Das Image der Sekundarschule
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Drensteinfurt -

„Vorschläge zur Verbesserung der Außendarstellung der Teamschule“: Die sollte eine von der Stadt beauftragte Agentur erarbeiten. Das Ergebnis wurde jetzt im Schulausschuss präsentiert. Manches gefiel, andere Ideen stießen auf weniger Zustimmung.

Samstag, 21.11.2020, 14:48 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 14:50 Uhr
Alleinstellungsmerkmale betonen und mit Vorurteilen aufräumen, das will die Sekundarschule in Zukunft besser tun. Im „SegeL“-Unterricht steht etwa das selbstgesteuerte Lernen im Fokus.
Alleinstellungsmerkmale betonen und mit Vorurteilen aufräumen, das will die Sekundarschule in Zukunft besser tun. Im „SegeL“-Unterricht steht etwa das selbstgesteuerte Lernen im Fokus. Foto: Jeschke

Mit hohen Anmeldezahlen gestartet, hat die Sekundarschule von Jahr zu Jahr an Rückhalt in der Bevölkerung verloren. „Wir wussten alle nicht, woran es liegt, hatten dafür keine Erklärung“, sagte Bürgermeister Carsten Grawunder . Die Stärken der Schule müssten besser herausgestellt werden, so der Gedanke. Wie dies am besten gelingen könnte, sollte eine Agentur herausfinden.

Damit beauftragt worden war Venne Media aus Beelen. Die Firma, die zum ersten Mal eine Schule beriet, hat nach diversen Gesprächen und Workshops einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, der am Donnerstag im Schulausschuss präsentiert wurde. Coronabedingt waren Burkhard Flessa und Michael Venne per Videotelefon zugeschaltet. Ihr „bunter Strauß an Maßnahmen“ umfasst folgende Punkte:

- Die Info-Veranstaltung für Eltern zukünftiger Fünftklässler soll optimiert, besser strukturiert und neutral moderiert werden.

- Zur besseren Identifikation soll in einem Wettbewerb ein neuer Name für die Schule gefunden werden.

In der Folge sollen ein neues Logo, ein Claim und eine Corporate Identity (CI) entwickelt werden.

In einer leicht verständlichen und übersichtlichen Broschüre sollen das Konzept und die Stärken der Schule präsentiert werden.

- Von den Schülern selbst gedrehte kleine Erklär-Videos sollen den Schulalltag transparenter machen und mit Vorurteilen aufräumen.

- In einer Plakat-Kampagne sollen Betriebe und Schüler zu Wort kommen. Die Aussage: „Die Ausbildung an der Teamschule ist etwas wert.“

- Es soll ein großes Schulfest organisiert werden, das den jährlichen „Tag der offenen Tür“ ersetzt oder ergänzt.

- Die Schule soll verstärkt an Wettbewerben teilnehmen, um zu zeigen: Wir sind modern, aber erfolgsorientiert.

- Zusammen mit heimischen Künstlern soll eine Kollektion mit Shirts, Kappen oder Bechern entwickelt werden, die das Logo der Schule trägt und in einer Art „Merchandising on demand“ verkauft wird.

Mitbewerbern keine Plattform bieten

Mit einigen Vorschlägen konnten sich die Ausschussmitglieder durchaus anfreunden, etwa mit der Idee, ehemalige Schüler einzubinden oder – in Corona-Zeiten besonders auf dem Vormarsch – Interessierte über kleine Videos zu erreichen. Auch den Namensfindungsprozess nannte der Bürgermeister „maßgeblich“ und „elementar“. Anderen Schulen bei einer Info-Veranstaltung in Drensteinfurt noch eine Werbeplattform zu bieten, hielt er allerdings für wenig zielführend.

Teresa Michels (FDP) führte an, dass die Schule in Sachen Social Media deutlich mehr tun müsse. Arne Garrels (CDU) warnte indes, dass ein solches Konzept nicht zu einer Marketinghülle verkommen dürfe: „Die Inhalte sind entscheidend. Ich will nicht das Gefühl haben, dass mir etwas verkauft werden soll.“ Und Thomas Kluth (Grüne) betonte: „Wir müssen da ansetzen, wo das Vorurteil besteht, dass wir nicht gut sind.“

T-Shirts, Videos und „Tage der offenen Tür“ gibt es an der Schule auch heute schon. Wie Schulleiterin Anja Sachsenhausen im Gespräch mit unserer Zeitung betont, sind ihr vor allem eine Kommunikationsstrategie wichtig und die Möglichkeit, Dinge wie die Entwicklung eines Layouts oder den Dreh von Imagevideos zu professionalisieren. In dem gebildeten Arbeitsgremium, dem Lehrer, Schüler, Eltern und der Schulträger angehören, sollen nun die nächsten Schritte beschlossen werden.

Kommentar: Zurück in die Herzen

Imagebroschüren, eine Plakat-Kampagne, Merchandising-Artikel: Ist das der große Wurf, um die Akzeptanz für die Sekundarschule in der Bevölkerung zu erhöhen? Mitnichten. Nehmen wir das Beispiel Fußballnationalmannschaft. Mit abgehobenen Claims wie „Die Mannschaft“ und Marketing-technisch auf Hochglanz poliert, hat sich das Team nur weiter von der Basis, den eigenen Fans, entfernt. Das sollte der Schule lieber nicht passieren. Wie man die Herzen zurückerobern kann? Mit einem geschlossenen, selbstbewussten Auftreten – da kann ein neuer Name zur besseren Identifikation beitragen. Und natürlich mit guten Ergebnissen. Die kann die Teamschule aber schon jetzt vorweisen. Sie hat etwa bei der Qualitätsanalyse NRW 2017 Bestnoten erzielt. Solche Erfolge müssen eben noch besser „verkauft“ werden. Eine gute Idee ist es hingegen, die zu Wort kommen zu lassen, die selbst an der Schule ausgebildet wurden: die Ehemaligen. Sie können am besten vermitteln, ob sie an der Teamschule „was fürs Leben“ gelernt haben. Sie können erklären, was so besonders ist am Lernkonzept und was die Schule von anderen unterscheidet. Große Plakate und zwölfseitige Broschüren braucht es da gar nicht. (ne)

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