Info-Abend in der Alten Post
Frauen in die Politik

Drensteinfurt -

Frauen sind nach wie vor in vielen Bereichen unterrepräsentiert – auch in der Politik. Die Stadt hatte daher zu einer Info-Veranstaltung eingeladen, um Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern.

Sonntag, 01.03.2020, 10:38 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 11:42 Uhr
Die Vertreter von Stadt und Ratsfraktionen wünschen sich mehr Frauen in der Politik. Am Donnerstagabend fand dazu ein Info-Abend für Interessentinnen in der Alten Post statt.
Die Vertreter von Stadt und Ratsfraktionen wünschen sich mehr Frauen in der Politik. Am Donnerstagabend fand dazu ein Info-Abend für Interessentinnen in der Alten Post statt. Foto: Birte Moritz

Unter dem Titel „Frauen in der Lokalpolitik – schwer bis gar unmöglich?“ hatten Bürgermeister Carsten Grawunder und die Gleichstellungsbeauftragte Elke Göller am Donnerstag zu einem Informationsabend in die Alte Post eingeladen. Anlass war eine aktuelle Landesinitiative, die mehr Frauen für Kommunalpolitik begeistern will. In Drensteinfurt sind zurzeit elf von 32 Ratsmitgliedern Frauen, ihr Anteil liegt also bei 34 Prozent. Bei den Grünen sowie der SPD wird die Frauenquote angewandt.

Beginnen sollte die Veranstaltung mit einem Vortrag der Journalistin und ehemaligen WDR-Chefredakteurin Helga Kirchner . Doch da sich bis zuletzt nur vier Interessentinnen für den Abend angemeldet hatten, sagte Kirchner, die aus Köln angereist wäre und ehrenamtlich referiert hätte, ab.

Doch auch so entstand eine rege Diskussion im Austausch mit den anwesenden Ratsfrauen Ann-Christin Budde ( CDU ), Christiane Havers (SPD), Maria Tölle (Grüne) und Sonja Berstermann-Kowalke (FDP). Die vier schilderten, wie sie zur Politik gekommen sind und was sie weiterhin antreibt.

So vermutete Havers, dass ihr Weg der für viele Frauen typische war. Sie engagierte sich zunächst im Elternrat von Kita und Schule, wurde später als „Sachkundiger Bürger“ vorgeschlagen und kandidierte schließlich für den Rat. Bei der Frage, ob das Geschlecht bei den Sitzungs-Debatten eine Rolle spiele, gingen die Meinungen auseinander. So wurde hinsichtlich verbaler Auseinandersetzungen gemutmaßt, diese stünden in Zusammenhang mit den verschiedenen Geschlechtern, Parteien oder aber den Generationen. Oft gebe es aber auch parteiübergreifenden Konsens, betonten die Ratsfrauen.

Zwar kam das frühere und heutige Rollenverständnis immer wieder auf in der Diskussion, bei den Veränderungsvorschlägen hinsichtlich mehr politischen Engagements spiele es jedoch letztlich kaum eine Rolle.

So erzählte eine Teilnehmerin der Diskussion, bereits seit ihrer Jugend habe sie Ämter in Vereinen inne. Da ihr diese auch heute noch wichtig seien, bleibe schlicht keine Zeit für politisches Engagement. Hier müssten die Parteien also früher ansetzen, etwa mit Jugendgruppen. Denkbar sei auch ein Jugendparlament. Zu bemängeln sei, dass es in den Schulen zu wenig Politik-Unterricht gebe.

Zudem wurde darauf verwiesen, dass viele Leute heute nur noch projektorientiert arbeiten möchten, etwa in einer Bürgerinitiative, sich aber nicht mit einem Amt längerfristig binden möchten. Und, ergänzte Grawunder, die Bürger wollten oft schnelle Lösungen. Diese könne die Politik aber oft nicht bieten. Frustrierend sei zudem, dass vieles nicht auf kommunaler Ebene entschieden werden könne, etwa in der Verkehrspolitik.

Viele meckerten, anstatt sich zu engagieren, äußerte Berstermann-Kowalke. Zudem könnten Probleme an den Bürgermeister oder die Ortsvorsteher herangetragen werden. Und die Ratssitzungen seien öffentlich, erinnerte sie. Budde wünschte sich, dass die Stadtverwaltung politische Themen noch prominenter platziere, etwa auf der Webseite.

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