Projekt des Heimatvereins im Baugebiet Berthas Halde
Ein schmuckes Heim für Schwalben

Drensteinfurt -

Der Natur- und Landschaftsschutz ist in der Satzung der Heimatfreunde fest verankert. Nun hat der Verein auf diesem Gebiet ein größeres Projekt ins Auge gefasst. Am Eingang zum Baugebiet Berthas Halde soll ein fünfeinhalb Meter hohes Schwalbenhaus aufgestellt werden.

Mittwoch, 03.02.2021, 07:19 Uhr
Dort, wo das gelbe Kreuz aufgesprüht wurde, soll es hin, das Schwalbenhaus. Das haben die Heimatfreunde Günter Neuer, Hubert Berners, Holger Martsch und Franz-Josef Naber (v.l.) mit Thomas Schlüter vom städtischen Bauhof besprochen.
Dort, wo das gelbe Kreuz aufgesprüht wurde, soll es hin, das Schwalbenhaus. Das haben die Heimatfreunde Günter Neuer, Hubert Berners, Holger Martsch und Franz-Josef Naber (v.l.) mit Thomas Schlüter vom städtischen Bauhof besprochen. Foto: Nicole Evering

Der Heimatverein hat unzählige Arbeitskreise. Einer befasst sich mit dem Thema Denkmalpflege, ein anderer mit der plattdeutschen Sprache, ein weiterer mit der Historie ehemaliger Gaststätten in Stewwert. Und auch das Thema Natur- und Landschaftsschutz ist in der Satzung der Heimatfreunde fest verankert. Nun sei es laut Vorsitzendem Franz-Josef Naber mal Zeit gewesen, auf diesem Gebiet ein größeres Projekt zu realisieren.

Beim Stöbern im Netz ist Naber auf die Möglichkeit gestoßen, etwas für die hier lebenden Schwalben zu tun. Deren Bestand nehme dramatisch ab, erklärt er, was zum einen mit fehlender Nahrung, zum anderen mit einem Mangel an Nistmöglichkeiten zusammenhänge. Ein Grund: Wegen des ätzenden Kots werden die Nester durch Hausbesitzer häufig entfernt. Die Idee, hier gegenzusteuern, war geboren. Ein Schwalbenhaus soll aufgestellt werden und den Vögeln als Brutstätte dienen.

Voraussetzung sei natürlich gewesen, erklärt Vereinsmitglied Holger Martsch , dass es in der Stadt schon ein Mehlschwalben-Vorkommen gibt. Dies ist sogar an zwei Stellen der Fall. Eine Kolonie lebt mitten in der Innenstadt und hat sich ihre Nester vorwiegend unterm Dach des Modehauses Cruse in der Wagenfeldstraße gebaut. Dort wäre das Aufstellen des Schwalbenhauses platztechnisch allerdings schwierig geworden. Deshalb ist der Verein ins Baugebiet Berthas Halde ausgewichen. Denn auch dort haben sich die Zugvögel unter den Dachüberständen einiger Neubauten angesiedelt.

Am Kreisel Lindenweg/Efeuweg

Derzeit verbringen die Tiere ihren „Winterurlaub“ in südlicheren Gefilden. Ende März, Anfang April aber werden sie zum Brüten nach Drensteinfurt zurückkehren. Und bis dahin soll auch ihre neue Behausung stehen. Die wird etwa fünfeinhalb Meter hoch sein und auf der Wiese am kleinen Kreisel Lindenweg/Efeuweg installiert. Wegen der besseren Standfestigkeit muss der Sockel einbetoniert werden. Das Häuschen selbst soll sechseckig sein und Platz für etwa 40 Nester bieten. Möglicherweise sollen auch noch Nistmöglichkeiten für Fledermäuse und Höhlenbrüter wie Meise und Sperling darin untergebracht werden. Über die genaue Ausstattung spricht der Verein aktuell noch mit der Herstellerfirma, die derzeit rund 20 solcher Projekte in ganz Deutschland betreut.

Rund 10 000 Euro wird es kosten, das Schwalbenhaus aufzustellen. Doch die Vereinskasse ist angesichts des veranstaltungsarmen Jahres 2020 recht gut gefüllt. Auch mit diversen Sponsoren sind die umtriebigen Heimatfreunde bereits im Gespräch.

Ein großes Dankeschön, betont Franz-Josef Naber abschließend, gehe an die Stadtverwaltung für die gute Zusammenarbeit. Sowohl Christoph Britten vom Bauamt als auch Thomas Schlüter vom Bauhof hätten von Anfang an Entgegenkommen signalisiert. Schnell war somit auch der richtige Platz für das schmucke Schwalbenhaus gefunden. Wenn es dann in einigen Wochen steht, müssen die Vögel bloß noch einziehen.

Die Mehlschwalbe

Auf seiner Homepage beschreibt der Nabu die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) so: „Sie gehört zum typischen Bild und auch zur Geräuschkulisse der ländlicheren Umgebung. Da sie ihre Nester direkt an Felswänden oder höheren Gebäuden baut, ist sie eher in Kleinstädten unterwegs als in der offenen Landschaft. Im Herbst brechen Mehlschwalben nach Afrika auf, im Frühjahr geht es zurück ins Brutgebiet. Mehlschwalben brüten in Kolonien. Ihre Nester bauen sie als kunstvolle Lehmkugeln an Gebäuden unterm Dach oder an Felswänden in Nischen. Fliegen, Mücken und Blattläuse zählen zu ihrer Nahrung. Ihr Bestand geht stetig zurück. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: die illegale Zerstörung von Nestern, Vergrämungsmaßnahmen an Häusern sowie Insektenschwund. Die moderne Architektur macht es Schwalben unmöglich, ihre Nester zu bauen.“

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