Friseursalons dürfen nach sechs Wochen ab Montag wieder öffnen
Terminvergabe im Akkord

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde -

Viele Menschen dürftigen bereits sehnsüchtig darauf warten: Am Montag dürfen die Friseure endlich wieder öffnen. Und der Andrang dürfte groß sein, wie die rege Nachfrage nach Terminen bereits jetzt zeigt.

Donnerstag, 30.04.2020, 23:06 Uhr aktualisiert: 01.05.2020, 05:02 Uhr
Noch sind die Plätze leer. Ab Montag darf Christoph Breer wieder Kunden bedienen.
Noch sind die Plätze leer. Ab Montag darf Christoph Breer wieder Kunden bedienen. Foto: Nicole Evering

Der Pony fällt schon ins Gesicht, die Strähnchen sind lange rausgewachsen, die Dauerwelle muss dringend neu gelegt werden: Viele Menschen scheinen froh zu sein, dass die Friseursalons am kommenden Montag nach sechs Wochen Zwangspause wieder öffnen dürfen. „Das Telefon steht nicht mehr still“, berichtet Jessica Heinze vom Drensteinfurter Salon Dietze. Am Dienstag habe sie sieben Stunden am Stück Anrufe entgegengenommen. Im Mai sind schon keine Termine mehr zu bekommen.

Die vergangenen Wochen seien nicht einfach gewesen, aber auch nicht existenzbedrohend. „Da ist uns die langjährige Berufserfahrung von Frau Dietze zugute gekommen“, sagt Heinze, die im Januar in die Geschäftsführung mit eingestiegen ist. Sie habe sich derweil um die Online-Anträge für Zuschüsse gekümmert. „Jung und Alt haben sich da optimal ergänzt“, so Jessica Heinze.

Erst zu Beginn des Jahres hat Christoph Breer seinen Salon im Walstedder Ortskern neu eröffnet. „Erst acht Wochen offen – und dann sechs Wochen geschlossen“, blickt er fast ein wenig ungläubig auf den Start seiner Selbstständigkeit zurück, kann all dem Schlechten aber doch etwas Positives abgewinnen: „Wir haben einen 18 Monate alten Sohn. Und nach dem halbjährigen Umbau des Geschäfts hatte ich nun wieder mehr Zeit für die Familie.“

Die Soforthilfe des Landes sei übrigens schnell und unbürokratisch gewährt worden. „Nach fünf Tagen hatte ich das Geld auf dem Konto“, lobt er diese Maßnahme, mit der er die laufenden Kosten decken konnte. Doch er ist froh, dass es jetzt wieder losgeht. Um den Kundenansturm bewältigen zu können, vergeben beide Salons zunächst auch montags Termine, arbeiten also an sechs Tagen pro Woche – von morgens bis abends. Denn die Kunden dürfen nur unter bestimmten Auflagen bedient werden. Dazu gehören die geltenden Abstände, was für viele Geschäfte bedeutet, dass sie weniger Sitzplätze als sonst zur Verfügung haben. Im Salon Dietze sind es beispielsweise vier statt acht.

Wartebereiche darf es nicht geben, auch nicht im Salon Richter in Rinkerode. „Wir werden eine Gartenbank vor der Tür aufstellen, die kann bei schönem Wetter zum Warten genutzt werden“, erzählt Inhaberin Ute Richter. Unruhe und Herzrasen: So beschreibt sie ihre Gefühle in den ersten Tagen nach der verordneten Schließung. „Das war wie ein Weltuntergang. Man hat schon Existenzsorgen“, sagt sie, betont aber, dass sie voll und ganz hinter den Entscheidungen der Regierung steht. „Ich bin dankbar, dass es hier nicht zu italienischen Verhältnissen gekommen ist.“

Richter freut sich sehr, dass sie bei ihren Kunden nun wieder für ein paar Stunden Entspannung und ein gutes Gefühl sorgen darf. Auch wenn Dienstleistungen wie das Zupfen der Augenbrauen oder das Trimmen des Bartes derzeit nicht angeboten werden dürfen. Mitarbeiter und Kunden müssen Mundschutz tragen, die Haare müssen vor jedem Schnitt gewaschen werden. Das kostet mehr Zeit, ebenso wie die vorgeschriebene Desinfektion aller Arbeitsgeräte, Stühle und Flächen nach jedem einzelnen Kunden.

Es dürfen keine Zeitschriften ausgegeben werden, eine Bewirtung ist ebenfalls nicht erlaubt. „Wir sagen unseren Kunden schon am Telefon, dass sie sich gerne eine eigene Flasche Wasser mitbringen können“, erklärt Jessica Heinze. Im Salon Dietze werden in den ersten vier Wochen übrigens nur Kinder ab sechs Jahren bedient. „Die sind schon mutig genug, alleine zu kommen und sich auch die Haare waschen zu lassen“, meint Heinze. Vorsicht steht in den Salons an erster Stelle. „Wir versuchen alles, um den Kunden ein gutes Gefühl zu geben“, betont Christoph Breer.

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