Veloroute Richtung Münster
Der „Fahrrad-Highway“ kommt

Drensteinfurt -

Zügig, umweltfreundlich und an der frischen Luft zur Arbeit nach Münster – statt im morgendlichen Schiebeverkehr mit dem Auto schon in Hiltrup vor der roten Ampel zu stehen: Das soll bald mit den „Velorouten“ möglich sein. Drensteinfurt wird Teil dieses Fahrradschnellstraßennetzes.

Freitag, 30.04.2021, 05:58 Uhr aktualisiert: 30.04.2021, 06:00 Uhr
Um die umweltfreundliche Fortbewegung zwischen den Städten zu fördern, soll Drensteinfurt an das Fahrradschnellstraßennetz angebunden werden. Die Veloroute soll von der Bahnunterführung durch das neue Baugebiet an der Harkortstraße führen. Das Problem: Der Weg führt direkt an den viel frequentierten Eingangstüren von Aldi- und K+K-Markt vorbei.
Um die umweltfreundliche Fortbewegung zwischen den Städten zu fördern, soll Drensteinfurt an das Fahrradschnellstraßennetz angebunden werden. Die Veloroute soll von der Bahnunterführung durch das neue Baugebiet an der Harkortstraße führen. Das Problem: Der Weg führt direkt an den viel frequentierten Eingangstüren von Aldi- und K+K-Markt vorbei. Foto: Dietmar Jeschke

Klimaschutz beginnt vor der Haustür. Und, da sind sich alle Experten einig, er funktioniert nicht ohne die bereits vielfach diskutierte „Mobilitätswende“. Weg vom Auto, rauf aufs Fahrrad oder E-Bike: Das ist der Gedanke, der auch hinter dem Konzept der „Velorouten“ in der Stadtregion Münster steht.

 Eine dieser Fahrradschnellstraßen, namentlich die „Veloroute 8“, soll künftig die Städte Drensteinfurt und Münster miteinander verbinden. Wie die Verwaltung den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses in der jüngsten Sitzung erläuterte, habe die Stadt inzwischen die „Leistungsphasen 1 und 2“ und damit die Gesamt-Trassenplanung abgeschlossen. In Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro NTS ist daraus ein Vorentwurf für den gesamten Streckenverlauf entstanden.

Nach einem Vor-Ort-Termin mit dem beauftragten Planungsbüro wurde der erste Streckenabschnitt, der von der Bahnhofsunterführung bis hin zur Q1-Tankstelle reicht, noch einmal geringfügig angepasst. Ausschlaggebend dafür, erläuterte Bauamtsleiter Christoph Britten , war vor allem die Tatsache, dass entlang der Raiffeisenstraße mehrere unübersichtliche Einmündungen liegen. „Durch vermehrte Lieferverkehre hat sich die Situation zusätzlich verschärft, sodass sich die Einmündungen als konkrete Gefahrenstellen herauskristallisiert haben. Aus Sicht der Planung sowie der Verwaltung gilt es daher, den Radverkehr weitestgehend vom Straßenverkehr zu isolieren“, so Britten.

Der neue Streckenabschnitt verläuft nicht mehr entlang der Raiffeisenstraße, sondern führt über den Fuß- und Radweg zwischen Aldi- und K+K-Markt und von dort aus weiter durch das Neubaugebiet „Bahnhofsumfeld“ bis hin zur Konrad-Adenauer-Straße. „Diese neue Wegeführung wird im Rahmen der Straßenendausbauplanung des Neubaugebietes bereits berücksichtigt“, so der Bauamtsleiter.

Dass der neue Teilabschnitt unmittelbar zwischen den beiden stark frequentierten Verbrauchermärkten verlaufen soll, stieß in der Politik allerdings auf wenig Gegenliebe. Grünen-Mitglied Marc Harenkamp schlug daher vor, den Weg stattdessen über den Ladestrang und durch den Pellengahr-Busch verlaufen zu lassen. Zudem sollte der weitere Abschnitt nicht entlang der Bundesstraßen 58 und 54, sondern entlang der Bahnlinie in Richtung Domstadt verlaufen. Das jedoch, erklärte Christoph Britten, sei nicht nur deshalb problematisch, weil es sich teilweise um Privatgelände handelt. Vielmehr müsste der Waldabschnitt auch noch ausgebaut und beleuchtet werden.

 Bürgermeister Carsten Grawunder ergänzte dazu, dass es bei dem Konzept um reine Alltagsrouten gehe – und nicht um touristisch schöne Streckenabschnitte. Zudem sei der „Übergabepunkt“ zur Stadt Münster mit dem Haus Heidhorn bereits klar definiert. Was die künftig zur Veloroute zählenden Radwege auf städtischen Gebiet anbelangt, so seien sie grundsätzlich in einem guten Zustand, so dass eigentlich keine baulichen Anpassungen notwendig seien, schilderte die Verwaltung. Ein Problem jedoch ist der vorgegebene Ausbaustandard der Velorouten, der für mindestens 80 Prozent der Strecken eingehalten werden muss. So ist etwa für kombinierte Fuß- und Radwege neben einer Breite von drei Metern auch ein asphaltierter Oberbau für die Fahrbahn vorgesehen. Ein entsprechender Routenverlauf an der Kreisstraße 21 wäre damit nur realisierbar, wenn die Stadt die angrenzenden Grundstücksstreifen zur Erweiterung erwerben könnte, was mit zahlreichen Verhandlungen verbunden wäre. Außerdem müsste der noch einwandfreie, gepflasterte Weg in eine Asphaltstrecke umgebaut werden.

Das sind offene Fragen, die es nun noch zu klären gilt – ebenso wie die Finanzierung. Die Verwaltung teilt mit, dass das Bundesverkehrsministerium ein Finanzhilfe-Sonderprogramm zur Förderung von Radverkehrsinfrastrukturprojekten initiiert hat, und zwar mit einem Volumen von 657 Millionen Euro, von denen das Land NRW bis Ende 2023 rund 100 Millionen Euro bekommen soll. „Der Regelfördersatz beträgt 80 Prozent, ab 2022 dann 75 Prozent. Die Bundesmittel werden durch eine ergänzende Landesförderung auf 90 Prozent aufgestockt. Die Stadt prüft derzeit die Fördervoraussetzungen im Zuge dieses Finanzhilfe-Sonderprogramms“, so die Verwaltung. Um die ersten Voraussetzungen zu schaffen, stimmten die Ausschussmitglieder zunächst einstimmig für den eingangs erwähnten Trassenverlauf.

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