Schulleiter berichten über ihre Erfahrungen
Unterricht im Ausnahmezustand

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde -

Die Folgen der Corona-Pandemie haben auch die heimischen Schulen hart getroffen. Wo es möglich ist, findet der Unterricht via Internet am Tablet-Computer statt. Im Schulausschuss berichteten die Schulleitungen über ihre Erfahrungen.

Freitag, 08.05.2020, 22:11 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 23:00 Uhr
Unterricht am Tablet-Computer: Für die iPad-Klassen der Teamschule finden die Schulstunden seit nun fast zwei Monaten per Video-Konferenz, Apps und den dazugehörigen entsprechenden Aufgaben statt.
Unterricht am Tablet-Computer: Für die iPad-Klassen der Teamschule finden die Schulstunden seit nun fast zwei Monaten per Video-Konferenz, Apps und den dazugehörigen entsprechenden Aufgaben statt. Foto: Dietmar Jeschke

Seit Anfang März ist nichts mehr, wie es war. Die Folgen des kollektiven „Lockdowns“ treffen nicht nur Wirtschaft, Hotels und Gastronomie auf eine bislang nicht dagewesene Art und Weise. Auch Lehrer und Schüler stehen angesichts der Corona-Pandemie vor vollkommen neuen Herausforderungen. Regelunterricht? Daran ist bis jetzt nicht zu denken. Und auch die in dieser Woche seitens der Landesregierung angekündigte Rückkehr zur Normalität wird noch lange dauern. Wie Teamschulleiterin Anja Sachsenhausen am Donnerstagabend im Schulausschuss berichtete, werden turnusmäßige Unterrichtswochen frühestens nach den Sommerferien stattfinden.

Ausschussvorsitzender Andreas Brinkmann ( CDU ) hatte die aktuelle Situation zum Anlass genommen, um die Leiter der vier Drensteinfurter Schulen nach möglichen Problemen angesichts des Notfallunterrichts, der nun seit zwei Monaten auf unterschiedliche Weise zu Hause stattfindet, zu befragen. Dass es dabei durchaus Schwierigkeiten gab und gibt, zeigen aktuelle Diskussionen in sozialen Netzwerken und entsprechenden Klassengruppen sowie Lesermeinungen, die die Redaktion erreichten. So bemängelt ein Vater, dass einige Lehrer „auch nach sieben Wochen immer noch nicht in der Lage sind, Aufgaben auf digitalem Weg adäquat zu vermitteln“. Andere Familien vermissen einen klar strukturieren Stundenplan für den Online-Unterricht am Tablet-Computer, der angesichts der angewandten Sicherheitssoftware nicht selten zu Komplikationen mit dem Job im Homeoffice führt. Und wiederum andere Eltern fühlen sich mangels entsprechender Informationen überfordert, was denn die Kontrolle der in Heimarbeit zu erledigen Aufgaben betrifft.

Es gibt allerdings auch Familien, die mit der schwierigen Situation bestens zurecht kommen. Wie Birgitta von Rosenstiel als Leiterin der Walstedder Lambertusschule den Ausschussmitgliedern in einem zehnseitigen Bericht unter anderem erläuterte, habe man einige höchst positive Rückmeldungen erhalten, was den Heimunterricht per iPad betrifft. Und das sogar von Eltern der Erstklässler, die den Umgang mit den entsprechenden „Apps“ auf den Tablet-Computern als mustergültig bewertet hätten.

Einzelmeinungen, die genauso weit auseinanderklaffen wie die aktuelle digitale Ausstattung der Drensteinfurter Schulen. Während die Walstedder Grundschule seit langem als Vorreiter in Sachen Digitaltechnik und der dazugehörigen Unterrichtsvermittlung gilt, hinkt die Drensteinfurter Kardinal-von-Galen-Grundschule immer noch deutlich hinterher. Wie Schulleiter Norbert Bolz dem Ausschuss in seiner schriftlichen Stellungnahme erläuterte, gebe es bislang lediglich einen einzigen Raum im Schulgebäude, der über ein funktionierendes WLAN-Netz verfüge.

Besser – wenn auch noch im Aufbau – gestaltet sich die Ausstattung an der Katholischen Grundschule in Rinkerode. Die mittlerweile acht schuleigenen Tablets befänden sich aktuell zwar noch in Lehrerhänden, erläuterte Schulleiterin Jutta Nienhaus . Dennoch habe man den Familien in den vergangenen Wochen neben klassischem Unterrichtsmaterial auch solches in digitaler Form bereitgestellt. Pädagogisch habe sich das Kollegium dabei auf einen „Soll-Rahmen“ dessen verständigt, was die Schüler zu Hause zu erledigen haben. Dabei, so Nienhaus, verzichte man bewusst auf einen festgelegten Zeitrahmen für Videokonferenzen. „Wir wissen nicht, wie sich die Situation zu Hause gestaltet. Vielleicht gibt es nur einen Laptop, und der muss auch noch für die Arbeit im Homeoffice genutzt werden“, erläuterte Nienhaus die Hintergründe, um dennoch ein positives Fazit zu ziehen: „So, wie wir es gemacht haben, hat es funktioniert. Aber wir merken schon: Je länger es dauert, desto mühsamer wird das Lernen“, hofft sie auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. „Uns fehlt der persönliche Umgang“, sagt sie. Denn der sei nun einmal gerade für Kinder, die mitunter bereits im Alter von fünf Jahren eingeschult werden, von ganz besonderer Bedeutung.

Gut aufgestellt in Sachen Informationstechnik bewertet Teamschulleiterin Anja Sachsenhausen die Lage an der einzigen weiterführenden Schule in der Stadt. „Dafür danken wir vor allem dem Schulträger“, so Sachsenhausen. „Ohne diese Ausstattung wäre es nicht möglich gewesen, die Aufgabe zu bewältigen.“ Die meisten Schüler hätten in den vergangenen Wochen an den täglich zwei bis drei Unterrichtseinheiten via iPad und Videokonferenz teilgenommen und dabei zusätzliche Aufgaben für die Arbeit daheim erhalten. Wem die technischen Möglichkeiten fehlen, dem habe man das Unterrichtsmaterial auf herkömmlichen Weg zusammengestellt und bei Bedarf sogar nach Hause geschickt. Lediglich eine kleine Gruppe von Kindern habe man zunächst gar nicht erreichen können. „Bei denen haben wir dann einfach geklingelt“, sagte Sachsenhausen.

Dass diese Form des provisorischen Unterrichts bislang gut funktioniert habe, sei auch das Ergebnis des von langer Hand erarbeiteten Medienkonzepts der Schule. „Wir haben dazu jeden Kollegen ins Boot geholt, was die digitale Grundbildung anbelangt“, erklärte die Leiterin.

„Die Organisation des Unterrichts stellt alle Verantwortlichen vor enorme Herausforderungen“, schilderte Bürgermeister Carsten Grawunder während der Sitzung. Trotzdem habe die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Schulträger „außerordentlich gut funktioniert.“ Dennoch, räumte der Rathauschef ein, habe es durchaus auch einige große Probleme gegeben, die längst noch nicht alle überwunden seien. Aber: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Und alle haben den Ernst der Lage erkannt“, so Grawunder.

CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Töns sieht sich derweil in der Politik der vergangenen Jahre bestätigt. „Wir sind den richtigen Weg gegangen, was die Ausstattung mit IT betrifft“, sagte Töns.

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