Krimi-Lesung mit Sabine Gronover
Mord im Landgestüt

Drensteinfurt/Warendorf -

Die in Mersch lebende Krimi-Autorin

Mittwoch, 15.07.2020, 08:58 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 15:41 Uhr

Die in Mersch lebende Krimi-Autorin Sabine Gronover lädt am Donnerstag, 30. Juli, zu einem Leseabend aus ihrem neuen Münsterland-Krimi „Edles Geblüt“ auf die Terrasse des „Hotel im Engel“ in Warendorf ein. In einem Interview erwähnt Sabine Gronover, dass sie eine wahre Begebenheit zu dem Krimi inspiriert hat, und erzählt, welchen Bezug sie zu Landgestüten und Pferden hat.

Frau Gronover, nach ihrem Krimi „Wölfe im Münsterland“, für den eine wahre Wolfsgeschichte Ideengeber war, widmen Sie sich in Ihrem neuen Krimi einem Mordfall auf dem Warendorfer Landgestüt. Diente hier ebenfalls eine reale Begebenheit als Ideengeber für den Roman?

Als ich mit dem Buch begann, gab es Ermittlungen beim NRW-Landgestüt in Warendorf. Die Nachrichten rund um angeblich kriminelle Machenschaften reizten mich aus verschiedenen Gründen. In mancherlei Hinsicht scheint die Zeit an solchen Orten stillzustehen. Aber allmählich wird diese Männerdomäne von Frauen übernommen und auch weibliche Lehrlinge sind dort keine Seltenheit mehr.

Balthasar Fromm, ein eher unbekannter Autor, wird nach seiner Lesung in einem Lokal auf offener Straße erschossen. Zeitgleich verschwindet ein wertvoller Zuchthengst aus dem Landgestüt. Sie holen gleich zu Beginn Ihres Romans eine Menge actiongeladene Spannung in das sonst so beschauliche Warendorf. Welche Beziehung haben Sie eigentlich zu dem Ort des Geschehens – sowohl zu Warendorf als auch zu Pferdegestüten – privat?

Ich selbst stehe den edlen Rössern nach einem schweren Reitunfall kritisch gegenüber und kann ihnen nicht mehr ganz vertrauen. Allerdings war bei meinem Unfall auch ein merkwürdiger Todesfall beteiligt, und es war tatsächlich der Blutgeruch einer Leiche, der mein Pferd damals zum Durchgehen brachte und schließlich zu einem fatalen Sturz führte. Also auch eine beinahe kriminelle Geschichte. Ich verbinde mit Pferden aber auch sehr schöne Zeiten, tolle Ausritte und wunderbare Momente. Der Hof Schulze-Gronover, der in der Widmung erwähnt wird, ist der heimatliche Hof meines Mannes, und er besitzt seit langem einen Namen in der Pferdezucht und Reiterei. Mein Wohnort Drensteinfurt gehört dagegen zu der schönen alten Kreisstadt Warendorf, und wenn man über dieses beschauliche Städtchen schreibt, kommt man an den Pferden, die überall im Ort als Statuen herumstehen, nun mal nicht vorbei.

Wie bereits im Vorgänger-Roman „Wölfe im Münsterland“ sind es Kommissar Schmitt aus Warendorf und Polizist Dirk Kemper aus Oelde, die den Fall übernehmen. Was hat Sie dazu bewogen, zwei Männer als Protagonisten für Ihre Krimi-Serie zu wählen?

Ich habe eher den Eindruck, diese beiden haben sich die Fälle ausgesucht und sind auf mich zugekommen. So etwas ist bei mir keine bewusste Entscheidung. Aber in meiner therapeutischen Arbeit begegnen mir zumindest im Suchtbereich sehr viele Männer, und ich lerne einiges über ihre Sichtweisen kennen. Ich spiele im Buch manchmal gerne mit männlichen Eitelkeiten, möchte aber keine typischen Vorurteile bedienen. Es gibt ja auch einige männliche Kollegen, die bewusst eine weibliche Perspektive wählen. Ist es nicht fantastisch, dass ich im Leben zwar auf meine eigene Perspektive festgelegt bin, als Gestalterin von Geschichten aber wechseln kann? Ich könnte sogar aus dem Blickwinkel eines Einhorns berichten, wenn ich möchte.

Was ist das Besondere an den beiden Ermittlerfiguren?

Sie könnten verschiedener nicht sein. Kommissar Hugo Schmitt ist deutlich älter als Polizist Dirk Kemper, er ist verwitwet, lässt sich aber keineswegs hängen. Er findet, dass eine perfekte Figur alles tragen kann, sein Körper allerdings besser mit gut ausgewählter edler Kleidung Alter und Bäuchlein kompensiert. Schmitt ist in den Fällen immer der Leidtragende, wenn es um Tiere geht, denn er fürchtet sich vor jedem Tier, das größer als ein Beagle ist, und daher wählt er sich den jungen ehrgeizigen Polizisten Kemper gerne als Partner.

Wie gehen Sie konzeptionell beim Plot vor, wenn Sie einen Krimi planen? Spielen Ihre beruflichen Erfahrungen als Therapeutin dort mit rein?

Ich plane meinen Plot nicht, ich habe eine Grundidee, oft sind es nur ein Thema und zwei Figuren, und dann nimmt die Geschichte ihren Lauf. Die Figuren sind oft das Schlüsselelement einer Geschichte. Ich lasse mich von deren Handeln treiben und inspirieren, und die Entdeckung des Mörders, die Aufklärung des Falls ist auch für mich stets eine Überraschung. Meine Arbeit als Therapeutin prägt ganz bestimmt vieles Zwischenmenschliche im Text, so vor allem Charakterdarstellungen und Lebensgeschichten der Akteure. Denn davon bekomme ich eine Menge zu hören, auch aus dem kriminellen Umfeld. Es gibt aber nie einen direkten Zusammenhang, sondern eher eine unterbewusste Fügung.

Was ist Ihnen beim Schreiben in punkto Stilistik wichtig?

Mir ist es wichtig, die Figuren authentisch zu gestalten, anschaulich und handelnd. Meine Figuren dürfen ein paar Macken haben, und ihnen gelingt auch nicht immer alles. Mir selbst fällt auf, dass ich selten Charaktere kreiere, die durchweg schlecht sind, sondern ihre Motive erklären sich aus ihren Lebensereignissen. Dabei wechselt die Perspektive im Münsterlandkrimi, während ich in meiner Dänemarkserie aus der Sicht einer Person erzähle. Ich mag es aber auch, in die Rolle einzelner Akteure zu schlüpfen und durch ihren Blickwinkel die Geschichte weiterzuerzählen. Und mitunter ist auch die Ich-Perspektive verlockend.

Nach einem Fußballspiel heißt es so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Dürfen wir uns auf eine Fortsetzung freuen?

Kommissar Schmitt sagt auf der letzten Seite des Buches „Edles Geblüt“: „In Telgte ist ein Mann tot aufgefunden worden. Wahrscheinlich wurde er von einem Wildschwein getötet.“ Sollte es einen dritten Band geben, wissen wir alle, dass nicht nur ein Wildschwein für den Tod verantwortlich war.

„Edles Geblüt“ ist im KBV-Verlag erschienen, der auch das Interview zur Verfügung stellte.

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