Everswinkel
Ankerplatz für agile Ausflügler

Mittwoch, 17.09.2008, 20:09 Uhr

Everswinkel . Eigentlich waren Nino Schulte und seine Frau Elke nur auf der Durchreise . Von einem „ Ape “ Piaggio-Car-Treffen in Albersloh kommend, entdeckten sie mit ihrem kultigen Dreirad-Wagen sowie ihrem Wohnmobil den Stellplatz am Vitus-Bad. „Wir waren so überwältigt vom Komfort und haben uns gedacht, wir könnten eigentlich auch hier bleiben“, erzählt der Wohnmobil-Urlauber aus Menden im Märkischen Kreis. „Und unserem Papagei gefällt’s hier auch.“ Kein Wunder, ist der Wohnmobil-Stellplatz am Vitus-Bad doch gerade zu einem echten Anziehungspunkt aufgewertet worden.

Bürgermeister Ludger Banken spricht von einem „ganz speziellen Ort“ neben Vitus-Bad und Vitus-Saunadorf sowie in unmittelbarer Nähe zum Ortskern. Schon seit vielen Jahren machen Wohnmobil-Urlauber Station auf diesem Parkplatz, „aber ein Wohnmobilplatz, wie man ihn eigentlich haben möchte, war es nicht“, bilanziert Banken die bislang fehlenden Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten. Das ist jetzt anders. Eine „Cleany-Säule“ offeriert dem Wohnmobil-Reisenden jetzt frisches Trinkwasser, Strom und die Möglichkeit, seine Abwässer zu entsorgen.

Handlungsbedarf wurde schon vor einiger Zeit erkannt. „Wir wissen, dass der Markt für Wohnmobilisten ein lukrativer Markt ist“, spielt der Bürgermeister auf die Tatsache an, dass europaweit rund eine Million Wohnmobile über die Straßen rollen, und rund die Hälfte davon allein in Deutschland. Menschen, die ihr Fahrzeug vor allem am Wochenende und für den Kurzurlaub einsetzen, und „die in der Gegend herumfahren und sich da niederlassen, wo es schön ist.“ Und dort geben sie dann auch Geld aus. „Das ist genau unsere Zielgruppe, die auch nicht ganz finanzschwach ist“, spielt Banken auf Einzelhandel, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen an, die davon profitieren können.

Schön war es bislang in der Vitus-Gemeinde auch schon, doch am Stellplatz endete für die rollenden Besucher die Herrlichkeit. „Wir haben uns gedacht, wenn wir etwas von den Wohnmobilisten haben wollen, und die Wohnmobilisten etwas von uns haben wollen, müssen wir etwas tun.“ Als derzeitiger Vorsitzender der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Kreis Warendorf ( TAG ) war der Weg für Bürgermeister Banken, eine gemeinsame Qualitätsoffensive in den 13 Kommunen des Kreises zu starten, nicht weit. „Ich habe festgestellt, dass es in dieser Sache einen Nachholbedarf im Kreis gibt.“ Nur gut die Hälfte der Kreis-Kommunen hat bislang überhaupt einen Wohnmobil-Stellplatz zu bieten. Beraten ließ man sich vom Sassenberger Caravan-Hersteller LMC, um die Kriterien für einen optimalen Stellplatz festzulegen. „Wir glauben, dass wir einen Platz entwickelt haben, der den Vorstellungen der Wohnmobilisten entspricht.“ Mehr als zufrieden zeigt sich auch der Vorsitzende des Verkehrsvereins, Fred Heinemann, der in der Vergangenheit schon öfter mit Nachfragen von Wohnmobilfahrern nach Entsorgungsmöglichkeiten konfrontiert wurde. „Für uns ist es wichtig, so eine Station einzurichten. Es ist ein wunderbarer Standort dafür.“

Neben der Ver- und Entsorgungsstation runden jetzt eine neue Schau-Tafel mit kompakten Informationen sowie Wohnmobil-Parkplatz-Ausschilderung und entsprechende Parkflächenmarkierung die Sache ab. Summa summarum wurden 15 000 Euro an dem Standort investiert. Auch in den übrigen Kreis-Kommunen soll so eine Station eingerichtet werden, deren Anschaffungspreis von 5 000 Euro pro Stück durch eine Sammelbestellung über die Firma LMC ermöglicht wurde. Die Finanzierung der dafür nötigen 65 000 Euro erfolgt aus dem Topf der TAG, der wiederum von den Kreis-Kommunen gespeist wird.

Heinz-Jürgen Müller, Leiter des Amtes für Planung und Umweltschutz beim Kreis, freut sich darüber, dass man in der TAG die Chance habe, Ideen gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen, und die Qualität der Wohnmobil-Stellplätze künftig in jeder Stadt und Gemeinde des Kreises angeboten werden könne. „Damit sind wir im Münsterland ganz weit vorn.“ Man müsse nicht unbedingt in die Alpen oder an die Nordsee fahren, die „wunderbare münsterländische Parklandschaft“ als „Eldorado für Fahrradfahrer“ mit attraktiven Städten und Gemeinden und liege direkt vor der Tür des Ruhrgebietes, so Müller, der betont, „Tourismus ist auch Wirtschaftsförderung“. Rund 140 Millionen Euro würden damit pro Jahr im Kreis erwirtschaftet. „Wir sind bemüht, Trends aufzugreifen, und der Reisemobiltourismus ist ein Trend.“

Wohnmobilist Schulte ist von der Qualitätsoffensive völlig angetan. „Ich habe Stielaugen gemacht. So eine moderne Anlage – das ist das Beste, was ich bisher gesehen habe“, lobt er die Everswinkeler Station. In ihrer Begeisterung haben er und seine Frau beschlossen, gleich bis zum Wochenende im Vitus-Dorf zu bleiben.

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