von links“, bemerkte er und verwies dabei auf das „immer mehr offen geäußerte antisemitische Gedankengut und eine zunehmende Radikalisierung und Verrohrung von Sprache“ in den sozialen Medien. „Das passiert mit einer früher nicht denkbaren Direktheit mit dem Ziel, Hass anzustacheln und Andersdenkende auszugrenzen, einzuschüchtern und zu erniedrigen“, ergänzte Borgmann.

Folgen dieser Eskalation seien beispielsweise die Anschläge in Halle und der feige Mord an Walter Lübcke. „Vor diesem Hintergrund hat der Volkstrauertag auch nach einem Jahrhundert seine Bedeutung und Rechtfertigung nicht verloren. Er ist kein altmodisches Relikt geworden“, erläuterte der Ortsvorsteher. Ebenso forderte er, dass „wir bereit sein müssen, uns an den Friedensmissionen in aller Welt aktiv zu beteiligen“ und rief dazu auf, „unsere Region, unser Land und Europa für den Frieden auf unserem Kontinent weiterhin zu stärken“ und dies als gemeinsamen Auftrag zu verstehen. Abschließend bat er – wie bereits 2017 praktiziert – alle am Ehrenmal Anwesenden darum, dem jeweiligen Nachbarn die Hand zu reichen und diesem „Frieden und Freiheit“ zu wünschen.

Im Anschluss folgte die Kranzniederlegung durch Borgmann und Pater Johny. Zudem stellten einige Grundschüler Kerzen auf, bevor die Gedenkveranstaltung mit der Nationalhymne endete. Musikalisch begleiteten der Kirchenchor St. Lambertus, der Walstedder Spielmannszug und der Bläserkreis Hamm-Heessen die Veranstaltung.

In Rinkerode hatte die Gedenkfeier zum Volkstrauertag bereis um 9 Uhr auf dem Dorfplatz begonnen. Nach der Ansprache durch Bürgermeister Carsten Grawunder lud Pastor Clemens Röer die Teilnehmer und die Musiker des Kolpingblasorchesters zum feierlichen Gottesdienst in die Pankratiuskirche ein.

In Drensteinfurt hielt Heinz Töns als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat der Stadt die Gedenkansprache, in der er den Blick zurück auf das Jahr 1938 warf. Denn am 28. August dieses Jahres war der Grundstein für das Ehrenmal am Landsbergplatz gelegt worden. „Wer die Urkunde liest, die im Fundament dieses mächtigen Bauwerkes eingemauert ist, kann es fühlen, dass es nicht nur errichtet wurde, um die Toten des Ersten Weltkrieges zu ehren, sondern um Hass zu schüren für Rache und Vergeltung“, erklärte Töns. „Kein einziges Wort im langen, pathetischen Text der Urkunde von Versöhnung, von Freiheit, von Frieden. Ein jüdisches Drensteinfurter Opfer im Stellungskrieg von Verdun, Gustav Levi, dessen Name durfte natürlich nicht in den Stein gemeißelt werden. Sein Name ist erst in den 1980-er Jahren hinzugefügt worden. Das zeigt einen unerbittlichen Rassismus.“

Wie Töns weiter berichtete, zogen nur wenige Tage nach der Einweihung des „Kriegerdenkmals“ auch in Drensteinfurt wilde Horden von Nazis durch die Straßen, um die Häuser der jüdischen Einwohner zu zerstören. „Nur ein Mann, der Arzt Dr. Ludwig Metzger, konnte am Eingang des Krankenhauses den Schwergen Einhalt gebieten“, erinnerte Töns an die Reichpogromnacht vom 9. November 1938. „Wir dürfen nicht vergessen, dass durch das Dritte Reich ganze Familien ausgerottet, ganz Städte ausradiert wurden, erst durch den Krieg in ganz Europa, dann rund um die Welt“, so der CDU-Politiker.

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