Geschlossene Gastronomie und Fitnessstudios
Maßnahmen sind „nicht mehr logisch“

Drensteinfurt -

Seit fast fünf Monaten sind Kneipen und Fitnessstudios geschlossen. Was zu Beginn des zweiten Lockdowns noch für jeden nachvollziehbar war, stößt einigen Betreibern und Pächtern mittlerweile sauer auf. Sie fordern, lokale Gegebenheiten besser zu berücksichtigen und Maßnahmen anzupassen.

Dienstag, 23.03.2021, 07:51 Uhr aktualisiert: 23.03.2021, 08:00 Uhr
Ulla Klimas (Schlossbistro), Sven Feseler (Hammer Poat), Shafiq Ibrahimi (Fitnesscenter) und Vera Igelbrink (Wellness Oase, v.l.) halten die Schließung ihrer Betriebe für ungerechtfertigt.
Ulla Klimas (Schlossbistro), Sven Feseler (Hammer Poat), Shafiq Ibrahimi (Fitnesscenter) und Vera Igelbrink (Wellness Oase, v.l.) halten die Schließung ihrer Betriebe für ungerechtfertigt. Foto: -sre-

„Es reicht“, sagt Ulla Klimas vom Schlossbistro und spricht dabei stellvertretend für Vera Igelbrink , Inhaberin der Wellness Oase, Shafiq Ibrahimi, Betreiber des Fitnesscenters, und Sven Feseler, Wirt des Hammer Poat. Angesichts der konstanten Zahlen in Stewwert und eines extrem niedrigen Inzidenzwertes, der zwischenzeitlich sogar bei null lag, sei eine Öffnung die einzig richtige Konsequenz.

„Wir müssen jetzt Zeichen setzen“, betont Ulla Klimas, die nicht mehr bereit ist, alle Anordnungen des Landes kommentarlos hinzunehmen. „Wie lange sollen wir denn noch geschlossen haben?“, fragt sie. Warum entscheide das Land für alle gleich, unabhängig von den lokalen Gegebenheiten?

„Corona ist für mich Politik“, macht Shafik Ibrahimi seinem Unmut Luft. Seine Forderung ist ganz klar: „Wir wollen leben, arbeiten, ein Bierchen trinken, Sport machen, kurz: unsere Freiheit wiederhaben.“ Dem Betreiber des Studios an der Raiffeisenstraße geht es nicht um Corona-Hilfen. „Ich schaffe das noch einige Zeit alleine, aber unzählige andere nicht“, sagt er. Dabei zieht er keine Mitgliedsbeiträge ein, bezahlt aber seine Angestellten. Für ihn bedeutet das monatliche Kosten von 22 000 Euro. „Viele Unternehmer werden pleite gehen“, prognostiziert er.

In Scharen nach Mallorca

„Es ist kein Ende in Sicht“, blickt Sven Feseler wenig optimistisch in die Zukunft. Der Wirt versteht die Welt nicht mehr. Während seine Kneipe geschlossen bleibt, fahren die Deutschen in Scharen nach Mallorca und geben ihr Geld dort in der Gastronomie aus. „Das ist die Krönung, für uns ist das bitter“, sagt er frustriert.

Vera Igelbrink spricht von perfekten Hygienekonzepten, Luftfilteranlagen und der Möglichkeit einer lückenlosen Kontaktnachverfolgung, sowohl in den Gaststätten als auch in den Fitnessstudios. „Wir erfüllen sämtliche Vorschriften“, versichert sie. Sport sieht sie als Medikament ohne Nebenwirkungen. Besonders Diabetiker, Herz-Kreislauf-Kranke, aber auch Gesunde profitierten von der sportlichen Aktivität. Ebenso wichtig sei es für eine gesunde Psyche, sich abends auf ein Bierchen treffen zu dürfen.

Vera Igelbrink hat in diesen Tagen noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Während Fitnessstudios für den normalen Sport geschlossen bleiben, sind Physiotherapie und Bewegung an Geräten auf ärztliche Anordnung hin erlaubt. Das bedeutet für sie zwei Probleme. Da sie mit diesem Angebot zu 30 Prozent ausgelastet ist, stehen ihr keine staatlichen Hilfen zu. „Das Geld, das ich einnehme, reicht aber noch nicht einmal für die Kredite“, sagt Igelbrink. Ebenso schlimm erlebe sie die Sorge mancher „wohlmeinender“ Mitmenschen. Rechnet man die Angestellten und die Berechtigten zusammen, dann stehen einige Autos auf dem Parkplatz vor der Wellness Oase. Das habe dazu geführt, dass nach Hinweisen aus der Bevölkerung die Polizei vor Ort aufgelaufen sei. „Vier Polizisten, total bewaffnet, sind gekommen und haben alles kontrolliert“, berichtet sie. Das sei erschreckend gewesen, für sie und für ihre Kunden. Gefunden worden sei nichts. Auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die regelmäßig kontrollierten, hätten nichts zu beanstanden gehabt.

„Zeit für Normalität“

Mit einem Schreiben hat sich Ulla Klimas jetzt an die Medien gewandt und auch um ein Gespräch mit dem Bürgermeister gebeten. „Wenn einzelne Bürgermeister gegen den Willen des Landes die Schulen schließen möchten, darf man auch umgekehrt darüber nachdenken. Es ist jetzt endlich wieder Zeit für Normalität“, sagt sie unverblümt.

Mittlerweile seien die Maßnahmen nicht mehr logisch. In Bussen und Bahnen sitze man dicht an dicht, Kontaktnachverfolgung gebe es dort ebenso wenig wie in Lebensmittelgeschäften und Gartencentern. „Das ist unverständlich“, findet Klimas. An vielen Stellen werde getestet. „Wird sehr viel getestet, steigen auch die Zahlen“, ist sie überzeugt.

Die Maßnahmen müssten überdacht werden, meint auch Vera Igelbrink. Ein gutes Hygienekonzept alleine reiche aber nicht aus. „Die Bürger müssen sich auch daran halten, und das tun sie in Drensteinfurt vorbildlich.“

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