Nahwärmeversorgung im Baugebiet Mondscheinweg
Mehr Fördermittel dank Biomethan

Drensteinfurt -

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt wird sich am Montag abermals mit dem geplanten Energiekonzept für das Baugebiet Mondscheinweg beschäftigen müssen. Hintergrund sind geänderte Förderrichtlinien für Bauwillige, die einen höheren Einsatz regenerativen Energien bedingen.

Freitag, 19.02.2021, 06:07 Uhr aktualisiert: 19.02.2021, 06:10 Uhr
Dort, wo schon bald die Bagger rollen werden, trotzt derzeit noch dieser einsame Baum der zuletzt strengen Witterung. Wie das künftige Baugebiet Mondscheinweg mit Wärme versorgt wird, steht am kommenden Montag abermals auf der Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt.
Dort, wo schon bald die Bagger rollen werden, trotzt derzeit noch dieser einsame Baum der zuletzt strengen Witterung. Wie das künftige Baugebiet Mondscheinweg mit Wärme versorgt wird, steht am kommenden Montag abermals auf der Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt. Foto: Dietmar Jeschke

Nachdem das „Paket“ mit Namen „Baugebiet Mondscheinweg“ nun bereits zwei Mal fest verschnürt und damit „versandfertig“ gewesen ist, wird es am Montag nun ein drittes Mal aufgezurrt und in wesentlichen Teilen neu sortiert. Grund dafür ist allerdings kein neuerlicher politischer Antrag auf Nachbesserung in Sachen Energieversorgung. Anlass für die anstehende Debatte im Stadtentwicklungsausschuss am Montag (22. Februar) sind vielmehr geänderte Förderrichtlinien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die für angehende Häuslebauer spürbare Auswirkungen haben könnten.

Bis zu 26 250 Euro Tilgungszuschuss

Wie Bauamtsleiter Christoph Britten in der Vorlage zur Sitzung erläutert, plane der Fördergeber eine stärkere Prämierung von erneuerbaren Rohstoffen beim Hausbau und bei der Wärmeversorgung. „Das bedeutet, der Einsatz von effizienten Heizungstechniken auf Basis erneuerbarer Energien soll künftig besonders gefördert werden. Demnach sollen mindestens 55 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien stammen“, so Britten. „Dafür werden sogenannte ,Effizienzhaus EE-Boni‘ bei den Förderbeträgen im Neubau eingeführt.“

Für ein Einfamilienhaus, das im energetischen Standard KfW-55 errichtet wird, könne demnach von der KfW ein zinsgünstiges Darlehn in Höhe von 120 000 Euro und ein Tilgungskostenzuschuss von 15 Prozent (18 000 Euro) gewährt werden. Ein Haus, das dem neuen Standard „Effizienzhaus 55 EE“ entspricht, werde dagegen mit einem Kredit von 150 000 Euro und einem Tilgungskostenzuschuss von 17,5 Prozent (26 250 Euro) gefördert. „Der einzige Unterschied des Effizienzhauses 55 EE zum KfW-55-Haus besteht darin, dass beim EE-Haus die Heizenergie zu mindestens 55 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt“, so Britten weiter. Doch genau in dieser Quote liegt das Problem. Das geplante und für mindestens 70 Prozent der Bauherren im Baugebiet Mondscheinweg – diese Quote an Grundstücken veräußert die Stadt im Rahmen des kommunalen Bodenmanagements – mit Anschlusszwang versehene Nahwärmenetz würde den Wert nicht erreichen, wenn es die Wärme wie bislang geplant allein mit zwei erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerken gewinnen würde. Weshalb nun geprüft worden ist, wie sich die Förderbedingungen trotzdem erfüllen lassen.

Erdwärme oder Wärmepumpe und Biomethan

Option Nummer eins: die Schaffung einer – von den Mitgliedern der Grünen bereits während der letzten Debatte mit Nachdruck geforderten – zusätzlichen Erdwärmelösung. Die allerdings wäre mit weiteren Investitionen zwischen 500 000 und 700 000 Euro verbunden, die in die spätere Gebührenkalkulation einfließen würden.

Die Stadtwerke schlagen daher eine andere – und vor allem erheblich günstigere – Lösung vor. Einerseits könne eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die teilweise mit dem Strom der Blockheizkraftwerke betrieben wird, in der warmen Jahreszeit recht effektiv die Versorgung der Gebäude mit heißem Brauch- und Trinkwasser leisten und damit aufs Jahr bezogen mindestens 20 Prozent der gesamten Wärmeerzeugung des Heizwerkes über Umweltwärme übernehmen. Weiterhin könne in den Blockheizkraftwerken statt Erdgas auch Biomethan zur Energiegewinnung genutzt werden, das jedoch bislang deutlich teurer als Erdgas ist.

Anschluss kostet 15000 Euro

Nach Berechnungen der Stadtwerke belaufen sich die Investitionen für die beschriebene zentrale Kombi-Lösung aus Erdgas, Biomethan und Wärmepumpe für ein durchschnittliches Einfamilienhaus auf etwa 15 000 Euro – rund 3000 Euro mehr, als die erst im November beschlossene reine Energieversorgung mittels Erdgas-Heizkraftwerk. Der Preis für den Wärmebezug beläuft sich nach derzeitiger Berechnung bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 5850 kW/h auf rund 1050 Euro im Jahr. Viel Geld? Darauf hat Bauamtsleiter Christoph Britten eine klare Antwort: „Auch das geänderte System der Wärmegewinnung ist langfristig betrachtet noch immer kostengünstiger als andere Heizungssysteme.“dje

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