Ehepaar Rohrkemper zu Besuch in Rinkerode
17 000 Namen im Stammbaum

Rinkerode -

Robert R. Rohrkemper lebt in Grass Lake im US-Bundesstaat Michigan. Doch seine Vorfahren kommen aus Rinkerode. Die hießen damals noch Rohrkämper, Feldmann und Achtermann. Fast eine Woche waren Robert und seine Frau Louise nun zu Besuch im Davertdorf, haben Verwandte und Bekannte besucht.

Samstag, 04.01.2020, 10:00 Uhr
Robert und Louise Rohrkemper (Mi.) waren für eine Woche zu Besuch in Rinkerode. Dort trafen sie sich unter anderem mit Dieter Kroos (li.) aus Hiltrup, zu dessen Frau ebenfalls eine verwandtschaftliche Beziehung besteht, sowie mit Manfred Blanke, dessen Familie früher in der Nachbarschaft gewohnt hat.
Robert und Louise Rohrkemper (Mi.) waren für eine Woche zu Besuch in Rinkerode. Dort trafen sie sich unter anderem mit Dieter Kroos (li.) aus Hiltrup, zu dessen Frau ebenfalls eine verwandtschaftliche Beziehung besteht, sowie mit Manfred Blanke, dessen Familie früher in der Nachbarschaft gewohnt hat. Foto: Nicole Evering

Mehr als 17 000 Namen umfasst er mittlerweile: der Stammbaum, den Robert R. Rohrkemper über seine weit verzweigte Familie angelegt hat. Er reicht zurück bis ins späte 17. Jahrhundert – als seine Vorfahren noch Rohrkämper , Feldmann und Achtermann hießen und im Münsterland, genauer gesagt in Rinkerode, lebten. Fast eine Woche waren Robert und seine Frau Louise im Dezember im Davertdorf zu Gast, haben Verwandte und Bekannte besucht. Das ist seit 1985 gute Tradition.

Schon immer hat sich Robert Rohrkemper für seine Familiengeschichte interessiert. Sein Urgroßvater Charles Frederick Rohrkämper ist 1849 in Rinkerode geboren worden. Er wohnte in einem Haus im Rohrkämperholz neben dem Haus Borg. 1871 wanderte er nach Amerika aus, wo er 1875 Anna Maria Ballering, die ebenfalls aus Rinkerode stammte, heiratete. Zehn Kinder – neun Söhne und eine Tochter – gingen aus der Ehe hervor. Mittlerweile leben die Nachfahren über das ganze Land verstreut – von Kalifornien bis Florida. Zu einer großen Zusammenkunft waren im Sommer rund 100 Familienmitglieder aus elf US-Bundesstaaten nach Ohio gekommen ( WN berichteten). „Wenn wirklich alle dabei gewesen wären, wären wir mindestens 200 Personen gewesen“, erzählt Robert Rohrkemper.

Alte Fotos und Briefe, Pässe und Dokumente wie Versicherungsunterlagen trägt der 71-Jährige seit Jahrzehnten zusammen, um alles über seine Wurzeln zu erfahren. „Heute weiß ich wahrscheinlich mehr über die Familien in Rinkerode als die Rinkeroder selbst“, sagt Rohrkemper lachend. In unzähligen Archiven hat er recherchiert, insbesondere in alten Kirchenbüchern, in denen viele Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten sowie Berufsbezeichnungen festgehalten sind. Die alten Handschriften – manchmal verblichen, oft unleserlich, teilweise auch gespickt mit Rechtschreibfehlern – zu entziffern und daraus Verwandtschaftsbeziehungen abzuleiten, sei oft gar nicht so einfach gewesen.

Mikrofilme kamen per Post

Allein durch das Internet sei die Ahnenforschung nun aber deutlich komfortabler möglich. „Früher haben mir amerikanische Bibliotheken Mikrofilme aus ihrem Bestand per Post zugeschickt. Ich musste sie innerhalb einer Woche studieren und dann wieder zurückschicken“, erzählt Rohrkemper, der viele Jahre als Ingenieur gearbeitet hat, sich dann als Maler selbstständig machte und seine Zeit heute gerne mit Reisen und Ahnenforschung verbringt.

Tatsächlich würden viele deutsche Bistümer Kirchenbücher mittlerweile einscannen und auch online zur Verfügung stellen, berichtet dazu Hobby-Historiker Manfred Blanke, dessen Familie ebenfalls aus Rinkerode kommt. Über die Nachbarschaft und das Interesse an historischen Zusammenhängen kam der Kontakt zum Ehepaar Rohrkemper zustande. Der ehemalige Kotten der Familie findet sich auch in Blankes aktuellem Buch „Drensteinfurt in Zeichnungen“ wieder.

Brief aus dem Jahr 1947

Im Davertdorf waren die Rohrkempers wie immer im Gasthof Lohmann untergekommen, denn zur Inhaberfamilie besteht seit den 1980-er Jahren ein enger Kontakt. Damals hatte Roberts Tante erstmals Rinkerode besucht. Dass es Verbindungen nach Deutschland gibt, hatte ein Brief aus dem Jahr 1947 zutage gefördert, den sein Onkel in den Unterlagen des verstorbenen Großvaters gefunden hatte, blickt Robert Rohrkemper auf die Anfänge zurück. Er selbst sei bestimmt schon 15 Mal in Rinkerode gewesen, etwa alle zwei bis drei Jahre. Der Kalender sei dann stets vollgepackt mit Terminen, denn es hätten sich zu vielen Familien im Laufe der Jahre freundschaftliche Beziehungen entwickelt. Auf der Liste nicht fehlen durften dabei die Koepes in der Bauerschaft Eickenbeck, schließlich sei die 1999 gestorbene Elisabeth Rohrkämper-Koepe die letzte Rohrkämper in Rinkerode gewesen.

Auch Dieter Kroos aus Hiltrup war zum Treffen ins Nachbardorf gekommen. Er ist über seine Frau, die aus Harsewinkel-Greffen stammt, mit den Rohrkempers verbandelt. „Das haben wir vor zehn, zwölf Jahren herausgefunden“, so Kroos. Denn lege man Stammbäume auf bestimmten Online-Plattformen an, würden Überschneidungen mit anderen Familien vom Programm gemeldet. Und eine solche Schnittmenge gab es auch in diesem Fall: Ein Großonkel von Robert Rohrkemper hatte einst eine geborene Kroos geheiratet.

Deutsch pauken mit Gleichgesinnten

Der Kontakt ist inzwischen so eng, dass Kroos‘ Tochter Lena drei Monate als Austauschschülerin bei den Rohrkempers in Grass Lake im US-Bundesstaat Michigan verbracht hatte und nun mit ihnen zurück nach Deutschland geflogen war. „Sie ist wie eine zweite Tochter für mich“, sagt der Ahnenforscher, der seinen Stammbaum noch um viele weitere Namen ergänzen möchte. Auch die Sprache hat er mittlerweile gelernt. In seiner Heimat trifft Rohrkemper sich wöchentlich mit anderen Gleichgesinnten, die Verwandte jenseits des großen Ozeans haben. Dann wird Deutsch gepaukt.

Nach einer ereignisreichen Woche im Davertdorf reisten die Rohrkempers pünktlich zu den Weihnachtsfeiertagen und zum Jahreswechsel weiter in die Schweiz – denn in Zürich lebt mittlerweile ihr Sohn. Aus dem beschaulichen Rinkerode hat es die Familie schlichtweg in die ganze Welt verschlagen.

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