Mangelstübchen Engels schließt nach 23 Jahren
Ein Wäschekorb wartet seit zehn Jahren

Drensteinfurt -

23 Jahre lang haben Resi und Manfred Engels an der Schützenstraße Bettwäsche gestärkt, Tischtücher gemangelt und den einen oder anderen Plausch mit ihren Kunden gehalten. Am heutigen Donnerstag schließen sie ihr Geschäft.

Donnerstag, 25.06.2020, 08:57 Uhr
Nach 23 Jahren schließen Resi und Manfred Engels ihr Mangelstübchen.
Nach 23 Jahren schließen Resi und Manfred Engels ihr Mangelstübchen. Foto: Eva-Maria Spiller

Dass sie einmal eine Heißmangel eröffnen würde, hätte sich die gelernte Kauffrau vor ihrem Schritt in die Selbstständigkeit nicht träumen lassen. Denn eines hatte sie sich geschworen: nie wieder zu mangeln.

Als Kind hat Resi Engels gemeinsam mit ihrer Schwester Barbara nach der Schule in der Mangel ihrer Tante Martha Kühn im Erdgeschoss des Wohnhauses an der Königsberger Straße ausgeholfen. Mutter Margarete Spiller und Vater Joseph Spiller hatten ihr Haus nach dem Krieg Garten an Garten mit Tante Martha und Onkel Johannes „Fritz“ Kühn gebaut; beide Familien trennte nur ein Gartentor. Dass die Familie also beim Mangeln und Falten mit anpackt, war für alle selbstverständlich.

„Wir waren ja auch neugierig“, erinnert sich Resi Engels. Nach der Schule und dem Mittagessen führte der Weg der Geschwister deshalb oft in die Mangelstube ihrer Tante. „Dann waren meine Schwester und ich schon happy, wenn wir nur die Wäschekörbe wegstellen durften.“ Jeden Dienstagnachmittag stiegen die Schwestern hinten auf die alte Rex des Onkels, um die Wäsche in der Siedlung einzusammeln. Am Freitag wurde die fertige Wäsche dann wieder ausgeliefert.

Nach ihrer Ausbildung als kaufmännische Angestellte arbeitete Resi Engels bis 1996 beim Bauunternehmen Mussenbrock an der Schützenstraße, bis diese Insolvenz anmeldete. Als die Mangel Werring, die sich im Hinterhof der ehemaligen Fahrschule Langer an der Münsterstraße befand, Anfang 1997 schloss, war für Resi Engels klar: jetzt oder nie. Die Büroräume der Firma Mussenbrock standen nach wie vor leer, sodass Resi Engels diese nach Rücksprache mit dem Vermieter anmieten konnte. „Etwas Besseres konnte uns im Grunde nicht passieren“, sagt die 70-Jährige heute.

Weg in die Selbstständigkeit

Am 27. März 1997 öffnete das Mangelstübchen Engels zum ersten Mal ihre Tür. Doch der Weg in die Selbstständigkeit war nicht leicht. „Am Anfang war die Zurückhaltung groß. Wenn ich Manni und Gertrude Bünnigmann nicht gehabt hätte, die mich bestärkt haben, dann hätte ich nach einem halben Jahr wieder aufgehört“, sagt Resi Engels. Doch das Durchhalten hat sich gelohnt. Die Kunden kamen. Und blieben ihr treu. Gertrude Bünnigmann hatte Resi Engels jahrelang im Mangelstübchen geholfen, bevor Manfred Engels nach seiner Pensionierung bei der Deutschen Telekom mit einstieg.

Seit der Eröffnung des Mangelstübchens gehörten junge Familien, Einzelpersonen und auch ältere Menschen zum Kundenkreis von Resi und Manfred Engels. Für diejenigen, die ihre Wäsche nicht selber bringen und abholten konnten, hat das Ehepaar dies erledigt. Kunden von außerhalb nutzten die Zeit auch gerne, um in der Zwischenzeit Erledigungen in Drensteinfurt zu machen. Ob auch mal ein Wäschekorb vergessen wurde? „Ja“, sagt Resi Engels und muss schmunzeln. Ein Wäschekorb mit Tischwäsche warte seit gut zehn Jahren darauf, abgeholt zu werden.

23 Jahre sind vergangen, seitdem die Heißmangel, die Resi und Manfred Engels damals aus Halle in Westfalen geholt hatten, das erste Mal an der Schützenstraße in Betrieb gegangen ist. Nun ist es an der Zeit, Abschied zu nehmen. „So ein bisschen tut es schon weh“, sagt Resi Engels. Im Gedächtnis bleiben werden ihr aber die treuen Kunden und die netten Gespräche, die oft dazugehörten.

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