Landgericht Münster
Urteil wegen Vergewaltigung: Haftstrafe für 35-Jährigen

Drensteinfurt/Münster -

Es war reiner Zufall, dass der 35-jährige Täter und das 24 Jahre alte Opfer sich in dieser Novembernacht am Bahnhof in Mersch begegnet sind. Wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung hat das Landgericht Münster den geständigen Mann am Donnerstag zu knapp vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Freitag, 03.04.2020, 07:32 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 07:40 Uhr
Der Angeklagte zeigte sich vor dem Landgericht geständig. Der veranschlagte zweite Prozesstag konnte gestrichen werden.
Der Angeklagte zeigte sich vor dem Landgericht geständig. Der veranschlagte zweite Prozesstag konnte gestrichen werden. Foto: dpa

Wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung hat das Landgericht Münster am Donnerstag einen 35 Jahre alten Mann zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Das Opfer in der Nacht vom 28. auf den 29. November vergangenen Jahres war eine 24 Jahre alte Frau ohne festen Wohnsitz.

Der Mann hatte – so schilderte es die Frau nach der Tat gegenüber der Polizei – sie auf einer Straße zwischen Mersch und Drensteinfurt mit der Faust ins Gesicht geschlagen, an den Haaren auf einen Acker gezerrt und sie missbraucht. Letztlich ließ er die Frau, die aus Polen stammt und in Deutschland als Leiharbeiterin tätig war, verletzt zurück – einschließlich Blutergüssen und gebrochenem Finger.

Ein immenser Zufall hatte überhaupt erst dazu geführt, dass sich die beiden Menschen in jener Nacht über den Weg gelaufen waren: Der 35-Jährige war 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen, nachdem er aus dem Militärdienst in Eritrea desertiert war.

Am Abend vor der Tat sei er, so erklärte der 35-Jährige, nach Münster gefahren, um seinen Frust über eine abgebrochene Führerscheinausbildung im Alkohol zu ertränken. Noch alkoholisiert, sei er auf dem Rückweg zu spät aus dem Zug ausgestiegen – in Mersch statt in Drensteinfurt.

Obdachlos nach Kündigung

Unbeabsichtigt landete auch die 24-Jährige um etwa halb eins auf dem kleinen Bahnhof: Ihr war, so zeichnete es ein Polizist nach, der sie anschließend vernommen hatte, von ihrer Firma gekündigt worden. Am selben Tag noch habe sie ein Zimmer, das ihr von der Firma zur Verfügung gestellt worden war, räumen müssen. Seitdem habe die Frau „aus der Tüte gelebt“, sagte der Kriminalbeamte. Faktisch sei sie obdachlos gewesen. Die Frau habe viel Zeit „in Zügen“ verbracht, um sich aufzuwärmen. Wenn ein Schaffner erschien, habe sie an der nächsten Haltestelle den Zug verlassen, um nicht als Schwarzfahrerin erwischt zu werden. So sei sie in Mersch gelandet – mit dem letzten Zug, der an dem Abend noch fuhr.

Der Angeklagte habe die junge Frau am Bahnhof unvermittelt gefragt, „ob sie Sex will“, wie es in den polizeilichen Vernehmungsprotokollen der beiden hieß. Die 24-Jährige habe verneint. Trotz der angespannten Situation seien beide zurück in Richtung Drensteinfurt gelaufen. Als die Frau ein zweites Mal seine Frage nach Geschlechtsverkehr abgelehnt hatte, überwältigte der 35-Jährige sie.

Hinweise aus der Bevölkerung

Der Mann hatte seine Schuld bei der Polizei bereits zugegeben und tat dies am Donnerstag auch bei Gericht. Während des Übergriffs sei ihm „klar geworden“, dass er „etwas Schlechtes tue“, ließ er von einem Dolmetscher übersetzen. Dann habe er von ihr abgelassen und sei weggegangen. Das Opfer suchte Hilfe auf einem nahe gelegenen Bauernhof. Die Polizei stellte den Täter später im Zuge einer Öffentlichkeitsfahndung durch Hinweise aus der Bevölkerung.

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