Bürgermeister Carsten Grawunder präsentiert sein Wahlprogramm
Bereit – für den 13. September

Drensteinfurt -

Die Plakate sind gedruckt. Das Programm ist fertig. Und auch die neue Homepage ist seit dem Wochenende online. „Alles ein wenig später als geplant“, räumt Carsten Grawunder ein. Aber die Corona-Krise hat auch seinen „Wahlkampf-Fahrplan“ gehörig durcheinander gewirbelt.

Montag, 13.07.2020, 07:03 Uhr
Mit
Mit Foto: Dietmar Jeschke

Notfallunterricht in den Schulen, spontane Homeoffice-Regelungen für die Stadtverwaltung und dann natürlich das kommunale Hilfspaket für die Wirtschaft: All das ging in den vergangenen drei Monaten eindeutig vor. Genau zwei Monate vor der Kommunalwahl startet nun jedoch auch der Amtsinhaber, der sich am 13. September der Grünen-Herausforderin Heidi Pechmann im Kampf um den Chefsessel im Rathaus stellen wird, medial durch.

Der neugestaltete Marktplatz, die Erweiterung der Kindergarten- und Betreuungsplätze, die Entwicklung der Baugebiete „Mondscheinweg“ und „Blumenstraße“, die Erweiterungen der Grundschulen, eine positive Entwicklung der städtischen Finanzen und natürlich gezielte Projekte zur Unterstützung der Energiewende – wie etwa die Anschaffung städtischer E-Fahrzeuge – sind nur einige der Punkte, die er in seiner persönlichen Erfolgsbilanz der vergangenen sechs Jahre verbucht.

Mindestes ebenso lang ist jedoch die Liste mit den Maßnahmen, die er sich für die kommenden fünf Jahre vorgenommen hat. Und das – rein parteipolitisch betrachtet – auch weiterhin quasi als „Einzelkämpfer“. Offizielle Unterstützung gibt es für den parteilosen Amtsinhaber bislang lediglich seitens der SPD (Ergebnis 2014: 22,7 Prozent), die sich allerdings im aktuellen Wahlkampfgeschehen noch ziemlich zurückhält. Die CDU als bis dato stärkste Ratsfraktion (2014: 48,9 Prozent) hat mangels personeller Alternativen zwar keinen Gegenkandidaten nominiert, will aber von einer offiziellen Unterstützung Grawunders , der die Wahl vor sechs Jahren als von Grünen und SPD aufs Schild gehobener Herausforderer denkbar knapp gegen den von der CDU unterstützten und ebenfalls parteilosen Amtsinhaber Paul Berlage gewonnen hatte, nichts wissen.

„Der erste echte Prüfstein“

Von der bislang wahlkampftechnisch nicht in Erscheinung getretenen FDP (2014: 6,7 Prozent), erklärt Grawunder, habe er bis jetzt keine Rückmeldung erhalten. Und dann sind da ja noch die Grünen (2014: 20,2 Prozent), die dem Amtsinhaber zuletzt mehr oder weniger deutlich eine zu große politische Nähe zur CDU attestiert hatten – und die deshalb nun eine eigene Kandidatin ins Rennen schicken.

„Diese Wahl wird der erste echte Prüfstein sein“, weiß auch Carsten Grawunder. Bislang, so der Amtsinhaber, habe er zwar viel positives Feedback erhalten. Letztendlich jedoch sei er überaus „gespannt auf das Wahlergebnis“.

Strategisch, schildert der Rathauschef weiter, will er seine Politik als betont parteipolitisch unabhängiger Bürgermeister möglichst nahtlos fortsetzen. „Meine Aufgabe ist es, die Entscheidungsfindung so zu moderieren, dass es am Ende möglichst große Mehrheiten gibt“, sagt er – und schiebt im gleichen Atemzug nach: „Meine Hand ist immer in Richtung aller demokratischen Parteien ausgestreckt.“

Meine Hand ist immer in Richtung aller demokratischen Parteien ausgestreckt.

Carsten Grawunder

Themenfelder, die ihn in den kommenden fünf Jahren intensiv beschäftigen könnten, hat er derweil genügend ausgemacht. Hier einige Punkte im Überblick:

Klimaschutz: „Wir benötigen dringend verbindliche Klimaziele – aber sie müssen auch umsetzbar sein“, sagt Grawunder. „Klimaschutz geht nicht mit der Brechstange. Man muss die Menschen mitnehmen, geht es doch auch um ihre ganz persönlichen Komfortzonen.“ Konkret strebt er an, den öffentlichen Personennahverkehr weiter zu fördern. Ein Baustein soll die Einrichtung eines „Bürgerbusses“ sein, der vor allem die Ortsteile Walstedde, Mersch und Ameke besser an Drensteinfurt, aber auch an die jeweiligen Bahnhöfe anbindet. Zudem, so Grawunder, gelte es, den Fahrradverkehr weiter zu stärken, etwa durch die Einrichtung spezieller Fahrradstraßen, in denen „Pedalritter“ Vorrang vor dem Autoverkehr haben. Konkret könnte dies auf der Achse zwischen Bahnhof und Marktplatz umgesetzt werden. Stärken will Grawunder ferner den Car-Sharing-Gedanken. „Wir haben es in der Stadt oft nicht mit Fahrzeugen, sondern mit ,Stehzeugen‘ zu tun“, ist der Bürgermeister überzeugt, dass es viele Bürger gibt, die für ihre ganz persönlichen Zwecke auch ohne eigenes Auto auskommen können.

Einzelhandelsgutachten überarbeiten

Innenstadtentwicklung: „Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept muss fortgeschrieben werden“, betont Carsten Grawunder. Und nachdem bereits die Schlossallee und die Wagenfeldstraße in Sachen Neugestaltung politisch in den Fokus gerückt sind, wünscht er sich nun, dass künftig auch die zentrumsnahen und versorgungsrelevanten Bereiche an der Kleiststraße und im Bahnhofsumfeld in den Gültigkeitsbereichs des „ISEK“ aufgenommen werden – samt einer Überarbeitung des längst in die Jahre gekommenen Einzelhandelsgutachtens.

Als weitere Punkte auf seiner umfangreichen To-do-Liste nennt Carsten Grawunder die Umsetzung der schon vor vielen Jahren angedachten und angesichts der europäischen Wasserrahmenrichtlinie in nicht allzu ferner Zukunft notwendige Renaturierung der Werse sowie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Zudem will er im Herbst die Planungen zur umfangreichen und millionenschweren Sanierung und Erweiterung der Rinkeroder Grundschule vorantreiben. Letztere, und das zeichnet sich ab, wird aber wohl (vorerst) auf Kosten des bereits vor mehreren Jahren angestoßenen (Teil-)Neubaus des Rathauses gehen. Zwar soll der dafür gleichfalls seit Jahren geplante Architektenwettbewerb nun tatsächlich ausgeschrieben werden. Mit Blick auf die Finanzen, erklärt Grawunder, habe die Rinkeroder Grundschule aber absolute Priorität.

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