Heimatfreunde haben Ackerboden untersucht
Plaggenesch zeugt von Plackerei

Drensteinfurt -

Mehr als zufrieden sind die Aktiven des Heimatvereins mit Blick auf die Resonanz, auf die die unlängst vorgestellte „Radrätselroute“ bislang gestoßen ist. Einer Frage, die sich bei Erstellung des Parcours ergeben hat, sind die Heimatfreunde nun selbst auf den Grund gegangen. Dafür waren Bodenproben nötig.

Sonntag, 11.10.2020, 10:59 Uhr
Mit einem Probennehmer untersuchten die Heimatfreunde Norbert Unkhoff sowie Kurt und Liane Schmitz (v.l.) die Plaggenschicht im Bereich der Bauerschaften Rieth und Forsthövel.
Mit einem Probennehmer untersuchten die Heimatfreunde Norbert Unkhoff sowie Kurt und Liane Schmitz (v.l.) die Plaggenschicht im Bereich der Bauerschaften Rieth und Forsthövel. Foto: Heimatverein

Die „Radrätselroute“ des Heimatvereins kommt gut an. „Nicht nur, dass die Rätsel-Flyer reißenden Absatz fanden. Die Teilnehmer äußerten ihre Begeisterung auch per E-Mail. Anklang fand auch die Möglichkeit, sich Tourverlauf, Rätselfragen und den Lösungscoupon online spontan herunterladen zu können, zumal auch die Lösung per Mail eingesendet werden kann“, teilen die Heimatfreunde mit. Wer jedoch die Papierform bevorzuge, der könne die in der Stadtverwaltung, im Geschäft „Markt Nr. 1“, in der „Bücherecke“ und im Schlossbistro aufgestellten Boxen nutzen.

Bei der Konzipierung des Parcours sei im Vorbereitungsteam eine Frage diskutiert worden, die zwar keinerlei Auswirkung auf die Beantwortung der Rätselfragen hat, die den Heimatfreunden aber doch so interessant erschien, dass sie sich vornahmen, die Angelegenheit vor Ort zu klären.

Sie betrifft die Station Nummer acht: Dort, zwischen der im Bereich der Bauerschaften Rieth und Forsthövel verlaufenden Landwehr, befindet sich ein sogenanntes „Plaggenesch“. „Eigentlich sieht alles nach einem normalen Acker aus, der nur ein wenig höher liegt als die Felder südlich des Bauerschaftsweges. Doch gerade dieser Niveauunterschied zeugt von einer Maßnahme zur Bodenverbesserung, die vom 11. bis zum 19. Jahrhundert an vielen Punkten in Norddeutschland betrieben worden ist“, schreiben die Heimatfreunde. „Da früher kein Mineraldünger zur Verfügung stand, haben die Menschen Gras- oder Heidebodenstücke ausgestochen, als Einstreu im Stall benutzt und später dann auf ein günstig gelegenes Feld gebracht. Man konnte damit auf die im System der Dreifelderwirtschaft notwendigen Anbaupausen verzichten und ,ewigen Roggenanbau‘ betreiben. Der Preis war allerdings, dass die Gebiete, in denen die Plaggen gestochen wurden, ihrer Humusschicht beraubt wurden und der blanke Sandboden der Erosion ausgesetzt war. So entstanden unfruchtbares Heideland oder im Extremfall sogar Sanddünen.“

Wie dick ist die Plaggenschicht?

Da nahezu jedes Jahr neues Material auf dem Plaggenacker verteilt worden sei, habe sich das Bodenniveau mit der Zeit erhöht – und zwar um etwa einen Millimeter pro Jahr. Eine zehn Zentimeter hohe Plaggenschicht würde also mindestens 100 Jahre Plaggenwirtschaft bedeuten. „Da steht natürlich die Frage im Raum, wie dick denn die Plaggenschicht auf dem Acker in der Rieth und in Forsthövel ist“, schreibt der Heimatverein.

Einige Mitglieder des „Radrätselrouten“-Teams haben sich daher einen Probennehmer geliehen und schlugen ihn mit Erlaubnis des Eigentümers in den Riether Acker. „Die Bodenproben zeugten von einer 40 bis 60 Zentimeter dicken humosen Erdschicht über der darunter liegenden hellen, feinsandigen Schicht. Sie untermauern die Vermutung, dass dort mindestens 400 Jahre Plaggenwirtschaft betrieben worden ist“, heißt es. „Genaueres könnten weitere, aus der Ackermitte gezogene Proben ergeben. Da das Stechen, Verarbeiten und Aufbringen der Plaggen schwere Arbeit bedeutete, zeugt der Plaggenesch an dieser Stelle von einer Jahrhunderte langen Plackerei.“

Im Rätselflyer wird danach gefragt, warum sich die Menschen diesen Mühen unterzogen haben. Schwere Gerätschaft ist also beim Auffinden der Lösung nicht notwendig, ebenso wie bei den weiteren elf Fragen.

Wer an der „Radrätselroute“ teilnehmen und einen der „Stewwert-Taler“ gewinnen möchte, kann dies bis zum letzten Abgabetermin am Montag, 26. Oktober, tun.

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