Staatsanwaltschaft Münster ermittelt
Tierschützer protestieren gegen Haltungsbedingungen

Rinkerode -

Sie sprechen von „katastrophalen Zuständen“ und „massiven Gesetzesverstößen“. Mit versteckten Kameras haben zwei „Youtuber“ die Zustände in einem Schweinezuchtbetrieb in Rinkerode dokumentiert. Am Donnerstag hatte der Verein „Deutsches Tierschutzbüro“ zum Protest aufgerufen.

Donnerstag, 12.12.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 12.12.2019, 19:42 Uhr
Die Aktivisten protestierten mit Plakaten gegen die Zustände in dem Schweinezuchtbetrieb. Die „Youtuber“ Gordon Prox und Aljosha Muttardi hatten die Videoaufnahmen in den Ställen gemeinsam mit Tierrechtlern gemacht.
Die Aktivisten protestierten mit Plakaten gegen die Zustände in dem Schweinezuchtbetrieb. Die „Youtuber“ Gordon Prox und Aljosha Muttardi hatten die Videoaufnahmen in den Ställen gemeinsam mit Tierrechtlern gemacht. Foto: Evering

Sie sprechen von „katastrophalen Zuständen“ und „massiven Gesetzesverstößen“. Mit versteckten Kameras haben die „Youtuber“ Gordon Prox und Aljosha Muttardi zwei Monate lang die Zustände in einem Schweinezuchtbetrieb in Rinkerode dokumentiert.

Auf den Aufnahmen sei unter anderem zu sehen, „dass kranke und schwache Ferkel nicht tierärztlich versorgt worden sind, sondern einfach so lange auf den Boden geschlagen wurden, bis sie vermeintlich tot waren“, so Jan Peifer , Vorstandsvorsitzender des Vereins „Deutsches Tierschutzbüro“. Listen sollen den massenhaften Einsatz von Antibiotika dokumentieren, die Sauen würden in zu kleinen Kastenständen gehalten.

Der Verein hat sein gesammeltes, 2000 Stunden umfassendes Videomaterial der Staatsanwaltschaft Münster und dem Kreisveterinäramt zur Verfügung gestellt, dem es seit Mittwochnachmittag vorliegt, wie Pressesprecherin Kerstin Butz auf WN-Anfrage bestätigt. Bei „Stern TV“ waren am Mittwochabend einige Auszüge zu sehen – „bei weitem nicht die schlimmsten“, wie Jan Peifer betont.

Zehn Aktivisten mit Plakaten

Zu einer Protestaktion hatte der Verein dann am Donnerstagmittag aufgerufen. Etwa zehn Tierschützer hielten bei Regen und Wind Plakate in die Höhe, skandierten „Tierausbeutung nein – die Lösung muss vegan sein“. Fernsehteams des WDR und von Sat 1 waren vor Ort. Ein vereinzelter Polizeiwagen beobachtete die Szenerie aus der Ferne. Auch zwei Rinkeroder Bürgerinnen waren gekommen. „Ich bin entsetzt“, sagt Jelka Wolff, die den Beitrag am Mittwochabend gesehen hatte. „Und ich befürchte, dass dies kein Einzelfall ist.“ Ihre Familie lebe schon lange vegetarisch. Dass alle Menschen auf Fleisch verzichteten, sei wenig realistisch. Stattdessen wünscht sich die junge Mutter mehr politischen Einsatz. „Die Landwirte sorgen für unsere Lebensmittel. Sie müssen besser unterstützt, aber auch stärker kontrolliert werden.“

Woher sie den Hinweis bekommen haben, dass es in dem Betrieb zu rechtlichen Verstößen kommen soll, wollen die Tierschützer nicht sagen. Es sei keine Quelle aus dem Ort gewesen. Sie geben zu, „sich nachts gemeinsam mit Tierrechtlern in die Schweinezucht“ eingeschlichen zu haben, um sich selbst ein Bild über die Nutztierindustrie zu machen. Wichtig sei ihnen nun, auf die Situation aufmerksam zu machen. „Denn ich glaube nicht, dass ein Großteil der Menschen Tierleid unterstützt“, meint Muttardi, der als Arzt arbeitet.

Betrieb engmaschig überwacht

Der Betrieb war 2013 zuletzt routinemäßig kontrolliert worden. Seit Eingang der Strafanzeige am 2. Dezember werde die Umsetzung der angeordneten Maßnahmen engmaschig überwacht. Dazu gehören, so Butz, bauliche Änderungen wie die Verbreiterung der Kastenstände und eine bessere Beleuchtung, aber auch die Anschaffung von Beschäftigungsmaterial und eine bessere Klauenpflege.

Der Staatsanwaltschaft liege mittlerweile eine Festplatte mit Datenmaterial vor, erklärt Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt auf WN-Anfrage. Die Auswertung werde aber einige Zeit dauern. Der Eigentümer des Hofes war indes nicht zu erreichen.

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