Schach-Training findet online statt
„Das Gesellige fehlt“

Drensteinfurt -

Die Corona-Pandemie trifft auch die Vereinswelt hart. An einen normalen Spiel- und Sportbetrieb ist vielerorts seit Monaten nicht zu denken. Das gilt auch für die Drensteinfurter Schachfreunde. Sie setzen angesichts der anhaltenden Kontaktbeschränkungen auf Online-Spieltage.

Mittwoch, 30.12.2020, 11:12 Uhr aktualisiert: 30.12.2020, 11:20 Uhr
Im Sommer konnte man den Pandemie-Einschränkungen noch mittels Open-Air-Vereinsabenden begegnen. Eine Fortsetzung des Liga-Betriebs ist nach wie vor nicht in Sicht.
Im Sommer konnte man den Pandemie-Einschränkungen noch mittels Open-Air-Vereinsabenden begegnen. Eine Fortsetzung des Liga-Betriebs ist nach wie vor nicht in Sicht. Foto: Verein

Der Lockdown schränkt auch das Vereinsleben der Schachfreunde Drensteinfurt stark ein. Für die Kinder und Jugendlichen bietet der Club, der trotz der Pandemie keine Mitglieder verloren hat, momentan Online-Training an. Um die Zwangspause zu überbrücken, nehmen einige an einer „Quarantäne-Liga“ teil.

„Das ganze Gesellige fehlt total“, sagt Daniel Tillkorn , der zweite Vorsitzende der Schachfreunde. „Gerade die etwas Älteren kommen freitags zum Vereinsabend, damit sie mit anderen Kontakt haben und reden können. Und das kannst du beim Schachspielen ganz gut – wenn es um nichts geht“. Die Treffen im Kulturbahnhof fehlen nun. Und Tillkorn befürchtet, dass es vor März nicht weitergehen wird.

Im vergangenen März waren mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie auch das Vereinsleben und die Saison zum Erliegen gekommen. Das letzte Spiel der ersten Mannschaft in der Bezirksklasse Münster war am 29. Februar, also vor mehr als neun Monaten. Bernd Broeck­mann (Vorsitzender aus Hamm), Yannic Bröker, Daniel Tillkorn, Marco Theisinger, Joachim Bars, Paul Fischer, Christophe Revaux und Johann Dik gewannen 6:2 gegen die Drittvertretung der SF Beelen. Die für Ende März geplante Partie bei der viertplatzierten SG Nordkirchen und das letzte Saisonspiel gegen „Zug um Zug Everswinkel“, das für Mitte Mai angesetzt war, fielen aus. „Die Spiele wurden komplett ausgesetzt“, sagt Tillkorn. Abgebrochen wurde die Saison allerdings nicht, nur unterbrochen. Die beiden letzten Spieltage sollen ein Jahr später als ursprünglich geplant von März bis Mai 2021 nachgeholt werden, damit die nächste Saison pünktlich im September beginnen kann. „Aber ob es was wird, das steht alles in den Sternen.“

In der Tabelle liegt Drensteinfurt hinter dem ASV Senden als Zweiter mit fünf Siegen und zwei Niederlagen auf einem Aufstiegsplatz. Der SK Ostbevern/Westbevern sitzt den Schachfreunden mit einem halben Brettpunkt Rückstand im Nacken. Der vorletzte Gegner Nordkirchen hat zwei Mannschaftspunkte weniger und ist damit auch noch in der Verlosung. Der Aufstieg in die Bezirksliga sei ganz klar das Ziel, sagt Tillkorn. „Das hatten wir schon vor der Saison ausgegeben.“ Allerdings werde es kein Selbstläufer.

Was die Verantwortlichen freut: „Wir haben ein paar Neuzugänge, auch zwei richtig starke aus Sendenhorst“, berichtet Tillkorn. Neben André Fleischmann spielt Maurice Prokscha künftig für Drensteinfurt. „Ein starker Jugendlicher. Das wird ein Guter“, sagt Tillkorn über Prokscha. Ärgerlich sei, dass beide in den entscheidenden Begegnungen noch nicht mitspielen dürfen. „Und dann gibt es noch andere, die sich dafür interessieren, bei uns zu spielen“, sagt Tillkorn, der als Regionalleiter der Schule für Musik im Kreis Warendorf tätig ist.

Lediglich die U 20 hatte die Saison 2019/20 beendet und wurde hinter dem SK Münster II Vizemeister in der Verbandsjugendliga – mit sechs Siegen und nur einer Niederlage. Finn Röser, Anton Lozbin, Arne und Erik Saphörster, Moritz Tillkorn, Leon Wehrwein, Henri Breitscheid, Johann Borgmann und Levin Schürmann waren im Einsatz.

Für positive Schlagzeilen sorgten zu Beginn des Jahres aber nicht nur die erste Mannschaft und die U 20. Die U 12 der Schachfreunde wurde mit Trainer Broeckmann Verbandsmeister. Völlig überraschend setzten sich die jungen Stewwerter Moritz Tillkorn, Henri Breitscheid, Johann Borgmann und Levin Schürmann im heimischen Kulturbahnhof gegen die Konkurrenz durch und qualifizierten sich für die NRW-Meisterschaften, die im März in Dortmund stattfinden sollten. „Die sind komplett ausgefallen. Es ist noch nicht klar, ob es eventuell online nachgeholt wird. Irgendeine Lösung müssen sie finden“, sagt Tillkorn.

Sein zwölfjähriger Sohn Moritz hatte sich darüber hinaus als Einzelvizeverbandsmeister für die NRW-Meisterschaften qualifiziert. Und die haben im Sommer in der Stadthalle Hiltrup stattgefunden – als Schnellschachturnier an einem Tag. Moritz habe dabei auf jeden Fall Erfahrungen gesammelt.

Die Zeit zwischen den verschärften Maßnahmen überbrückte der Verein mit Open-Air-Schach. „Solange das Wetter es zuließ, haben wir draußen gespielt.“ Als es zu kalt wurde, kehrten die Schachfreunde kurzzeitig in die Räume des Kulturbahnhofes zurück. „Im Jugendtreff konnten wir uns schön verteilen“, sagt Tillkorn. „Wir haben bis zu den Herbstferien jeden Freitag genutzt, den wir kriegen konnten, und dann war Feierabend.“

Aktuell bieten die Schachfreunde für die Kinder und Jugendlichen als Abwechslung zum Alltag jeden Dienstag ein Online-Training an. „Und wir spielen zurzeit auf einem Schach-Server eine ,Quarantäne-Liga‘. Daran darf jeder teilnehmen, der Lust hat. Du kannst dir den Verein, für den du spielen möchtest, aussuchen“, sagt Tillkorn. Auf- und Abstieg gibt es auch. „Wir sind in der untersten Liga angefangen, in der 15. Liga.“ Absolviert werden Schnellschachpartien mit wenigen Minuten Bedenkzeit. „Zwei Mal die Woche donnerstag- und sonntagabends. Man muss nur mitspielen, wenn man Zeit und Lust hat.“

Erfreulich ist aus Sicht von Daniel Tillkorn und seiner Vorstandskollegen, dass der Verein weiterhin etwa 50 Mitglieder zählt. Trotz der Pandemie ist die Zahl nicht zurückgegangen.

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