Kantorin Miriam Kaduk über die Corona-Zeit
Musik aus dem Homeoffice

Drensteinfurt -

Chöre und Musikgruppen können bis heute noch nicht wieder richtig proben. Miriam Kaduk, Kantorin der Kirchengemeinde St. Regina, hat sich in den vergangenen Wochen einiges einfallen lassen, um auch in Corona-Zeiten den Kontakt zu ihren Chören aufrecht zu erhalten.

Samstag, 20.06.2020, 08:40 Uhr
Auch während der Corona-Zeit hat Miriam Kaduk Kontakt zu ihren Chören gehalten. Sie hat Videos gedreht, Bilder gemalt und Foto-Collagen gefertigt. Das Feedback sei sehr positiv gewesen, sagt sie.
Auch während der Corona-Zeit hat Miriam Kaduk Kontakt zu ihren Chören gehalten. Sie hat Videos gedreht, Bilder gemalt und Foto-Collagen gefertigt. Das Feedback sei sehr positiv gewesen, sagt sie. Foto: Kaduk

Ganz langsam fährt in diesen Tagen auch das Vereins- und Gemeindeleben wieder hoch. Doch insbesondere gesungen wird noch nicht überall wieder, denn gerade dabei ist die Gefahr, dass das Coronavirus übertragen werden kann, hoch. Miriam Kaduk , Kantorin der Kirchengemeinde St. Regina, hat sich in den vergangenen Wochen viel einfallen lassen, um den Kontakt zu ihren Chören aufrecht zu erhalten.

„Neben der willkommenen Gelegenheit, endlich Liegengebliebenes am Schreibtisch abzuarbeiten und viel Zeit zum Üben an der Orgel und am Klavier zu haben, habe ich direkt zu Beginn des Lockdowns im März für die Erwachsenen- und Kinderchöre eine Art ‚Chor-Homeoffice‘ eingerichtet, damit der wöchentliche Kontakt und die Beschäftigung mit dem Chorsingen nicht verloren gehen“, berichtet Kaduk. „Die meisten saßen ja – zumindest in der Anfangszeit – den ganzen Tag zu Hause.“

Für die Erwachsenen gebe es seitdem eine eigene WhatsApp-Gruppe, in die nur die Chorleiterin Beiträge posten könne, zum Beispiel Videobotschaften mit Liedern zum Mitsingen, Stimmbildungsübungen, Berichte und Artikel rund um das Chorsingen und Corona. „Das erste Video bestand aus einer Diashow vom leeren Probenraum, dem verwaisten Notenraum und den herumstehenden Musicalrequisiten, denn das Kindermusical im März war ja abgesagt worden, sowie – als kleiner Hoffnungsschimmer – von einem Foto blühender Osterglocken, alles untermalt mit Klaviermusik.“

Foto-Collage mit aktuellen Frisuren

Für das Vokalensemble hat Miriam Kaduk nach gut sechs Wochen eine Foto-Collage gefertigt, damit sich jeder mit seiner aktuellen Frisur zeigen konnte. „Schön war es für alle, sich nach Längerem wiederzusehen. Und jeder sollte ein Foto aus dem Garten schicken. Das habe ich dann zu einem Video zusammengefügt und mit einem Konzertmitschnitt von ‚Alle Dinge dieser Welt‘ von John Rutter unterlegt“, so die Kantorin.

Manche Sänger im Kirchenchor besäßen allerdings kein Smartphone, geschweige denn Internet. Aus diesem Grund verschickte Kaduk jedem Mitglied zu Ostern eine Foto-Postkarte mit Frühlingsbildern aus Drensteinfurt. „Gerade die Älteren haben sich gefreut, dass sie nicht vergessen wurden.“ Vor den Sommerferien soll es noch einen Brief mit einem Ausblick auf die nächsten Monate, ein paar Sonnenblumensamen und einem Getränkegutschein geben, einzulösen bei der nächsten Chorprobe – wann auch immer die stattfinden werde.

Gerade die Älteren haben sich gefreut, dass sie nicht vergessen wurden.

Miriam Kaduk

Geburtstage stünden ebenfalls im Chat – mit der Bitte, das jeweilige Chormitglied anzurufen, „denn Glückwünsche per Telefon sind ja infektionsfrei“, so Kaduk weiter. „Gerade der zwischenmenschliche soziale Aspekt ist für etliche Chorsänger wichtig, habe ich festgestellt, und der fehlt den Menschen zurzeit besonders.“

Mit dem Vokalensemble plant die Kantorin einen virtuellen Chor. Dazu müsse jeder von zu Hause ein Chorstück in seiner Stimmlage selbst einsingen und aufnehmen. Ein technisch versierter Chorsänger habe sich bereit erklärt, das Ganze zusammenzuschneiden und abzumischen, so dass daraus ein virtueller Chor wird.

Die Kinderchorarbeit findet über eine Cloud im Internet statt. „In diese lade ich wöchentlich ein Video mit einem Chorlied für Kinder zum Mitsingen hoch. Die meisten Lieder sind den Kindern aus der Probe bekannt. Ich habe sie mit Bildern illustriert, damit man sich den Text besser merken kann.“

Das Malen wiederentdeckt

Die Bilder seien oft selbst gemalt. „Das Malen habe ich während Corona sozusagen für mich wiederentdeckt, als ich vormittags auf meine Nichte aufpassen musste, weil die Kita geschlossen hatte. Für das erste Video mit selbst gemalten Bildern habe ich mir sogar ihre Malstifte ausgeliehen, weil ich gar keine eigenen hatte“, erinnert sich Miriam Kaduk.

Ihr aufwendigstes Video war „Das Raphuhn“ mit 70 Bildern. „Dafür habe ich mich sogar verkleidet, einen Schnabel gebastelt und Fotos im Garten gemacht.“

Nun gehe so langsam alles wieder los. Gottesdienste mit Orgelbegleitung gibt es schon seit Anfang Mai wieder in Drensteinfurt. Auch eine Vorstandssitzung des Kirchenchores hat bereits stattgefunden. „Die alltäglichen Aufgaben, die ich normalerweise als koordinierende Kirchenmusikerin habe, werden wieder mehr.“ Und dennoch will Miriam Kaduk viel von dem, was sie in den vergangenen Monaten an technischen Möglichkeiten zur Übermittlung und Vermittlung von Musik und Kommunikation entdeckt hat, fortführen. „Eigentlich wollte ich mich schon viel früher mit solchen Themen beschäftigen- ‚Corona sei Dank‘ habe ich jetzt damit angefangen. Für meine weitere kirchenmusikalische Arbeit werde ich viel davon weiter verwenden.“

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