Offener Brief des Bürgermeisters
„Es braucht Ihre aktive Mitwirkung“

Drensteinfurt -

Die Corona-Pandemie bestimmt aktuell unser Leben. In einem offenen Brief wendet sich Bürgermeister Carsten Grawunder nun an die Drensteinfurter. Er dankt den vielen engagierten Menschen, ruft in dieser schwierigen Zeit aber auch zu Verzicht und Solidarität auf.

Donnerstag, 19.03.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 11:16 Uhr
Bürgermeister Carsten Grawunder ruft die Menschen in dieser schwierigen Zeit zu Verzicht und Solidarität auf.
Bürgermeister Carsten Grawunder ruft die Menschen in dieser schwierigen Zeit zu Verzicht und Solidarität auf. Foto: WN

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir erleben gerade eine Zeit, die wir uns alle noch vor einigen Monaten nicht ansatzweise haben vorstellen können. Ein kleines, fürs Auge unsichtbares Virus namens SARS-CoV-2 hält uns alle in Atem und zeigt uns vor allem auch unsere Grenzen auf. Selbst wir auf unserem hohen Stand der technischen, medizinischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung müssen erkennen, dass wir doch nicht alles im Griff haben.

Und mit Blick in die Länder um uns herum, wo der Ausbruch der Pandemie bereits weiter fortgeschritten ist, können wir uns anschauen, was auf uns zukommt. Das Virus wird sich in Deutschland nicht anders verhalten als in anderen Ländern. Einzig die zunehmenden Temperaturen und vor allem unsere gute staatliche Grundstruktur werden es uns möglicherweise erleichtern, diese Krise zu bewältigen. Hier zahlt sich aus, einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst zu haben, der in der Lage ist, auf eine solche Situation zu reagieren. Auch das politische System, das unsere Gemeinschaft trägt, sichert stabile Verhältnisse und ist ebenfalls in der Lage, auch mal ganz kurzfristig zu reagieren. All denen, die hier aktuell auf allen Ebenen staatlichen und politischen Handelns vom Bund über die Länder bis hin auf die Kreis- und Kommunalebene intensiv mitwirken, sage ich an dieser Stelle einmal ganz herzlich Danke. Und Gleiches gilt für viele andere Lebensbereiche, wie beispielsweise das Gesundheitswesen, Einsatz- und Rettungskräfte, Lebensmittelversorgung oder die Medien, um nur einige zu nennen. Viele der Verantwortungsträgerinnen und -träger stellen dafür private und familiäre Interessen zurück, um sich in erhöhtem Maße um das Gemeinwohl kümmern zu können.

Aufgaben nicht völlig aus den Augen verlieren

Wir in der Stadtverwaltung Drensteinfurt tun unser Möglichstes, um einerseits die aktuelle Lage zu bewältigen und auf der anderen Seite auch unsere sonstigen Aufgaben nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Die Erschließung unserer neuen Baugebiete, der Ausbau der Schulen, der Neubau der Kita „Hoppeditz“ in Walstedde können natürlich nicht brachliegen. Und auch das sogenannte Alltagsgeschäft im Personal- und Sozialbereich, der Kämmerei oder dem Ordnungswesen ist aufrecht zu halten. Alle Dienststellen bemühen sich, Ihre Anliegen auch weiterhin zeitnah und kompetent zu bearbeiten.

Wir sind daher bereits in der letzten Woche in einen bisher nicht vorhandenen Schichtdienstbetrieb übergegangen, um hier hausinterne Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Hier zahlt sich aus, dass wir zum Beispiel für Heimarbeitsplätze schon Strukturen aufgebaut haben, die aktuell „nur noch“ zu erweitern sind. Wenn Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, also per E-Mail oder Telefon Kontakt zu uns aufnehmen, sollten Sie fast keinen Unterschied merken. Für alle Fälle, in denen der Service doch nicht in der gewohnten Art zur Verfügung steht, bitte ich um Verständnis.

Das einzig geeignete Mittel

Aber es braucht auch Ihre aktive Mitwirkung, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Mit dem Wissen von heute wäre es natürlich richtig gewesen, schon viel früher sehr viel drastischer zu agieren und zum Beispiel schon alle Karnevalsveranstaltungen abzusagen. Aber zu dieser Zeit hätte hierfür vermutlich noch niemand Verständnis gehabt. Mittlerweile sind unsere Kenntnisse aber soweit gediehen, dass wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen können, was das einzig geeignete Mittel ist, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und diese damit zu verzögern. Es ist das konsequente Vermeiden nicht zwingend notwendiger Kontakte zu anderen Menschen in allen Lebensbereichen. Es steht uns allen nicht auf die Stirn geschrieben, ob wir Träger des Virus sind oder nicht. Wir können es sein, ohne es selber zu merken. Jede nicht erkannte und dann entsprechend nicht behandelte Infektion führt zu zahlreichen weiteren Infizierten. Und wir müssen uns bewusst machen, dass selbst die heute bekannten und veröffentlichten Fallzahlen schon längst überholt sind. Inkubationszeit plus Diagnostik mit Auswertung der durchgeführten Tests führt zu einer deutlichen Verzögerung von mehreren Tagen. Daher muss bei allem Verständnis dafür, dass die aktuellen Einschränkungen unseres Lebens, die meiner Überzeugung nach noch ein höheres Maß auch hier bei uns erreichen werden, jetzt zwingend notwendig sind und sie aber auch nur dann Sinn machen, wenn sie von allen in konsequenter Weise umgesetzt werden.

Mindestabstand von anderthalb Metern

Aus diesem Grund appelliere ich an Ihr Verantwortungsgefühl und bitte Sie nachdrücklich, jeden persönlichen Kontakt mit anderen Menschen auf das absolut unvermeidbare Maß zu beschränken, selbst innerhalb Ihrer Familie. Im Frühling wollen wir alle endlich wieder raus, aber auch hier gilt es, einen Mindestabstand von anderthalb Metern einzuhalten. Bitte meiden Sie auch Spiel- und Sportplatzflächen. Diese fallen nun auch unter das Betretungsverbot und werden durch das Ordnungsamt gesperrt. Bitte denken Sie nicht bei allem, was Sie machen: „Wenn es noch nicht verboten ist, wird es schon in Ordnung sein.“ Je schneller wir es schaffen, die Pandemie einzudämmen, desto eher können wir zur Normalität zurückkehren.

Ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen sind in der aktuellen Phase am stärksten gefährdet. Hier können wir als Stadtgesellschaft sicherlich helfen, selbst die notwendigen Besorgungen für das tägliche Leben nicht mehr selber übernehmen zu müssen, um auch an dieser Stelle die persönlichen Beziehungen zu reduzieren. Wir haben eine ausgeprägte Bereitschaft hierzu innerhalb unserer drei Ortsteile, das weiß ich spätestens seit der Zeit, als sehr viele geflüchtete Menschen in unsere Stadt gekommen sind. Wenn Unterstützung bei der Koordinierung benötigt wird, helfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung gerne weiter. Die Federführung hierfür habe ich dem Fachbereich Familien, Schulen, Sport und Soziales übertragen. Wenden Sie sich hierfür gerne per E-Mail an stadt@drensteinfurt.de.

Bleiben oder werden Sie gesund!

Ihr Carsten Grawunder

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