Norbert Roling stellt neues Buch vor
Wer waren die alten Drensteinfurter?

Drensteinfurt -

Wie haben die Menschen vor mehreren Jahrhunderten in Drensteinfurt gelebt? Das wollte Norbert Roling wissen – und hat dazu mehrere Jahre lang vor allem in alten Steuerlisten geforscht. Nun stellte er das Ergebnis seiner Recherche in Buchform vor.

Samstag, 12.12.2020, 14:37 Uhr aktualisiert: 12.12.2020, 14:40 Uhr
In seinem neuen Buch beleuchtet Norbert Roling, wer in der Stadt und in den Bauerschaft vom 16. bis 18. Jahr gelebt hat.
In seinem neuen Buch beleuchtet Norbert Roling, wer in der Stadt und in den Bauerschaft vom 16. bis 18. Jahr gelebt hat. Foto: Gunnar A. Pier

Wer waren eigentlich die Frauen und Männer in Drensteinfurt in früheren Jahrhunderten? Wer waren die Familien, die Mägde, die Knechte, die Bauern, Handwerker, Kaufleute? Antworten auf diese Fragen, die den Zeitraum von 1498 bis 1803 betreffen, gibt Norbert Roling nun in seinem neuen, im Aschendorff-Verlag erschienenen Buch.

Steuern mussten auch schon im 16. bis 18. Jahrhundert bezahlt werden. Viele Steuerlisten sind in den Archiven erhalten geblieben. Sie wurden die wichtigsten Quellen für Nobert Rolings Personenlisten, die sich in seinem Buch wiederfinden.

Für den Autor fing alles damit an, dass er über die Vorfahren seiner Eltern mehr wissen wollte. Daraus entstand schließlich nach vierjähriger Arbeit ein großes Nachschlagewerk für alle, die sich für diejenigen Drensteinfurter Personen interessieren, die vor über 200 Jahren lebten. „Das Buch als Teil eins lässt einen Folgeteil zwei erwarten, der die Drensteinfurter Personen des 19. und 20. Jahrhunderts nennen soll“, heißt es dazu in der Mitteilung der Stadt.

Wer Drensteinfurt kennt oder kennenlernen will, findet in dem Buch bis heute bekannte Drensteinfurter Namen wieder. In zeitlich aufeinander folgenden Listen ab 1498 präsentiert Norbert Roling die Drensteinfurter Personen aus dem „Wigbold“ (später Stadt) und aus den sechs Bauerschaften Natorp, Averdung, Eickendorf, Mersch, Rieth und Ossenbeck. „Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Stadt und Land werden sichtbar. Während in der Stadt eher die kleinen Leute lebten, findet sich in den umliegenden Bauerschaften ein Spektrum von wohlhabenden Bauern mit hohem Steueraufkommen bis zu wenigen Armen“, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung weiter. „Und auch die große Politik wird sichtbar, denn die Zeitläufe wirkten sich auch lokal aus. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 sei für manche katastrophal gewesen, etwa wenn der Hof durch Brandschatzung verloren gegangen war. Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 hat ebenfalls Existenzen zerstört.“

Neben dramatischen Entwicklungen fallen auch Neuerungen auf, die Gutes bewirkten, so zum Beispiel die gesetzliche Verpflichtung von 1769, der landesweit neu geschaffenen Feuerversicherung beizutreten. Hierdurch erhielten alle Häuser erstmals eine Nummer.

Zusätzlich zu den zahlreichen Steuerlisten sind in dem Buch auch weitere Personen- und Abgabenlisten enthalten. Dazu gehören insbesondere die wenigen Gesamtlisten der Bevölkerung für einzelne Jahre. Diese nennen auch alle Kinder und im Haushalt mitwohnenden Bediensteten. „Es wird sehr deutlich, dass auch Kinder schon arbeiten und Geld verdienen mussten. Das Arbeitsleben begann für die meisten im Kindesalter, oft unter zwölf Jahren“, heißt es weiter. „Bewegend sind Schicksale, so die Nennung junger Witwen, junger Witwer. Einmal werden für den großen Hof Suthoff in Ossenbeck nur Personen unter 30 Jahren genannt. Der Hofinhaber war 19 und frisch verheiratet. Kurz vorher müssen wohl alle älteren Bewohner des Hofes gestorben sein“, so die Stadt.

„Norbert Roling ist es gelungen, die Listen auch dank der übersichtlichen Gestaltung zum Sprechen zu bringen. Vielen Tabellen und Listen hat er, wenn dies erforderlich war, Erklärungen vorangestellt. Mit verschiedenen Interessen, ob zum Schmökern oder zum Weiterforschen, wird man das Buch gern zur Hand nehmen,“ sagt Bürgermeister Carsten Grawunder über das neue Werk. „Unser Dank gilt dem Autor und seinen Unterstützern für dieses bedeutende Ergebnis akribischer jahrelanger Arbeit. Vielleicht kann es auch anderen als Ansporn dienen, Ähnliches für ihren Ort, für ihre Stadt zu erarbeiten und zu veröffentlichen,“ so der Bürgermeister weiter, der sich schon auf den zweiten freut.

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