Clique junger Drensteinfurter
„Wir wollen einen Jugendtreff“

Drensteinfurt -

Im Kulturbahnhof werden viele Angebote für jüngere Kinder und Jugendliche gemacht. Eine Clique von jungen Erwachsenen hat aber den Eindruck, dass es für sie keinen Platz gibt. Das muss sich ändern, findet die Gruppe und bietet der Stadt tatkräftige Mithilfe an, um einen eigenen Treffpunkt zu realisieren.

Mittwoch, 20.11.2019, 07:00 Uhr
Bislang treffen sich die jungen Erwachsenen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet. Aber Tobias, Lion, René, Malte, Jonas und Ben (v.li.) sowie ihre Clique wünschen sich einen eigenen Rückzugsort und wollen dafür auch gerne selbst mit anpacken.
Bislang treffen sich die jungen Erwachsenen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet. Aber Tobias, Lion, René, Malte, Jonas und Ben (v.li.) sowie ihre Clique wünschen sich einen eigenen Rückzugsort und wollen dafür auch gerne selbst mit anpacken. Foto: Simon Beckmann

Sie wollen nicht länger abgestempelt werden. Deswegen wagen sich jetzt mehr als 30 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 20 Jahren in die Öffentlichkeit. Ihr Ziel: Sie wollen sich für einen neuen Jugendtreff in Drensteinfurt einsetzen.

Um das zu unterstreichen, hat sich die Gruppe um Initiator Malte Mentrup an unsere Zeitung gewandt. Zum Gespräch im Kulturbahnhof ist auch Stadtjugendpfleger Rüdiger Pieck eingeladen, der als „Brücke“ zu Bürgermeister Carsten Grawunder agiert.

„Uns wird keine Möglichkeit geboten, wo wir uns treffen können“, erzählt Mentrup. Der 19-Jährige hängt mit einer größeren Clique regelmäßig an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet ab, etwa an der Skaterbahn, am Sportplatz in Ossenbeck, an der Teamschule oder am Bahnhof. Mit dieser Situation ist die Truppe aber nur bedingt zufrieden. „Wir wollen endlich einen Jugendtreff hier im Ort und würden auch bereitwillig mithelfen, das zu realisieren“, erklärt er. Der Kulturbahnhof biete sich als Treffpunkt nicht an. „Da werden Kurse und Aktivitäten für Kinder angeboten. Aus dem Alter sind wir aber raus“, findet Mentrup.

Einige Platzverweise kassiert

Stattdessen zieht es die Clique an andere Orte. „Wir haben uns vor Kurzem mit Heiko Schwarz von der Teamschule getroffen. Er hat uns erlaubt, dass wir auf dem Schulhof chillen dürfen“, berichten die Jugendlichen. „Da konnten wir auch etwas lauter Musik hören und haben niemanden gestört.“ Das, betont Mentrup, sei auch gar nicht die Absicht der jungen Leute. Dennoch habe die Gruppe schon einige Platzverweise, zum Beispiel für die Skaterbahn in Ossenbeck, kassiert. „Anfangs haben die Nachbarn noch mit uns gesprochen. Jetzt wird schon am helllichten Tag die Polizei gerufen“, schildert die Gruppe. „Dabei kann man sich mit uns ganz entspannt unterhalten.“

Momentan avanciert der Unterstand am Bahnsteig in Richtung Hamm zum beliebten Treffpunkt für die Clique – gerade, wenn es regnet. „Das ist ein zentraler Ort, der gut für alle zu erreichen ist“, nennt Mentrup den Grund dafür. Trotzdem stören die Jugendlichen das Gerede und der Stempel „asozial“, der ihnen aufgedrückt wird. Den jungen Erwachsenen seien schon diverse abfällige Bemerkungen von Passanten an den Kopf geworfen worden. „Wir werden auch häufiger von alkoholisierten Bahnfahrenden angepöbelt“, sagt Mentrup.

Kein Grund zur Klage

Rüdiger Pieck springt für die Clique in die Bresche. „Ihr steht da am Bahnsteig und seid brav“, so der Stadtjugendpfleger, der in regelmäßigem Kontakt zu den Mitarbeitern der aufsuchenden Jugendarbeit des Kreises Warendorf steht. „Ich habe im Moment keinen Grund zu klagen.“ Allerdings würden die Jugendlichen zu viel Müll am Unterstand hinterlassen. Das bessere sich aber ebenfalls: „Ich sehe oft den einen oder anderen von euch, der etwas aufräumt.“ Im Sommer habe Pieck mit der Clique zudem ausgemacht, dass sie sich an der Tischtennisplatte am Kulturbahnhof treffen kann. Voraussetzung: Dort durfte nicht alles zugemüllt werden. „Das hat sie eingehalten“, blickt er zurück.

Nichtsdestotrotz hält der Stadtjugendpfleger einen neuen Jugendtreff ebenfalls für sinnvoll. Denn: In den vergangenen zehn Jahren habe die Stadt in dieser Richtung nichts Konkretes unternommen. „Es gab aber auch viele Jahre einfach nicht so eine große Gruppe“, begründet er. Die Bereitschaft der Jugendlichen, selbst anpacken zu wollen, findet Pieck gut: „Das ist der erste Schritt.“

Wir wollen dabei helfen, einen Jugendtreff zu schaffen und würden uns dafür nach der Arbeit zum Werkeln treffen.

Malte Mentrup

Eine Idee ist der Bau einer Holzhütte, die für die jungen Leute zu Fuß gut zu erreichen ist. „Das darf aber kein rechtsfreier Raum werden, wo mit Drogen gedealt wird“, betont Pieck. Das wissen auch die Jugendlichen. „Wir wollen einfach nur einen Ort haben, wo wir ungestört etwas lauter Musik hören und abhängen können“, wiederholt Malte Mentrup und signalisiert erneut Unterstützung: „Wir wollen dabei helfen, einen Jugendtreff zu schaffen und würden uns dafür nach der Arbeit zum Werkeln treffen.“ Zudem versprechen die Jugendlichen, sich um diesen Platz kümmern zu wollen – vor allem in Sachen Sauberkeit. „Früher war es vielleicht cool, leere Glasflaschen zu zerschmeißen. Heute regt uns das auch auf.“ Darüber hinaus würden die jungen Erwachsenen, das versichert der Initiator, etwas Selbstgebautes niemals zerstören.

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