„Bauern“ und „Bürger“ sagen Veranstaltungen ab
Schutz geht vor Schützenfest

Drensteinfurt -

Die Schützengilde Rinkerode und die „Junggesellen“ hatten ihre Schützenfeste schon abgesagt, jetzt ziehen in Stewwert auch die „Bauern“ und die „Bürger“ nach. Deren Jahreshöhepunkte im Mai und Juni finden nicht statt. Der Schutz gerade der älteren Mitmenschen gehe schlicht vor.

Dienstag, 21.04.2020, 07:14 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 17:16 Uhr
Eine „Wir bleiben zu Hause“-Collage haben die Bauernschützen erstellt.
Eine „Wir bleiben zu Hause“-Collage haben die Bauernschützen erstellt. Foto: Schützenverein

Die Schützenfestsaison 2020 ist vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat – auch für den Bauernschützenverein „St. Michael“, der Mitte Mai den Startschuss geben wollte.

„Die Musik und die Kapellen sind bestellt, der Vogel ist gebaut, der Festwirt steht parat: Jeder, der im Schützenvereinswesen unterwegs ist, hat seine Aufgaben auf dem Schirm oder bereits erledigt. Niemand hatte Anfang des Jahres damit gerechnet, dass die Corona-Krise das soziale und wirtschaftliche Leben so einbremsen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Zum größten Bedauern der „Bauern“, aber auch mit dem größten Verständnis für die Maßnahmen von Bundes- und Landesregierung, sehe man sich dazu veranlasst, das Schützenfest, das vom 15. bis zum 17. Mai stattfinden sollte, abzusagen.

Zwischenzeitlich waren in den sozialen Medien durch die Schützenvereine, Spielmannszüge und Feuerwehren verschiedene Foto-Challenges unter dem Motto #stayhome oder #stayathome gestartet worden. Auch die „Bauern“ haben mitgemacht. Dabei seien kreative Collagen entstanden, und es wurde zudem etwas „gemeinsam“ unternommen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl – auch aus der Ferne – zu stärken.

Das fünfte Jahr ohne Fest

Es ist das fünfte Mal nach 1949, 1959, 1961 und 1967, dass es kein Bauernschützenfest geben wird. „Damals waren die Gründe nicht so ernst wie heute“, teilt der Verein weiter mit. „1949 und 1959 führte die katholische Kirchengemeinde die ‚Missio‘ durch. Dabei legte der Pastor besonderen Wert darauf, dass kein Schützenfest gefeiert wurde. 1961 wurde schon auf der Mitgliederversammlung im April entschieden, das Schützenfest aufgrund der katastrophalen Witterungsbedingen abzusagen.“ 1967 grassierte die Maul- und Klauenseuche in Drensteinfurt, weshalb sich die Bauernschützen in geheimer Wahl auf der Generalversammlung gegen das Fest entschieden.

Da ein Nachholtermin in diesem Jahr nicht durchführbar sei, konzentriere sich der Vorstand organisatorisch nun auf das geplante Mitgliederfest am 19. September auf dem Hof Jeymann. Das amtierende Königspaar Georg und Daniela Westhues habe sich sofort bereit erklärt, das Zepter für ein weiteres Jahr zu schwingen. „Ein neuer König wird im nächsten Jahr am 28. Mai in hoffentlich gewohnter Weise im Schlosspark ermittelt“, schreibt der Verein.

Bereits am Osterwochenende habe der Schützenkönig von 2004, Theo Grewe, den Kampf gegen das Virus verloren. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten der Familie“, spricht der Verein sein Beileid aus. Die Corona-Krise stelle eine komplette Generation, die in Frieden und Wohlstand geboren und aufgewachsen sei, vor Fragestellungen, die man sich nicht habe ausmalen können. Aber die Gesundheit der Menschen sei viel wichtiger als ein geselliges Schützenfest, heißt es in der Mitteilung weiter. „Daher sollten wir bei allem Bedauern lieber mit Hoffnung in die Zukunft schauen, dass wir uns nach dem Ende dieser Krise alle wohlbehalten und gesund wiedertreffen.“

Keinen in Gefahr bringen

Nicht nur die „Bauern“, auch die „Bürger“ können ihr Schützenfest in diesem Jahr nicht feiern. Das sei schade – aber auch absolut nachvollziehbar. „Schützenvereine wurden ursprünglich gegründet, um die Bevölkerung zu schützen. Da können wir jetzt nicht unsere Mitglieder und die Bevölkerung in Gefahr bringen, um ein Fest zu feiern“, teilen die Bürgerschützen „St. Johannes“ mit. Das habe der Vorstand in einer Videokonferenz beschlossen – der ersten in der über 425-jährigen Vereinsgeschichte.

„Die Absage des Schützenfestes hätten wir vermutlich auch ohne entsprechende Auflagen vorgenommen. Eine unbeschwerte Feier ist unter den aktuellen Umständen nicht möglich – und gerade unsere älteren Vereinsmitglieder gehören zur ‚Risikogruppe‘. Deren Belange – und die der älteren Bevölkerung insgesamt – müssen wir jetzt insbesondere beachten“, so der Verein.

Ob man im Herbst 2020 eventuell eine andere Feier durchführe, hänge von den weiteren Entwicklungen ab. „Erste Ideen für ein ‚Ersatz-Schützenfest‘ haben wir in unserer Video-Vorstandssitzung gesammelt. Die konkreten Planungen werden wir aufnehmen, wenn mehr Klarheit besteht, wann und wie wieder gefeiert werden kann“, teilen die Bürgerschützen mit. Hans I. van Doorn bleibe so lange „amtierende Majestät“, bis ein neuer König gefunden ist.

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