Drensteinfurt bald ohne Drogeriemarkt
„Ihr Platz“ schließt Ende April

Drensteinfurt -

Am 30. April wird der „Ihr Platz“ zum letzten Mal die Türen für seine Kunden öffnen. Nach knapp acht Jahren hat sich Geschäftsführerin Martina Lammersmann schweren Herzens dazu entschlossen, den Betrieb mitten in der Innenstadt aufzugeben. Drensteinfurt steht plötzlich ohne Drogeriemarkt da.

Montag, 22.02.2021, 16:00 Uhr
Nur noch bis Ende April wird der „Ihr Platz“ an der Mühlenstraße seine Türen geöffnet haben.
Nur noch bis Ende April wird der „Ihr Platz“ an der Mühlenstraße seine Türen geöffnet haben. Foto: Nicole Evering

„Es rechnet sich einfach nicht“, sagt Lammersmann , die auch Vorsitzende der örtlichen Werbegemeinschaft ist. Nach der „Schlecker“-Pleite 2012 hatte die Familie Gaßmöller, der das Gebäude an der Mühlenstraße gehört, im Frühling 2013 den „Ihr Platz“ als Franchisenehmer eröffnet. „Das war uns einfach wichtig, auch um Frequenz in die Innenstadt zu holen“, erklärt Lammersmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Man habe, zusammen mit einem engagierten Team um Marktleiterin Petra Korthues, sehr für den Laden gekämpft. „Wir waren mit Herzblut dabei. Es war unser Baby“, sagt die Geschäftsführerin wehmütig. Doch irgendwann sei man mit all seinem Idealismus schlichtweg am Ende. „Wir haben Jahr für Jahr Geld in den Betrieb gesteckt.“

Zwar hätten sich die Umsätze gerade in der Corona-Pandemie positiv entwickelt, aber die Geschäftsführerin geht davon aus, dass die Kaufkraft schnell wieder in die größeren Städte abfließt, sobald es weitere Lockerungen gibt. Nun sei die endgültige Entscheidung gegen den Weiterbetrieb gefallen. „Was soll man machen, wenn die Menschen das Angebot nicht annehmen?“ Sie werde versuchen, so Lammersmann, das Team – zu diesem gehören zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte, ein Azubi sowie zwei Aushilfen – bei der Suche nach neuen Jobs zu unterstützen. Die derzeitige Auszubildende etwa werde in der „Ihr Platz“-Filiale in Sendenhorst weiterbeschäftigt. Das Gebäude an der Mühlenstraße soll verkauft werden. Details zum Käufer und dessen Plänen wollte Lammersmann nicht bekanntgeben.

Einzelhandels- und Zentrenkonzept

Das Drogeriemarkt-Thema treibt Drensteinfurt nun schon seit einem guten Jahrzehnt um. Immer wieder hatte es Bestrebungen gegeben, größere Anbieter wie etwa „dm“ oder Rossmann in die Wersestadt zu holen. Als Standorte im Gespräch waren damals unter anderem die Kleiststraße und das Bahnhofsumfeld. Doch das vom Rat beschlossene „Einzelhandels- und Zentrenkonzept“ schließt den Verkauf von „innenstadtrelevanten Sortimenten“ an den Gewerbestandorten in Randlage bislang aus. Auf Bauvoranfragen von Eigentümern hatte die Stadt damals mit einer Veränderungssperre reagiert, um zunächst alle Möglichkeiten zum „Schutz der Innenstadt“ ausloten zu können. Durch die „Ihr Platz“-Eröffnung war dann vorerst etwas Ruhe in die Diskussion eingekehrt. Damit dürfte es nun allerdings vorbei sein.

Bürgermeister Carsten Grawunder würde sich an dieser prägnanten Stelle an der Mühlenstraße auch weiterhin eine gewerbliche Nutzung wünschen. „Meiner Ansicht nach wäre das eine ideale Lage für ein gastronomisches Angebot“, findet das Stadtoberhaupt. Man müsse nun allerdings abwarten, welche Pläne der Käufer für die Nachnutzung habe. Darüber hinaus brauche eine Stadt wie Drensteinfurt eine Drogerie, sagt Grawunder. Doch mangele es aktuell an einem für Unternehmen attraktiven Standort. Um ein Angebot außerhalb des Innenstadt-Bereiches überhaupt möglich zu machen, müsste zunächst das „Einzelhandels- und Zentrenkonzept“ fortgeschrieben werden. Diesbezügliche Gespräche mit der Bezirksregierung Münster waren coronabedingt aufgeschoben worden. Doch nun bekomme das Thema durch die „Ihr Platz“-Schließung eine neue zeitliche Dringlichkeit, so der Bürgermeister.

Rossmann will nach Ascheberg

Er würde das Konzept gar nicht notwendigerweise inhaltlich verändern wollen. Vielmehr sei durch die gewachsene Bevölkerung und die Ausdehnung der Stadt in der Fläche mittlerweile ein anderer Zuschnitt, eine andere Verortung des Innenstadtbereiches notwendig. Dann sei auch eine Entwicklung in Richtung Kleiststraße/Blumenstraße oder Bahnhof denkbar. Gespräche mit potenziellen Anbietern seien in einem nächsten Schritt auch Sache der städtischen Wirtschaftsförderung. Allerdings: Erst vor wenigen Monaten hatte Rossmann bestätigt, sich in der Nachbarstadt Ascheberg ansiedeln zu wollen. Dieses Vorhaben ist an die Eröffnung eines „Hit“-Marktes geknüpft. Der entsprechende Bebauungsplan soll voraussichtlich in dieser Woche beschlossen werden. Konkurrent „dm“ habe bisher die Maßgabe verfolgt, so Grawunder, keine Filialen in Städten unter 20 000 Einwohnern zu betreiben. Stellt sich die Frage, welche andere Möglichkeit es überhaupt geben könnte, eine Drogerie nach Stewwert zu holen . . .

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