Ingenieurbüro stellt Parkraumgutachten vor
In Spitzenzeiten fehlen Plätze

Drensteinfurt -

Das zahlenmäßige Ergebnisse dürfte etliche Autofahrer nicht überraschen: In Spitzenzeiten fehlen in der Drensteinfurter Innenstadt Parkplätze. Mit der Konsequenz, dass keine zusätzlichen Plätze geschaffen, sondern bestehende reduziert werden sollten, meint das Gutachterbüro.

Donnerstag, 29.04.2021, 05:16 Uhr aktualisiert: 29.04.2021, 05:20 Uhr
Die Parkzeit im zentralen Innenstadtbereich ist auf zwei Stunden begrenzt. Aber viele Autofahrer halten sich nicht daran, wie das Ingenieurbüro NTS festgestellt hat.
Die Parkzeit im zentralen Innenstadtbereich ist auf zwei Stunden begrenzt. Aber viele Autofahrer halten sich nicht daran, wie das Ingenieurbüro NTS festgestellt hat. Foto: Dietmar Jeschke

Donnerstagmorgen in der Innenstadt. Auf dem Markt ist Markt – und schon recht früh gut etwas los. Ein kurzer Blick auf den Sparkassenparkplatz – voll. Rechts herum in die Mühlenstraße – alles belegt. Kirchplatz, Kurze Straße, Alte Post und Wagenfeldstraße? Gleichfalls kein einziger freier Stellplatz. Kurz: Nächste Runde und weitersuchen.

So oder ähnlich dürfte es zur berühmten „Stoßzeit“ am Wochenmarkttag schon mancher Autofahrer erlebt haben. Gibt es in Drensteinfurt zu wenig Parkplätze? Und wenn ja, wo könnten vielleicht zusätzliche geschaffen werden? Das wollte die FDP-Fraktion wissen und hatte dazu bereits vor gut zwei Jahren ein entsprechendes Gutachten beantragt. Das stellte nun Olaf Timm vom Ingenieurbüro NTS den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses am Montagabend vor.

Insgesamt, erläuterte Timm, gebe es im zentralen Innenstadtbereich 914 Stellplätze, von denen sich allerdings 414 in Privatbesitz befinden. Nur 257 gelten als öffentlich und 166 als „halböffentlich“ – wie etwa die eingangs erwähnten Stellplätze auf dem Sparkassengelände. Im Juni vergangenen Jahres hatten sich Mitarbeiter des Büros NTS auf den Weg gemacht, um deren Auslastung zu prüfen. Das allerdings nicht an einem Donnerstag, sondern an einem Mittwoch. Und an dem, bemerkte Grünen-Ausschussmitglied Bernhard Lips, ist nun einmal kein Wochenmarkt. Außerdem haben Stadtverwaltung und Arztpraxen bekanntlich mittwochnachmittags dicht. Ist das an diesem Tag gesammelte Zahlenmaterial also überhaupt repräsentativ?

Ist es, jedenfalls im Wesentlichen, erklärte Olaf Timm und lieferte die ermittelten Zahlen. Besonders stark frequentiert sind die Parkplätze demnach vormittags zwischen 10 und 11 Uhr mit 855 geparkten Fahrzeugen sowie abends zwischen 21 und 22 Uhr mit 974 abgestellten Autos. Auffallend, erklärte Olaf Timm weiter, sei, dass viele Stellplätze überaus lange belegt seien. Und das selbst dann, wenn sie mittels Zwei-Stunden-Frist und Parkscheibenzwang „bewirtschaftet“ werden. Bilanz: In den besonders gefragten Zeiten fehlen zwischen 60 und 70 Stellplätze.

Die könnte man natürlich außerhalb des Innenstadtrings schaffen, so der NTS-Sprecher, ohne jedoch konkrete Details zu nennen, wo und in welchem Umfang das denn der Fall sein könnte. Für den eigentlichen Innenstadtbereich empfiehlt das Ingenieurbüro nicht nur den Verzicht auf weitere Parkplätze, sondern auch die Reduzierung der bestehenden, um so den „nichtmotorisierten Verkehr zu fördern“. Dazu könnten etwa zusätzliche Fahrradstellplätze geschaffen und Parkscheinregelungen für Autos getroffen werden.

Ein guter Ansatz, findet Marc Harenkamp. „Wir haben weiter die Vision einer autofreien Innenstadt“, so das Grünenmitglied. „Wenn es genügend Stellplätze für Räder gibt, ist man natürlich auch eher geneigt, zum Fahrrad zu greifen“, ergänzte SPD-Fraktionsvorsitzender Ingo Stude. Kritik gab es hingegen von der FDP . Grundsätzlich sei man zwar dafür, dass mehr für den Fahrradverkehr getan werde. „Wir müssen aber auch an die Geschäftsleute denken“, erklärte Ausschussmitglied Andreas Kurzhals, dass man eine Parkplatzreduzierung nicht mittragen werde. Skepsis an den aufgezeigten Lösungsvarianten äußerte auch die CDU. Wie Ratsmitglied Ingo Meyer erklärte, seien die entsprechenden Vorschläge vielleicht interessant für Großstädte. „Hier passt das aber einfach nicht“, sagte Meyer.

Nach teils kontroverser Debatte einigte sich der Fachausschuss schließlich darauf, die Zahl der Stellplätze einstweilen nicht zu verändern. Dazu soll die Verwaltung ein „sinnvolles Konzept für die Reglementierung und Bewirtschaftung“ der Parkflächen erarbeiten. Langfristig soll ferner ein eigenes Parkleitsystem installiert werden.

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