Mondscheinweg: Ausschuss beschließt den Bau eines Nahwärmenetzes
„Vernünftiger Kompromiss“

Drensteinfurt -

Das Thema „umweltfreundliche Energieversorgung“ für das Baugebiet Mondscheinweg ist nach langer Debatte vom Tisch. Mit großer Mehrheit stimmte der Stadtentwicklungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung für die Errichtung eines Blockheizkraftwerks mit Anschlusspflicht für alle Bauherren, die ein Grundstück von der Stadt erwerben.

Dienstag, 17.11.2020, 22:35 Uhr aktualisiert: 18.11.2020, 10:44 Uhr
Das Gelände der Feuerwehr grenzt direkt an den Mondscheinweg (l.). Als Standort für ein Blockheizkraft bietet das Areal den Vorteil, dass auch Betriebe aus dem Gewerbegebiet davon profitieren könnten.
Das Gelände der Feuerwehr grenzt direkt an den Mondscheinweg (l.). Als Standort für ein Blockheizkraft bietet das Areal den Vorteil, dass auch Betriebe aus dem Gewerbegebiet davon profitieren könnten. Foto: Dietmar Jeschke

Wer schon bald im Baugebiet Mondscheinweg bauen möchte, der kann auf eine eigene Heizung verzichten. Zumindest, wenn er sein Haus auf einem der insgesamt 207 Grundstücke errichtet, die die Stadt vermarket. Denn für die hat der Stadtentwicklungsausschuss am Montagabend „grünes Licht“ für den Anschlusszwang an das künftige Blockheizkraftwerk gegeben, das wie berichtet auf dem Gelände der angrenzenden Feuerwache entstehen und von den Stadtwerken Ostmünsterland betrieben werden soll.

Denjenigen Bauherren, die ein Grundstück aus privater Hand erworben haben oder noch erwerben, steht der Anschluss an das mit niedriger Temperatur betriebene Nahwärmenetz, das für den Heizbetrieb allein reicht, für die Warmwasserversorgung allerdings einer zusätzlichen Erwärmung bedarf, zwar grundsätzlich frei. Aber: Eine konventionelle Gasheizung werden sie nicht als Alternative in Betracht ziehen können. „Es wird keinen Gasanschluss für private Haushalte geben“, betonte Bürgermeister Grawunder .

Mit der finalen Debatte über die Errichtung des Blockheizkraftwerkes zog der Fachausschuss nun einen Schlussstrich unter die mittlerweile seit gut eineinhalb Jahre währende Diskussion um die nachträgliche Verankerung eines Klimaschutzkonzeptes. Zuvor hatte Constantin Krass von den Stadtwerken die ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte des Systems eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerkes mit „dezentralen Pufferspeichern“ in den angeschlossenen Häusern erläutert. Kosten wird das Projekt demnach insgesamt rund 4,4 Millionen Euro. Einen Großteil davon – rund drei Millionen Euro – wollen sich die Stadtwerke direkt über Fördergelder und über einen Baukostenzuschuss der Häuslebauer zurückholen. Letzterer, rechnete Krass vor, liegt bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus bei rund 11 400 Euro. Bei einem Durchschnittsverbrauch von rund 5850 kw/a kommen danach rund 900 Euro Heizkosten pro Jahr hinzu. Im Vergleich zu anderen Heizmodellen lägen die Einsparungen so zwischen 15 und 30 Prozent, machte Timm den wirtschaftlichen Vorteil deutlich. Die Bindung an die Stadtwerke ist auf zehn Jahre festgelegt.

Neben dem Kostenvorteil und der Tatsache, dass die Privathaushalte künftig weder etwas mit Reparatur, Heizungswartung oder Schornsteinfegerkosten zu tun haben, sei das System trotz herkömmlicher Gasbefeuerung aber auch ökologisch sinnvoll, so Krass. Denn im Vergleich zur Einzelversorgung der Haushalte mit jeweils eigenen Heizsystemen ließen sich durch die zentrale Versorgung im Mittel pro Jahr rund 226 Tonnen CO einsparen.

Vorteile, die Andreas Kurzhals (FDP) nur bedingt gelten lassen wollte. Denn wer heutzutage eine moderne Gasbrennwerttherme mit Solarunterstützung betreibe, der lande am Ende bei etwa den gleichen jährlichen Kosten – ohne langfristige Vertragsbindung und Anschlusszwang, dafür aber mit freier Anbieterwahl. Außerdem, so Kurzhals, habe er erhebliche Bedenken bezüglich des angedachten Zeitfensters. „Zahlreiche Bauherren stehen bereits in den Startlöchern“, so Kurzhals, der daher vorschlug, das Konzept allenfalls im später angedachten zweiten Bauabschnitt umzusetzen, um weitere Verzögerungen bei der anstehenden Erschließung zu vermeiden.

Noch deutlichere Kritik gab es von den Grünen . Denn wer ein Klimaschutzkonzept verlange, der könne bei der Umsetzung kaum auf einen fossilen Energieträger setzen, erklärte Reinhard Weißen. „Es ist ein Armutszeugnis, wenn das Blockheizkraftwerk nicht wenigstens mit regenerativer Energie betrieben wird“, forderte das Grünen-Mitglied. Sein Antrag, einen Teil der benötigten Energie über Geothermie zu erzeugen, wies die Ausschussmehrheit jedoch mit Blick auf die bereits in einer zurückliegenden Sitzung vom Fachbüro Gertec vorgestellte Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie zurück. „Es ist schon ein wenig unverschämt, hier noch einmal diesen Antrag zu stellen“, erklärte Ausschussvorsitzender Markus Wiewel (CDU).

Bürgermeister Carsten Grawunder sieht es im Gegensatz zu den Grünen als „riesen Chance“, das angedachte Nahwärmenetz nun zu installieren. „Auch wenn man nicht sagen kann, dass es das Optimum ist, so sollten wir aber nun trotzdem einsteigen. Ferner besteht die Chance, den Energieträger später zu wechseln“, erklärte Grawunder. „Außerdem ist es nicht so, dass die Betreiber hier Schlange stehen würden. Denn das Ganze birgt ja auch wirtschaftliche Risiken.“

„Es ist schon beeindruckend, wie viel CO wir einsparen“, erklärte Ausschussmitglied Werner Schmidt (CDU). „Wenn es mit einem regenerativen Energieträger funktionieren würde, wäre es natürlich noch besser.“

Man habe, fasste SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Stude zusammen, nun lange genug diskutiert, um die Aspekte „Klimaschutz“ und „Wirtschaftlichkeit“ sorgfältig abzuwägen. „Hier ist nun ein vernünftiger Kompromiss gefunden worden“, war Stude überzeugt. „Wir erzielen eine deutliche CO

Ebenso sah es Georg Feldmann. „Das ist ein sehr ordentlicher Kompromiss“, sagte das CDU-Mitglied. „Außerdem ist es ein offenes System, das atmet“, verwies auch Feldmann darauf, dass eine spätere Umstellung auf einen anderen Energieträger jederzeit möglich sei.

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