Everswinkel
Aufatmen an der Waldorfschule

Dienstag, 06.05.2008, 17:05 Uhr

Everswinkel . Die Schüler der Everswinkeler Waldorfschule können aufatmen: Das Schulministerium wird die heftig kritisierte neue Prüfungsordnung korrigieren. Den Waldorfschülern soll nun doch eine mündliche Nachprüfung erlaubt werden. Der Streit um „Mittlere Abschlüsse“ ist erfolgreich beendet, teilt die Waldorfschule Everswinkel mit.

Die Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Waldorfpädagogik NRW konnten Schülern, Eltern und Lehrern der Waldorfschulen eine gute Nachricht geben: „Es wurde eine zufrieden stellende Regelung für mittlere Abschlüsse an Waldorfschulen mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung gefunden.“ Zwei zentralen Anliegen der Waldorfschulen sei Rechnung getragen worden: für Schüler der Waldorf-Förderschulen wird ein Abschluss nach zwölf Jahren möglich gemacht (der Lehrplan der Waldorfschulen sieht eine zwölfjährige Schulzeit vor), mündliche Prüfungsleistungen können in die Abschlussnote einbezogen werden. Das Schulministerium sieht dagegen keine Möglichkeit, Vornoten in die Berechnung der Abschlussnote einzubeziehen, was von Schülern, Eltern und Lehrern – vor allem der heilpädagogischen Schulen – als sehr ungerecht und benachteiligend empfunden werde.

„Das ist ein toller Erfolg. Der Protest der Waldorfschulen und der Einsatz der SPD-Landtagsfraktion haben sich gelohnt. Damit ist die Benachteiligung der Waldorfschüler vom Tisch“, freut sich der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Trampe-Brinkmann . Das Ministerium hatte zunächst geplant, in den zentral zu prüfenden Fächern weder die Vornoten der Schüler zu berücksichtigen, noch die Möglichkeit der mündlichen Nachprüfung zuzulassen. Außerdem sah der Entwurf der Prüfungsordnung vor, dass an heilpädagogischen Waldorfschulen der Abschluss nicht mehr am Ende der 12., sondern am Ende der 11. Klasse erworben werden müsse.

„Dies hätte dazu geführt, dass die besonderen Bedingungen der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ausgeblendet worden wären“, stellt Trampe-Brinkmann fest. Nach Bekanntwerden dieser Pläne hatte die SPD-Landtagsfraktion daher die Behandlung im Schulausschuss sowie eine öffentliche Anhörung beantragt. „Die Teilnahme hunderter Schüler, Lehrer und Eltern sowie die Übergabe von rund 20 000 Unterschriften haben zu einem Umdenken geführt.“

Am 13. Februar hatten 300 Schüler, Eltern und Lehrer durch ihre Präsenz in der Sitzung des Schulausschusses im Plenarsaal des Landtages die Politiker beeindruckt. Die Entscheidung wurde vertagt, eine Expertenanhörung für den 23. April angesetzt. Dadurch entstand Luft für Verhandlungen. Sehr konstruktive Gespräche zwischen Vertretern des Ministeriums und der Waldorfschulen führten zu dem aktuellen Ergebnis.

„Zahllose Briefe an Politiker, ein Bildungsgutschein für Abgeordnete, viele persönliche Gespräche und die Veröffentlichungen in der Presse haben Früchte getragen.“ Insgesamt bewertet die Arbeitsgemeinschaft Waldorfpädagogik NRW dieses Ergebnis mit der Note drei – zufrieden stellend. Die geplante Expertenanhörung im Landtag war damit überflüssig geworden. Eine Demonstration von rund 5 000 Schülern, Eltern und Lehrern vor dem Landtag, die für den 15. Mai geplant war, hat sich somit erübrigt. „Die Schüler sind enttäuscht, weil sie hierfür bereits Songs, Raps und kabarettistische Einlagen vorbereitet haben, aber auch froh über die Gründe für die Absage der Aufführung“, heißt es abschließend.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/532025?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F702767%2F702786%2F
Nachrichten-Ticker