Die Molkerei am Bahnhof war bis 1979 in Betrieb
Wenn der Bauer die Milch bringt

Drensteinfurt -

Bastler Peter Sacher ist eigentlich Stammgast der Messe „Intermodellbau“ in Dortmund. Da diese – bis auf Weiteres – ausfällt, möchte er sein extra gebautes Modell aus der Drensteinfurter Stadtgeschichte nun trotzdem der Öffentlichkeit vorstellen.

Donnerstag, 09.04.2020, 23:18 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 05:03 Uhr
Den Kranwagen Faun LK 5 der Firma Rosenkranz hat Peter Sacher mit Sohn Carsten zur „Intermodellbau“ im vergangenen Jahr im Maßstab 1 zu 24 nachgebaut.
Den Kranwagen Faun LK 5 der Firma Rosenkranz hat Peter Sacher mit Sohn Carsten zur „Intermodellbau“ im vergangenen Jahr im Maßstab 1 zu 24 nachgebaut. Foto: Sacher

Eigentlich sollte Ende April die „ Intermodellbau “ in den Dortmunder Westfalenhallen stattfinden. Doch die Messe ist auf den August verschoben worden. „Und vermutlich werden mein Sohn und ich wegen der gesundheitlichen Gefährdung auch an dem neuen Termin nicht teilnehmen“, sagt Peter Sacher . Der Drensteinfurter, dort sonst regelmäßiger Gast mit seinen selbst gebauten Fahrzeugen, möchte sein neues Modell, an dem er fünf Monate gearbeitet hat, dennoch der Öffentlichkeit präsentieren. Und wie immer gibt es auch eine dazu passende Geschichte . . .

„Am Ladestrang, gegenüber dem Bahnhof, stand bis 1957 die alte Molkerei der Molkereigenossenschaft Drensteinfurt. Dieses ehemals im Stile des Historismus gebaute Industriegebäude war zunächst eine Privatmolkerei. Besitzer war ein Dr. Beermann, der dort eine Schokoladenfabrik betrieb“, berichtet Peter Sacher.

Nach dem Krieg wurde aus dem Privatbesitz eine Genossenschaft. Im Jahr 1948 wurde Dr. Theodor Wotte Geschäftsführer und Molkereidirektor. Theodor Wotte heiratete 1951 Renate Lackhoff-Jaising, die Tochter des bekannten Stewwerter Viehhändlers und Wirtes „Moos“ Lackhoff.

„Die zur Verarbeitung benötigte Milch wurde in großen Milchkannen von Milchfahrern – das waren meistens selbst Bauern – mit ihren Traktoren und Hängern von den Bauernhöfen abgeholt und zur Molkerei gebracht. Ich erinnere mich an den ‚Langen‘ Heinrich Drilling, der unter anderem für den Milchtransport aus der Bauerschaft Büren zuständig war und mit seinem roten Fahr-Traktor und Anhänger auf dem Weg zur Molkerei über die Schützenstraße fahren musste. Die Gelegenheit nutzten wir Kinder aus dem Viehfeld auf dem Weg zur Schule, um uns Fahrrad fahrend am Anhänger festzuhalten und mitziehen zu lassen“, so Sacher.

Bekannte Stewwerter waren in der Molkerei beschäftigt. Willi „Bill“ Averkamp, Paula Gaßmöller und Heinz Welp arbeiteten im Büro, in der Milch- und Käseaufbereitung arbeiteten unter anderem „Vatti“ Renfert, Bernhard „Knobel“ Lenz, Heinz Hemsing, Theodor Gaßmöller, Erwin Altenbach und Heinrich „Vitus“ Bröker. Drensteinfurter Lebensmittel- und Milchhändler wie Georg Kössendrup, Paul Möllers, Ewald Baumeister, Horst Salzwedel und andere waren Abnehmer der Erzeugnisse der Molkerei.

„1957 wurde die alte Molkerei abgerissen und musste einem neuen, modernen Gebäude weichen“, berichtet Peter Sacher weiter. „Anfang der 1970-er Jahre endete die Arbeit der Milchfahrer. Die Milchkannen wurden durch moderne Milchtransportlastwagen abgelöst.“

Unvergessen sei die Tradition, dass Junggesellenschützen am Montagmorgen nach dem Schützenfest nach durchzechter Nacht zur Molkerei zogen und um Käse baten. „Frühe Zugfahrer, die am Bahnsteig warteten, um zur Arbeit zu fahren, erinnern sich beim Blick auf die gegenüberliegende Molkerei an sich übergebende Schützenbrüder, bei denen sich der frische Käse nicht mit dem Restalkohol vertrug.“ 1979 schloss die Molkerei schließlich ihren Betrieb.

„Vor einigen Jahren erhielt ich von Frau Wotte einige Bilder von der Molkerei und deren Abriss im Jahr 1957. Auf einigen Bildern ist ein Kranwagen zu sehen, der beim Abriss mithalf. Es handelte sich um einen Faun LK 5, ein ehemaliges Wehrmachtsfahrzeug, das die Autokranfirma Paul Rosenkranz aus Witten nach dem Krieg für ihre zivilen Zwecke mit einem Gitterrohrausleger umgerüstet hatte. Mich reizte es, dieses Fahrzeug, das auch ein Teil Drensteinfurter Geschichte ist, im Modell im Maßstab 1 zu 24 nachzubauen“, schreibt Sacher abschließend. Es erweitere seine große Sammlung, die jetzt beinahe 90 Eigenbaumodelle nach Drensteinfurter Vorbildern umfasst.

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