Konzeptvergabe für Mehrfamilienhäuser
Soziales bekommt mehr Gewicht

Drensteinfurt -

Ein neues Kapitel in der Grundstücksvermarktung schlägt die Stadt Drensteinfurt auf. Zum ersten Mal will sie städtische Flächen im Baugebiet „Mondscheinweg“ über eine Konzeptvergabe veräußern. Investoren müssen sich schriftlich bewerben. Die Verwaltung hofft auf kreative und innovative Ideen.

Mittwoch, 13.05.2020, 10:32 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 10:40 Uhr
Das geplante Neubaugebiet „Mondscheinweg“ ist knapp 17 Hektar groß. Grafik: Stadt Drensteinfurt
Das geplante Neubaugebiet „Mondscheinweg“ ist knapp 17 Hektar groß. Grafik: Stadt Drensteinfurt Foto: Stadt

Im neuen Baugebiet „Mondscheinweg“ westlich der Konrad-Adenauer-Straße sollen in erster Linie klassische Einzel- und Doppelhäuser entstehen. Aber auch zwölf Mehrfamilienhäuser sind eingeplant. Damit soll insbesondere der Nachfrage nach bezahlbarem Mietwohnraum Rechnung getragen werden. Zur Vermarktung dieser städtischen Grundstücke hat die Verwaltung ein detailliertes Verfahren erarbeitet, das am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt wurde. Es ist das erste Mal, dass die Stadt den Weg einer solchen Konzeptvergabe wählt.

Investoren, die Interesse an einem der Grundstücke haben, müssen sich schriftlich bewerben. Zur Bewertung der eingereichten Konzepte hat die Verwaltung eine Matrix mit drei thematischen Schwerpunkten entwickelt: „städtebauliche Qualität“, „Image und Innovation“ und „Soziale Kriterien“. Diese werden im Endergebnis mit 30, 20 und 50 Prozent gewichtet.

Für jeden der drei Schwerpunkte sind seitens des Bauamtes messbare Indikatoren zusammengestellt worden, die für die Punktevergabe maßgeblich sind. „Bewertet werden unter anderem die Berücksichtigung der städtebaulichen Vorgaben aus dem Bebauungsplan, Aspekte der Nachhaltigkeit, Ökologie und Energie, die Architektursprache, die Funktionalität sowie die Freiraumgestaltung“, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Im sozialen Bereich können die Bewerber beispielsweise durch die Realisierung von ‚gefördertem Wohnungsbau‘, durch die Umsetzung unterschiedlicher Wohn- und Nutzungsformen oder durch nutzerangepasste Wohn- und Aufenthaltsqualität punkten.“

Mindestbaustandards gelten

Die bereits festgelegten Mindestbaustandards (KfW-55 und Photovoltaik) sowie die beschlossene Reduzierung des Grundstückskaufpreises (bei KfW-40-Standard und Dachbegrünung) gelten auch für die Mehrfamilienhaus-Grundstücke. Darüber hinaus prüft die Verwaltung die Realisierung eines Nahwärmekonzeptes. Sollte ein solches kommen, bestünde ein Anschlusszwang für alle städtisch veräußerten Grundstücke.

Die Bewerbungsphase für den Kauf der Grundstücke soll bis zum 25. September über die Online-Plattform „Baupilot“ erfolgen. Dort kann jeder Interessent Informationen zum jeweiligen Grundstück finden. Der Bewerbungsbogen und die Bewertungsmatrix werden ebenfalls dort zum Download hinterlegt, ebenso wie ein Verweis auf das eigens für dieses Baugebiet angelegte Gestaltungshandbuch. Die Verwaltung wird die Konzepte anhand der Matrix bewerten, über die Vergabe entscheidet der Rat.

Wir haben bewusst viele Stellschrauben gelassen und wollen die Kreativität der Investoren einfordern.

Bürgermeister Carsten Grawunder

„Wir haben bewusst viele Stellschrauben gelassen und wollen die Kreativität der Investoren einfordern“, erklärte Bürgermeister Carsten Grawunder. Man hoffe, möglichst viele Interessenten anzusprechen, um am Ende eine Auswahl zu haben. Die Vermarktung der Einfamilienhaus-Grundstücke solle ebenfalls zeitnah beginnen, ergänzte Bauamtsleiter Christoph Britten.

Insbesondere die SPD lobte die soziale Komponente des Vergabeverfahrens. Um ihr noch mehr Gewicht zu geben, regte der Fraktionsvorsitzende Ingo Stude eine Mindestpunktzahl für diesen Schwerpunkt an. Dem folgte der Ausschuss mehrheitlich mit den Stimmen von CDU und SPD. Wer also mit seinem Konzept nicht mindestens 20 Punkte in der Kategorie „Soziale Kriterien“ erreicht, hat keine Chance auf einen Zuschlag.

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