Verein ist traurig über Absage
„Geisterrenntag“ ausgeschlossen

Drensteinfurt -

Bereits Anfang März haben die Verantwortlichen des Rennvereins die „Reißleine“ gezogen: Die für Mitte August geplante 109. Auflage der Großveranstaltung wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Wie der Vorstand nun mitteilt, werde es auch keinen „Geisterrenntag“ ohne Zuschauer geben.

Samstag, 09.05.2020, 14:16 Uhr aktualisiert: 09.05.2020, 15:20 Uhr
In 108 Jahren Renntagsgeschichte haben Fahrer und Zuschauer schon einiges erlebt – wie hier beim „Regenrenntag 2019“. Erstmals muss die Traditionsveranstaltung nun abgesagt werden.
In 108 Jahren Renntagsgeschichte haben Fahrer und Zuschauer schon einiges erlebt – wie hier beim „Regenrenntag 2019“. Erstmals muss die Traditionsveranstaltung nun abgesagt werden. Foto: Dietmar Jeschke

Die Drensteinfurter Trabrennfreunde sind bekanntermaßen hart im Nehmen. Schon so manche „Krisenveranstaltung“ hat der Stewwerter Rennverein gemeistert. Ob Schlamm- und Regenschlacht oder tropische Temperaturen mit Backofeneffekt: Von äußeren Bedingungen haben sich Aktive, Fahrer, Besitzer, Vereinsmitglieder oder Zuschauer niemals entmutigen lassen. „Es wurde trotzdem gewettet, was das Zeug hält. Immer wieder glänzte der Verein mit gut organisiertem Programm und Verlauf. Auch die Umsatzzahlen konnten sich trotz äußerst widriger Verhältnisse immer wieder sehen lassen“, berichtet Detlef Orth , Sportlicher Leiter des Rennvereins. „So flossen noch im vergangenen Jahr trotz regnerischem Beginn über 107 000 Euro durch die Totokassen.“ Und selbst wenn das Ergebnis mal nicht ganz den Erwartungen entsprach, habe es niemals „lange Gesichter“ beim Vereinspräsidenten Klaus Storck und dem Team gegeben. „Mund abwischen. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen“, lautete immer wieder das Motto der Vereinsmitglieder. „Dann wurden die Ärmel halt wieder aufgekrempelt – und ran ging es an die Vorbereitung fürs nächste Meeting im Erlfeld“, schreibt Orth.

Doch 2020 ist alles anders. Im Erlfeld wird am 16. August Ruhe herrschen: weit und breit keine Pferde in Sicht, keine Menschenmassen mit Wett-Tickets in den Händen, keine Warteschlangen vor den Pizza- und Bierbuden. „Die 109. Auflage der Drensteinfurter Trabrennen muss vor einem Virus kapitulieren“, schildert Detlef Orth. Schweren Herzens habe Vorsitzender Klaus Storck am 12. März mitteilen müssen, dass der Renntag aufgrund der Coronasituation und dem Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August abgesagt werden muss. „Ein Entschluss, der umsichtig und zwingend war und der von allen Beteiligten mitgetragen wurde und wird“, so Detlef Orth.

Betroffen von der Lage sei aber nicht nur der Rennverein Drensteinfurt. Alle großen Vereine wie die in Dinslaken, Gelsenkirchen, München, Hamburg oder Berlin hätten ihre Tore schließen müssen. Und auch die Grasbahnsaison der C-Bahn-Vereine wie Duhnen, Hooksiel, Rastede oder Stove ist der Zwangssperre zum Opfer gefallen. „Durch die zahlreichen Renntagabsagen sind auch die Trainer und Besitzer betroffen, denen praktisch Berufs- und Einnahmeverbot auferlegt werden“, erklärt der Sportliche Leiter der Drensteinfurter Trabrennfreunde.

„Das ist sehr, sehr Schade. Drensteinfurt mit den guten Rennpreisen ist seit Jahren immer wieder ein schönes Zubrot für mich und meine Kollegen“, ergänzt Lokalmatador und mehrfacher Drensteinfurt-Cup-Gewinner Jochen Holzschuh.

Zwar versuche man momentan, den Sport so langsam wiederzubeleben, indem den Veranstaltern ab der kommenden Woche erlaubt wird, sogenannte „Geisterrennen“ durchzuführen, also Veranstaltungen ohne Zuschauer sowie unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln für die Aktiven vor Ort. „Das ist gar keine Option für uns. Da werden wir nicht mitmachen. Unsere Renntage sind ohne Publikum gar nicht vorstellbar. Drensteinfurt lebt von seinen begeisterten Besuchern, und auch die Abstandsregeln wären ja auf einer proppevollen Bahn gar nicht nicht einhaltbar“, erklärt Heinz Kuhlmann, zweiter Vorsitzender des Vereins. „Man stelle sich einmal die Warteschlange an den Wettkassen vor: Abstände von 1,5 bis zwei Metern zwischen den Besuchern. Dann stünden die ja praktisch bis zum Bahnhof. Die Rennen würden zwar online übertragen – aber das ist ja nicht Sinn unserer Renntage. Rennsport ist live und in Farbe.“

Den Verantwortlichen des Rennvereins bleibt nun nur die Hoffnung, dass sich Corona über kurz oder lang „in Wohlgefallen“ auflösen wird und alle pferde- und wettbegeisterten Freunde des Sports dem Rennjahr 2021 entgegensehen können.

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