Kommunale Pflegeplanung
Platzangebot unter dem Kreis-Durchschnitt

Drensteinfurt -

Die Betreuungssituation der älteren Mitbürger ist im Vergleich zu den anderen Kommunen im Kreis Warendorf unterdurchschnittlich. 119 24-Stunden-Plätze halten die Städte und Gemeinden im Mittel je 1000 Bürger über 80 Jahre vor – in Drensteinfurt liegt dieser Wert, die Platzdichte, nur bei 106.

Freitag, 28.08.2020, 08:31 Uhr
Einen Bedarf an zusätzlichen Service-Wohnungen und teilstationären Angeboten für Senioren sieht die kommunale Pflegeplanung des Kreises Warendorf für Drensteinfurt.
Einen Bedarf an zusätzlichen Service-Wohnungen und teilstationären Angeboten für Senioren sieht die kommunale Pflegeplanung des Kreises Warendorf für Drensteinfurt. Foto: dpa

Für bare Münze darf man die Zahlen, die am Dienstag im Sozialausschuss präsentiert wurden, nicht nehmen. Denn sie waren zum Teil schon veraltet. Laut einer Prognose von IT NRW aus dem Jahr 2018 sollte die Einwohnerzahl in Drensteinfurt zum 1. Januar 2020 etwa 15 600 betragen. „Die 16 000-er-Grenze haben wir aber schon vergangenes Jahr überschritten“, betonte Bürgermeister Carsten Grawunder .

Und dennoch ließ sich am Ende des Vortrags von Lena Wiedemann , beim Kreis Warendorf zuständig für die kommunale Pflegeplanung, eine Erkenntnis festhalten: Angesichts der vermuteten demografischen Entwicklung braucht Drensteinfurt absehbar zusätzliche Betreuungsplätze für ältere Menschen. Die Wersestadt ist eine von fünf Gemeinden im Kreis, die laut Prognose bis 2040 ein Bevölkerungswachstum zu verzeichnen haben wird. Bis 2040 müsse mit einer Zunahme in der Gruppe der über 65-Jährigen um rund 90 Prozent (!) gerechnet werden, legte Wiedemann dar. Bei den unter 65-Jährigen werde der Anteil im gleichen Zeitraum um knapp 13 Prozent sinken.

Schon die derzeitige Versorgung der Älteren ist im Kreis-Vergleich allerdings unterdurchschnittlich. 119 24-Stunden-Plätze halten die Städte und Gemeinden im Mittel je 1000 Bürger über 80 Jahre vor – in der Wersestadt liegt diese Platzdichte nur bei 106. Eine vollstationäre Betreuung gibt es im Malteserstift St. Marien (80 Plätze), dazu kommt die Wohngemeinschaft „Zum Pröbstinghof“ in Rinkerode (zwölf Plätze), in Walstedde gibt es gar kein Angebot. Die Tagespflege der Marga-Kamphus-Stiftung im ehemaligen Hotel „Zur Post“ (zwölf Plätze) befindet sich noch im Bau. Mehrere ambulante Dienste ergänzen das Angebot. Gerade in diesem Bereich sowie in Sachen Tagespflege wird eine Ausweitung als erforderlich erachtet, war Wiedemanns Präsentation zu entnehmen.

Hoher Bedarf nach betreutem Wohnen

Diese Aussage berge einigen Sprengstoff, meinte anschließend Sabrina Salomon (CDU). „Wir liegen bei der Platzdichte nicht nur unter dem Median, wir sind sogar Schlusslicht.“ Und eine neue Einrichtung baue sich nicht von heute auf morgen. Deshalb sei es wichtig zu wissen, wie hoch der Bedarf denn tatsächlich sei. Die vollstationäre Versorgung sei nach aktuellem Stand ausreichend, entgegnete Wiedemann mit Bezug auf die Ergebnisse des Netzwerktreffens „Altenhilfe und Pflege“ im Juni 2019. Doch gerade der Bedarf nach betreutem Wohnen und bezahlbarem barrierefreiem Wohnraum sowie teilstationären Angeboten sei hoch.

Zur Sprache brachte Wiedemann darüber hinaus die Planung eines Pflegezentrums mit ein bis zwei Wohngemeinschaften und Service-Wohnungen in der Bürener Straße – über das der Bürgermeister auf Nachfrage der Ausschussvorsitzenden Waltraud Angenendt allerdings keine weiteren Worte verlieren wollte. Dafür sei es noch zu früh, es gebe aber Gespräche, bestätigte Grawunder. Sollte sich dieses Projekt realisieren lassen, so Lena Wiedemann, dann sei man für die nächsten zehn Jahre gut aufgestellt.

Unterstützung pflegender Angehöriger

Dass dieses Thema Verwaltung und Politik weiter intensiv beschäftigen werde, vermutete nicht nur der Bürgermeister: „Umso ärgerlicher, dass wir hier mit veralteten Zahlen arbeiten müssen.“ Heinz Töns (CDU) betonte: „Wir können doch keinem sagen: Du hast 80 Jahre hier in der Stadt gelebt, aber jetzt musst du woanders hin. Das darf nicht sein.“ Und Sonja Berstermann-Kowalke (FDP) berichtete aus eigener Erfahrung: Sie habe ihre Mutter gepflegt und nur halbtags gearbeitet. „Das schlägt jetzt bei der Rentenkasse zu Buche.“ Sie habe Angst, dass die Unterstützung pflegender Angehöriger angesichts der finanziellen Einbußen in Zukunft wegbreche und noch mehr Senioren in Heimen betreut werden müssten. 2017 wurden kreisweit rund 75 Prozent der gut 10 200 Pflegebedürftigen zu Hause versorgt – in zwei Drittel der Fälle durch Angehörige.

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