Ausstellungseröffnung in der Alten Post
Die letzte Chipstüte ist geleert

Drensteinfurt -

In eine Art buddhistischen Tempel hat Luzia-Maria Derks die Alte Post verwandelt. Benutzt hat sie dafür ganz spezielle Verpackungsmaterialien – nämlich leere Chipstüten. So will die Künstlerin die Konsum- und Ernährungsgewohnheiten der Menschen sowie ihren Umgang mit Müll hinterfragen.

Montag, 12.10.2020, 17:28 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 15:36 Uhr
Kunsthistoriker Dr. Stephan Trescher führte in die Rauminstallation von Künstlerin Luzia-Maria Derks ein.
Kunsthistoriker Dr. Stephan Trescher führte in die Rauminstallation von Künstlerin Luzia-Maria Derks ein. Foto: Dierk Hartleb

Es waren ungewöhnliche Klänge, die die Besucher der Ausstellungseröffnung in der Alten Post am Sonntagmorgen anlockten. Die Klangimprovisation von Thomas König , Thomas Schnellen und Gregor Bohnensack leitete nahtlos über in den Sitzungssaal, den Luzia-Maria Derks in einen Raum mit der Anmutung eines buddhistischen Tempels verwandelt hatte.

Die Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins, Christa Heistermann, begrüßte die Besucher unter freiem Himmel, denn es dürfen sich höchstens 24 Personen gleichzeitig im Gebäude aufhalten. In ihrer Ansprache wurde der Aufwand zumindest in Umrissen deutlich, als sie ausführte, dass der Aufbau fünf Tage in Anspruch genommen hatte und die letzte Chipstüte am Samstagabend geleert worden war. Dass sich die Künstlerin nach Besichtigung der Örtlichkeiten entschieden hatte, in der Alten Post auszustellen, wertete Heistermann als Anerkennung für den Kunst- und Kulturverein.

Chips, Flips und Snacks: Diesen Dreiklang aus süchtig machendem Knabberzeug, das auf vielen Wohnzimmer- und Beistelltischen steht, nahm Dr. Stephan Trescher in seiner Rede aufs Korn und sezierte dabei liebgewordene Konsumgewohnheiten einer sich ungesund ernährenden Wohlstandsgesellschaft. Mit den rot-weiß-gelben Verpackungen hat die Künstlerin den Sitzungssaal in einen tempelartigen Raum verwandelt, dem der Kunsthistoriker aus Münster eine spirituelle Anmutung bescheinigte. Dazu tragen auch die den Mittelgang begleitenden Gebetsmühlen bei, die sich drehen lassen und bei denen die Gläubigen ihre Gebete (Mantras) murmeln. Die ebenfalls aus Chipstüten stilisierten Stupas (ursprünglich Grabhügel), die den altarähnlichen Aufbau an der Stirnwand des Raums einrahmen, verleihen der Rauminstallation etwas Feierliches, was allerdings durch das Video in Endlosschleife, das den Kehlkopf einen Chips essenden Mannes samt entsprechenden Kaugeräuschen zeigt, konterkariert wird.

Konsum- und Ernährungsgewohnheiten

Mit ihrer Installation aus Wegwerfmaterialien erhebe sich die Künstlerin nicht über die Religion, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben, meinte Trescher, sondern sie hinterfrage Konsum- und Ernährungsgewohnheiten sowie den Umgang mit Verpackungsmaterial und Müll.

Die Ausstellung „Stupa“ ist bis zum 18. Oktober in der Alten Post zu sehen, und zwar Dienstag bis Freitag von 16 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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