Bonpflicht sorgt für Diskussionen
Das tägliche Brot an der Brottheke

Drensteinfurt/Ascheberg -

Die Bonpflicht sorgt auch in Drensteinfurt und Ascheberg für Diskussionen. Die WN hörten sich dazu an der Brottheke um.

Freitag, 10.01.2020, 08:00 Uhr

Detlef Pfeffer schaut schon während des Brotkaufs herüber. Denn ein entsprechendes Foto der Bäckerei Lüningmeyer war ihm bereits in den sozialen Netzwerken aufgefallen. „Es zeigt die Bons, die in einer Filiale in sechs Stunden angefallen sind“, erläutert Martin Weiß in einem Gespräch mit Heiner und Conny Lüningmeyer . Und dann pfeffert Pfeffer seinen Brot-Bon auf den Stehtisch: „Das ist kompletter Blödsinn.“ Und es ist aktuell eine Dauerthema vor der Brottheke.

„In Drensteinfurt wollten wir zeigen, wie viele Bons zusammenkommen. Da können sie von oben in einen Bereich der Theke eingeworfen werden. Die Kunden haben das fast alle mitgemacht“, berichtet Weiß. Conny Lüningmeyer erklärt den Unterschied zwischen früher und heute: „Wir können bei den Kassen einen Vorgang mit oder ohne Bon ausführen lassen. Als die Kassen neu waren, haben wir alle Bons ausgedruckt, aber das schnell wieder eingestellt. Danach haben wir Bons nur noch auf Wunsch ausgedruckt. Jetzt steht der Bon-Druck wieder auf Dauerbetrieb.“ Mann Heiner Lüningmeyer rechnet die Konsequenz vor: „Bisher sind wir mit zehn Rollen im Monat ausgekommen, jetzt werden es 60 Rollen sein.“ Früher wurden die meisten Bons, die ja gewünscht waren, mitgenommen. Für die ungewünschten Bons wurde schon nach Papierkörben verlangt, berichten die Verkäuferinnen.

Für die Lüningmeyers ist klar: Es wird zu jedem Kauf der Bon ausgedruckt. Gesetz ist Gesetz. Sie ärgert aber, dass die Bons nach Rücksprache mit dem Lieferanten nur über den Restmüll entsorgt werden dürfen. Der Wurf in die Papiertonne ist tabu. Zudem berichtet Heiner Lüningmeyer: „Wir sind für das Finanzamt doch jetzt schon gläsern. Es können jederzeit Mitarbeiter des Amtes kommen und die Kassenvorgänge einsehen.“ Es liege im Interesse der Bäckerei, ergänzt Conny Lüningmeyer, alles sauber abzuwickeln und über die Kasse belegen zu können: „Wenn das nicht passiert, wird man vom Finanzamt geschätzt. Und das kann teuer werden.“ Dass die Behörden schwarzen Schafen das Hinterziehen von Steuern schwerer machen wollen, versteht man an der Ascheberger Bultenstraße. Die Aktion wird aber als überzogen eingeschätzt.

Dass sich im politischen Raum etwas bewegt, hoffen die Lüningmeyers zwar. „Am Ende werden es aber wohl nur Lippenbekenntnisse sein“, fürchtet Heiner Lüningmeyer. Angesichts der Vorschriften klingt er leicht frustriert: „Bei der Datenschutzgrundverordnung haben wir gewünscht, dass wir erst einmal nichts Neues schultern müssen. Jetzt kommt die Belegausgabepflicht. Was kommt noch?“

Gearbeitet wird in der Kassenbranche an Geräten, die digitale Bons ausgeben können. „Dann müssten wir alle Filialen mit neuen Kassen bestücken“, schwant Conny Lüningmeyer eine größere Ausgabe.

Detlef Pfeffer ist nicht der einzige Ascheberger, der vorbeigeht. Ingo Walz, Apotheker aus Ascheberg mit einem Betrieb in Hamm, berichtet, dass es eine Woche länger gedauert hat, Kassenrollen zu bekommen. Und in der Apotheke braucht es einen Schredder für Bons, die nicht mitgenommen werden. Schließlich sind dort Daten zu finden, die zu schützen sind.

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