Teamschüler besuchen KZ-Gedenkstätte Buchenwald
„Es geht um Empathie“

Drensteinfurt -

Geschichte und Politik sind für viele Schüler eine „trockene Materie“. Nicht so in der Teamschule, wo Lehrer Heiko Schwarz vor allem auf persönliche Eindrücke setzt. Im Zuge eines besonderen Unterrichtsprojekts werden Schwarz und seine Schüler nun das KZ Buchenwald besuchen.

Mittwoch, 04.12.2019, 10:50 Uhr
Heiko Schwarz ist verantwortlich für die politische Bildung an der Drensteinfurter Sekundarschule. Wichtig sind ihm dabei vor allem persönliche Eindrücke und Erfahrungen. Die werden seine Schüler in der kommenden Woche in Weimar sammeln.
Heiko Schwarz ist verantwortlich für die politische Bildung an der Drensteinfurter Sekundarschule. Wichtig sind ihm dabei vor allem persönliche Eindrücke und Erfahrungen. Die werden seine Schüler in der kommenden Woche in Weimar sammeln. Foto: Dietmar Jeschke

Es ist ein Bild, das sich tief ins Gedächtnis eingebrannt hat. „Es waren einfach unfassbar viele weiße Kreuze“, blickt Heiko Schwarz zurück. Der Besuch in der belgischen Gedenkstätte für die Opfer des Ersten Weltkriegs hat ihn in jungen Jahren nachhaltig geprägt. Verbunden mit der Erkenntnis, dass persönliche Erfahrungen viel tiefere Eindrücke hinterlassen, als es „trockene Theorie“ alleine tun könnte. Heute ist er überzeugt: „Um Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Ausgrenzung unter Schülern vorzubeugen, hilft nicht der erhobene Zeigefinger“, sagt Schwarz. „Es geht vielmehr um das persönliche Empfinden und um Empathie.“

Eine Aussage, die sich im gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht der Teamschule explizit widerspiegelt. Denn auch, wenn es natürlich nicht gänzlich ohne Geschichtsbücher funktioniert, sollen Vergangenheit und Gegenwart für die Schüler doch vor allem durch persönliche Erlebnisse erfahrbar werden. In der kommenden Woche wird es dies für die Neuntklässler des Wahlpflichtkurses Gesellschaftslehre auf besondere Art und Weise. Denn gemeinsam mit Heiko Schwarz werden sie die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar besuchen. Ein Projekt, das in den vergangenen Monaten intensiv vorbereitet wurde – und das unmittelbar vor der eigenen „Haustür“. Gemeinsam mit Historiker Dr. Ralf Klötzer hatten die Schüler etwa die ehemalige Synagoge und den jüdischen Friedhof besucht und dabei erfahren, was sich während der Reichspogromnacht in der Wersestadt zugetragen hatte. Und das auch anhand von Augenzeugenberichten, die Dr. Sabine Omland in ihrem Buch „Zur Geschichte der Juden“ zusammengetragen hat und deren Lektüre bis heute ein beklemmendes Gefühl hinterlässt. „Die deportierten Juden mussten für die Fahrt ins KZ sogar bezahlen“, schildert Heiko Schwarz, der seit 2007 mit seiner Frau und Lehrer-Kollegin Michaela Wollny-Schwarz und den beiden Kindern in Drensteinfurt lebt.

Was die Opfer des NS-Regimes in den 1930-er und 40-er Jahren ertragen mussten, erfuhren die Schüler schließlich auch beim Besuch von Yaffa Ashkenazi. Die Tochter der einst in Drensteinfurt lebenden Holocaust-Überlebenden Hertha Salomon war im Mai auf Einladung von Bürgermeister Carsten Grawunder in der Stadt und stand dabei auch den Teamschülern Rede und Antwort.

In der kommenden Woche wartet nun mit der Exkursion nach Buchenwald die wohl tiefgründigste persönliche Erfahrung auf die Schüler. Um die dabei gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten, setzt Heiko Schwarz auf die pädagogische Unterstützung von Schulsozialarbeiterin Simone Minnemann und Stadtjugendpfleger Rüdiger Pieck, die den Gedenkstättenbesuch begleiten und das Erlebte im Anschluss mit den Schülern aufarbeiten werden. Um sich ein umfassendes Bild über die Entstehungsgeschichte des NS-Staates zu machen, wird die Gruppe außerdem das „Haus der Weimarer Republik“ besuchen. Finanziell unterstützt wird die Zugreise nach Weimar übrigens vom Förderverein der Schule.

Nach der Vergangenheit, werden sich die Politikschüler im kommenden Jahr intensiv mit der Gegenwart beschäftigten – und auch das auf möglichst praxisnahe Art und Weise. Im Zuge der Aktion „Beweg was“ laufen bereis die Planungen für ein in dieser Form bislang einmaliges Projekt, bei dem die Schüler nicht nur „Sitzungsluft“ im Zuschauerraum der Alten Post schnuppern dürfen. Im Vorfeld der dann anstehenden Tagungen von Fachausschüssen und Rat werden sie vielmehr auch die Fraktionssitzungen der einzelnen Parteien besuchen, um so zu erfahren, wie politischen Willensbildung in der Praxis funktioniert. „Das ist organisatorisch schon eine anspruchsvolle Aufgabe“, schildert Heiko Schwarz, der nach seiner Zeit als Abteilungsleiter an der Beckumer Sekundarschule 2017 zur Teamschule gewechselt war, wo er seitdem neben Gesellschaftslehre auch Musik und Hauswirtschaft unterrichtet. „Die ersten Gespräche mit den Fraktionen haben bereits stattgefunden – in sehr angenehmer und konstruktiver Atmosphäre.“ Zum Abschluss des Projekts ist noch ein Besuch im Düsseldorfer Landtag geplant.

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