Serie: Leben und Arbeiten im Malteserstift
Azubis schätzen Beruf mit Perspektive

Drensteinfurt -

Unregelmäßige Arbeitszeiten, körperlich anstrengende Tätigkeiten und Situationen, die psychisch stark belasten können: Der Beruf des Altenpflegers scheint auf den ersten Blick nicht nur rosige Seiten zu haben. Für Janine Finch und Abubakar Siddick ist es dennoch ein Traumberuf.

Samstag, 23.11.2019, 16:00 Uhr
Janine Finch und Abubakar Siddick sind im dritten Jahr ihrer Ausbildung zum Altenpfleger. Für beide ist es ein Traumberuf.
Janine Finch und Abubakar Siddick sind im dritten Jahr ihrer Ausbildung zum Altenpfleger. Für beide ist es ein Traumberuf. Foto: Nicole Evering

Arbeiten auch nachts, an Wochenenden und an Feiertagen, körperlich anstrengende Tätigkeiten verrichten und mit Situationen umgehen, die psychisch stark belasten können: Der Beruf des Altenpflegers scheint auf den ersten Blick nicht nur rosige Seiten zu haben. Und trotzdem sagen Janine Finch und Abubakar Siddick: „Für uns ist es ein Traumberuf.“

Die beiden jungen Menschen sind derzeit im dritten Jahr ihrer Ausbildung. Theoretische Unterrichtsblöcke am Berufsförderungswerk Hamm und praktische Einsätze im Malteserstift St. Marien wechseln sich dabei ab. Im nächsten Jahr steht das Examen an, bestehend aus einer schriftlichen, einer mündlichen und einer praktischen Prüfung. Schon jetzt beginnen die beiden, sich vorzubereiten. Denn: „Die Lehrer sagen, die Durchfallquote gerade im schriftlichen Teil wird immer höher“, berichtet Janine Finch.

Für sie kam eigentlich nie ein anderer Beruf in Frage. Die 20-Jährige wollte schon immer mit Menschen arbeiten. „Ich habe auch ein Praktikum im Kindergarten gemacht, aber das war überhaupt nichts für mich.“ Der Entschluss, in die Altenpflege zu gehen, reifte. „Dort habe ich immer eine Perspektive, kann mich in vielen Bereichen weiterbilden und Menschen helfen.“ Bereut hat sie diese Entscheidung bis heute nicht, auch wenn gerade die Theorie, das gibt die Drensteinfurterin unumwunden zu, manchmal doch deutlich schwieriger sei als vermutet. „Respekt an alle, die das schon geschafft haben“, ergänzt Abu Siddick schmunzelnd.

Mit Menschen kommunizieren

Der gebürtige Ghanaer hat Verschiedenes ausprobiert, Praktika als Anlagenmechaniker und Kfz-Mechatroniker gemacht – und sich dann für die Pflege entschieden. „Da kann ich viel besser mit Menschen kommunizieren, das macht mir einfach Spaß“, sagt er. Für die Arbeit mit Metall brauche man kein Gefühl, in seinem Job aber schon. Und auch seine Deutschkenntnisse hätten sich durch die Ausbildung enorm verbessert, betont der 24-Jährige. „Wenn mir ein Wort nicht einfällt, versuche ich, es zu umschreiben.“ So habe er in kurzer Zeit viele Begriffe dazu gelernt.

Wie lege ich einen Katheter oder gebe eine Injektion? Wie werden Wunden versorgt oder Patienten vom Bett in den Rollstuhl transferiert? Wie gestalte ich die Freizeit der Bewohner oder kommuniziere mit Patienten bei fortschreitender Demenz? Mit all diesen Aspekten setzen sich die Auszubildenden sowohl theoretisch als auch praktisch auseinander. Der Wechsel zwischen Schule und Arbeit gefällt ihnen dabei besonders gut. Auch mehrwöchige Einheiten im Krankenhaus und im Sozialen Dienst gehören zur Ausbildung. „So sind wirklich alle Bereiche der Altenpflege abgedeckt“, berichtet Janine Finch.

Bindung zu den Bewohnern

Doch insbesondere der persönliche Kontakt zu den älteren Menschen macht für beide den Beruf aus. „Es ist wichtig, eine Bindung zu den Bewohnern aufzubauen“, meint Abu Siddick. Das im Haus praktizierte Betreuungsmodell nach Böhm, bei dem die Biografie des Bewohners in den Mittelpunkt gerückt wird, haben die beiden Azubis längst verinnerlicht. Dass auch der Tod zum Leben dazu gehört, damit versuchen beide, professionell umzugehen. „Für uns ist das mittlerweile nicht mehr so ein Tabuthema wie vielleicht für andere“, erklärt die 20-Jährige. Und trotzdem sei es manchmal schwierig, wenn sie nach mehreren Wochen Schule wieder ins Stift komme und ein lieb gewonnener Bewohner sei plötzlich nicht mehr da. „Wir können darüber mit unserer Praxisanleitung sprechen, wenn wir möchten“, so Janine Finch. Sowieso funktioniere die Arbeit mit den Malteser-Kollegen bestens, die Azubis fühlten sich von Anfang an gut integriert.

Wenn die Prüfungen im kommenden Jahr erfolgreich bestanden sind, hoffen beide, vom Malteserstift übernommen zu werden. „Ich möchte gerne mehr berufliche Erfahrungen sammeln“, sagt Abu Siddick. Das Gleiche gilt für Janine Finch, die sich perspektivisch in der Palliativpflege fortbilden will: „Eines Tages möchte ich im Hospiz arbeiten.“

Die Ausbildung im Malteserstift

Das Malteserstift St. Marien bildet aktuell sieben Azubis in den Berufen Altenpfleger/in und Altenpflegehelfer/in aus, ab 2020 dann im Rahmen der generalisierten Ausbildung zur/m Pflegefachmann/frau. Maximal zehn Azubi-Stellen sind zu besetzen, pro Jahr beginnen in der Regel zwei Kurse. Das Bewerbungsverfahren für das kommende Jahr hat begonnen, es können aber noch Bewerbungen eingereicht werden. Das Stift bietet im Vorfeld stets ein Praktikum an, um Interessierten die Möglichkeit zu geben, das Haus kennenzulernen. Voraussetzung ist eine abgeschlossene zehnjährige Schulbildung, die den Hauptschulabschluss erweitert, oder der Hauptschulabschluss und entweder zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung oder die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung Krankenpflegehelfer/in führen zu dürfen. Die Noten spielen bei der Auswahl der Azubis eine untergeordnete Rolle, sagt Hausleiterin Jeanette Möllmann. „Nach dem Probearbeiten oder dem Praktikum setzen wir uns im Team zusammen und beraten. Uns ist wichtig, dass der Bewerber wertschätzenden Umgang mit den Bewohnern besitzt, Fragen stellt sowie Belastbarkeit, Aufgeschlossenheit, Offenheit und Humor zeigt.“ Grundsätzlich bemüht sich das Malteserstift darum, die Azubis nach ihrem Abschluss in eine Festanstellung zu übernehmen.

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