Erinnerung an Bombenabwürfe 1944
„Frieden ist nicht selbstverständlich“

Drensteinfurt -

Die Stadt und der Heimatverein erinnern an die Bombenabwürfe auf Drensteinfurt am 23. März 1944. Das sollte, schreibt Bürgermeister Carsten Grawunder in einer gemeinsamen Erklärung von Stadt und Heimatverein, auch in den schweren Corona-Zeiten nicht vergessen werden.

Montag, 23.03.2020, 09:18 Uhr
So sah es am 23. März 1944 auf dem Westwall in Drensteinfurt aus.
So sah es am 23. März 1944 auf dem Westwall in Drensteinfurt aus. Foto: Heimatarchiv

Anlässlich der zum Teil schweren Bombenabwürfe auf Drensteinfurt zum Ende des Zweiten Weltkrieges , sollte es auf Einladung des Heimatvereins einen Upkammerabend geben, an dem mit Lesungen aus dem Tagebuch der Schwester Feclice an die Ereignisse erinnert werden sollte, heißt es in der Erklärung. Dieser könne nun leider wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. „Dennoch möchten der Heimatverein und die Stadt an diese Geschehnisse erinnern, weil sie so wichtig sind, um die jüngeren Generationen zu ermahnen, den seit 75 Jahren herrschenden Frieden nicht für selbstverständlich zu nehmen“, so Grawunder . „Der Heimatverein hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, an die schrecklichen Epochen unserer Geschichte zu erinnern. Heute geht es uns überwiegend gut. Damit das so bleibt, müssen wir uns alle anstrengen“, so Vorsitzender Franz Josef Naber zu der geplanten Veranstaltung.

In der aktuellen Situation könne sich jeder vielleicht noch etwas eher vorstellen, was es heißen könnte, im Krieg zu leben. „Frankreich als Beispiel, wohin wir auf Grund unserer französischen Partnerstadt Ingré mittlerweile stärkere Beziehungen haben, spricht in dieser Zeit davon, im Krieg zu sein“, schreibt Grawunder.

„Im Krieg gegen einen kleinen unsichtbaren Gegner, der einen mürbe und machtlos zu machen“ drohe. „So wie in den Jahren 1944/45 bei mehreren Bombenabwürfen auf Drensteinfurt, die auch nicht lange im Voraus vorherzusehen waren und wo viele Opfer zu beklagen waren, so werden in den nächsten Wochen viele Opfer des neuartigen Virus zu beklagen sein“, erklärt Grawunder. „Wenn wir uns heute die Frage nach dem ,Warum’ stellen, dann müssen wir davon ausgehen, dass auch in den Jahren 1944/45 viele Menschen sich diese Frage gestellt haben. Wenn auch die damalige Propaganda-Maschinerie sicherlich auch in Drensteinfurt Erfolge zu verzeichnen hatte, so war doch spätestens zum Ende des Zweiten Weltkrieges davon auszugehen, dass hier niemand mehr den totalen Krieg wollte. Zu groß war bereits das Elend vor Ort, zu groß die Angst, dass die Söhne, die in den Krieg geschickt worden waren, nicht oder zumindest nicht unversehrt zurückkommen würden. Und zu klar war schon die Erkenntnis, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen war“, heißt es in der Erklärung.

Kampf gegen unsichtbares Virus

Der aktuelle Kampf gegen das kleine unsichtbare Virus sei zu gewinnen, wenn sich alle endlich an die erlassenen Regeln halten würden, appelliert Bürgermeister Carsten Grawunder.

„Dafür zu sorgen, dass Menschen nicht mehr gegen Menschen kämpfen, ist uns schon lange als Aufgabe übertragen“, so Grawunder. Die Stadt sei unter anderem deswegen dem weltweiten Verbund „Mayors for Peace“ – „Bürgermeister für den Frieden“ – beigetreten. Das sei eine internationale Organisation von Städten, die sich der Friedensarbeit verschrieben hätten und die 1982 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters von Hiroshima gegründet worden sei, um eine atomare Abrüstung zu erreichen.

Heute gehe es darum, eine Welt ohne Atomwaffen und sichere und widerstandsfähige Städte zu schaffen. „Wir müssen alles unternehmen, was in unserer Macht liegt, um Kriege in der Zukunft zu verhindern. Ein Blick in die Welt von heute erfüllt mich allerdings mit großer Sorge“, erklärt Franz-Josef Naber.

Zeitzeugen gesucht

Eine gemeinsame Idee von Heimatverein und Stadt ist, Zeitzeugen zu finden und mit diesen kleine Videobotschaften aufzunehmen, um deren Zeitzeugnisse so authentisch wie möglich festzuhalten und sie vor allem dauerhaft für die Zukunft zu konservieren. „Nichts hinterlässt einen stärkeren Eindruck, als Betroffene, die von ihren eigenen Erinnerungen berichten“, so die Initiatoren. Leider würden gerade diese wichtigen Zeitzeugen immer weniger. Wer hierzu bereit ist oder jemanden kennt, der gefragt werden könnte, möge sich beim Heimatverein oder dem Bürgermeister melden, „damit der 23. März 1944 nicht irgendwann in Vergessenheit gerät“. Der geplante Upkammerabend zu diesem Thema werde nachgeholt.

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