Streitschlichter an der Teamschule
„Die Einsicht kommt schnell“

Drensteinfurt -

Sie sind zur Stelle, wenn mal „dicke Luft“ in der Klasse oder auf dem Schulhof herrscht. Und ihren „Job“ als Streitschlichter an der Teamschule versehen die elf Jugendlichen der Jahrgänge neun und zehn mit viel Engagement und Herzblut. Dafür opfern sie sogar ihre Pausen.

Sonntag, 12.01.2020, 23:00 Uhr
Die Streitschlichter der Teamschule, hier Deike Ackermann und Christina Klein mit Schulsozialarbeiter Arne Maronde (oben, v. re:), sind bei Konflikten unter Schülern eine feste Anlaufstation.
Die Streitschlichter der Teamschule, hier Deike Ackermann und Christina Klein mit Schulsozialarbeiter Arne Maronde (oben, v. re:), sind bei Konflikten unter Schülern eine feste Anlaufstation. Foto: Simon Beckmann

Sie sind da, wenn es zu Streitigkeiten kommt, helfen bei „dicker Luft“ in der Klasse und versuchen, Konflikte, die in den Pausen entstehen, zu lösen. Schließlich ist das ihr „Job“ – und den machen die Streitschlichter an der Teamschule mit viel Engagement und Herzblut. Dafür opfern die elf Jugendlichen aus den Jahrgängen neun und zehn – ohne groß darüber nachzudenken – sogar ihre Pausen.

„Das ist für uns kein Problem. Wir sind gerne Streitschlichter“, erzählen Christina Klein und Deike Ackermann . Die beiden Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren sind zwei der elf Jugendlichen, die in Streitsituationen einen „kühlen Kopf“ bewahren und mit den beiden Parteien eine Lösung für deren Konflikt finden wollen. „Das macht einfach Spaß. Ich habe das bereits in der Grundschule gemacht“, erklärt Ackermann ihre Motivation hinter der Aufgabe. Christina Klein ergänzt, dass sie die Rolle der Streitschlichterin auch früher schon im Freundeskreis übernommen habe.

Für die beiden Freundinnen war also schnell klar, dass sie sich für dieses Amt an ihrer Schule bewerben wollen. Das ist – wie Schulsozialarbeiter Arne Maronde betont – auch der erste Schritt, um Streitschlichter zu werden. „Wir wollen wissen, warum und wieso die Schüler diese Aufgabe übernehmen wollen und ob sie zuverlässig sind“, erläutert der 37-Jährige. „Nach Eingang der Mini-Bewerbung halten wir dann Rücksprache mit den Lehrern – und dann kann die Ausbildung auch schon starten“, ergänzt er. Letztere findet einmal im Jahr – in der Regel für die interessierten Schüler des achten Jahrgangs – kurz vor den Sommerferien statt und dauert drei Tage.

Während dieser Zeit stehen für die Jugendlichen dann die verschiedenen Phasen der Mediation auf der Tagesordnung. Ebenso lernen sie Methoden und Techniken zur Streitschlichtung – wie etwa das Prinzip „Fair streiten“ – kennen und wenden diese in nachgespielten Konfliktfällen an. Zudem werden Kooperationsübungen durchgeführt. „Die Streitschlichter sind ein Team – und das soll natürlich auch zusammenhalten und vernünftig funktionieren“, bemerkt Maronde. Ihren ersten Dienst treten die neuen Streitschlichter nach den Sommerferien als Neuntklässler an. Bis zu ihrer Schulentlassung übernehmen die Jugendlichen dann diese Aufgabe. „Dieses Engagement wird dementsprechend auch auf den Zeugnissen festgehalten“, so der Schulsozialarbeiter.

Zu finden sind die Streitschlichter in jeder ersten und in jeder Mittagspause in ihrem Raum neben dem Selbstlernzentrum. Genutzt wird das Angebot regelmäßig – vor allem aber, wie Klein verrät, von den jüngeren Mitschülern. „Sie kommen öfter zu uns, wenn jemand beleidigt, geärgert oder geschubst wurde“, sagt die 14-Jährige. „Wir betonen dann immer, dass die Gespräche in unserem Raum auf freiwilliger Basis ablaufen und alles natürlich vertraulich behandelt wird“, beschreibt sie den Beginn einer Streitschlichtung. Danach werde häufig ausgewürfelt, welche der beiden Konfliktparteien als Erstes sprechen darf. Im Anschluss sei dann die andere Person an der Reihe – bis es irgendwann zu einer Entschuldigung kommt. „Die Einsicht kommt relativ schnell“, hat Ackermann beobachtet. „Und wenn nicht, beraten wir gemeinsam darüber, wie es weiterlaufen könnte.“

Als Ansprechpartner stehen außerdem immer die Schulsozialarbeiter bereit, wenn die jugendlichen Konfliktlöser an ihre Grenzen stoßen. „Normalerweise steuern die Schüler aber immer erst die Streitschlichter an. Die Hürde zu ihnen ist einfach nicht so hoch, und sie können einige Streitereien besser nachvollziehen“, weiß Maronde. Einmal im Monat treffen sich der Schulsozialarbeiter und seine Kollegin Simone Minnemann zudem mit den Streitschlichtern, um schwierige Fälle zu besprechen, Rücksprache zu halten oder kommende Projekte wie das „Fair-Mobil“ oder das „Body- und-Grips-Mobil“, bei denen die jugendlichen Konfliktlöser als Helfer mitwirken, zu planen.

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