Ungewöhnliches Konzert im Erlbad
Im Gebüsch spielt die Musik

Drensteinfurt -

Ein ungewöhnliches Konzert wurde den rund 70 Besuchern am Freitagabend im Erlbad geboten. Sebastian Netta und seine Musiker-Kollegen fingen die elektrischen Signale der umgebenden Pflanzen über Sensoren ein und kleideten Beethovens Sechste Symphonie in ein neues Gewand.

Montag, 10.08.2020, 17:02 Uhr
Für ein besonderes Konzert-Erlebnis im Erlbad sorgten Sebastian Netta, Hans Wanning und Kurt Holzkämper (v.l.) auf der sogenannten Bonsai-Bühne.
Für ein besonderes Konzert-Erlebnis im Erlbad sorgten Sebastian Netta, Hans Wanning und Kurt Holzkämper (v.l.) auf der sogenannten Bonsai-Bühne. Foto: Gisela Schäper

Das Wetter war wie geschaffen für das Picknick-Konzert. Die Musiker der Wald- und Wiesen-Konzerte hatten sich in dessen Jubiläumsjahr Beethovens Sechste Symphonie – „Die Pastorale“ – als Motiv für ihre fünf Beethoven-Konzerte gewählt, von denen eines am Freitagabend im Erlbad stattfand. „Kulturereignisse sind derzeit ja eher rar, deshalb haben wir uns sehr auf dieses Konzert gefreut“, war zu hören. Nicht nur wegen des Ereignisses an sich, sondern auch, weil es ein spannendes musikalisches Experiment in einem wunderbaren Ambiente versprach.

Ausgerüstet mit Picknickdecken, Rotwein, Käse und anderen Nettigkeiten hatten sich die rund 70 Zuhörer locker verteilt auf der Wiese am Kinderschwimmbecken niedergelassen. Die Besucher seien begeistert gewesen, auch wenn sie möglicherweise ein eher klassisches Konzert erwartet hatten und stattdessen eine sehr ungewöhnliche Klanginstallation geboten bekamen, heißt es im Bericht der Veranstalter.

Im Erlbad boten die Bäume und Büsche genau den richtigen Rahmen für Beethovens Musik, die von Sebastian Netta (Schlagzeug), Hans Wanning (Klavier/Keyboard) und Kurt Holzkämper (Bass) auf moderne Weise interpretiert und elektronisch umgesetzt wurde.

Netta gab zu Beginn eine Einführung: Er erklärte Beethoven, der die Musik seinerzeit völlig neu gedacht und komponiert habe, seinen Bezug zur Natur und die verschiedenen Sätze. Beethoven hält in der Pastorale die Natur in musikalischen Bildern fest: leicht und heiter in der Abbildung des Landlebens und der Musik von Bächen, Pflanzen und Vögeln, erhaben und entfesselt wie die hereinrauschenden Naturgewalten im Satz „Donner und Sturm“. Bekannte Sequenzen wie „Für Elise“ oder die „Ode an die Freude“ seien eindrucksvoll in die Darbietung eingebettet gewesen, heißt es im Bericht weiter.

Elektrische Spannung eingefangen

Spannend, wie die drei Musiker die Natur einbezogen: Pflanzen zeichnen sich – wie jedes andere Lebewesen auch – durch spezifische elektrische Spannungen aus. Diese Signale fangen die Akteure mit Sensoren ein, verstärken sie und setzen sie in Musik um. Für die Zuhörer sei das ein beeindruckendes Erlebnis gewesen. Und auch für die Männer sei es jedes Mal eine neue Erfahrung, denn die Pflanzen seien nicht programmierbar.

Die Musiker spielten auf einer kleinen Bühne, die anmutet wie ein überdimensionaler Strandkorb und ein echter Hingucker ist. Diese besondere Beschaffenheit des Settings in naturnaher Umgebung in Kombination mit der Musik Beethovens war Musikgenuss vom Feinsten. Bei der Stadtverwaltung hatte Sebastian Netta offene Türen eingerannt, als ein Veranstaltungsort gesucht worden war. „Das Erlbad ist für solch ein Konzert super“, fand er. „Wir kommen mit einem anderen Programm gerne wieder.“

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