Everswinkel
Im Rathaus fließt reichlich Blut

Montag, 03.11.2008, 06:11 Uhr

Everswinkel . Vermummte Gestalten mit gruseligen Fratzen zogen durch die dunklen Straßen des Vitusdorfes. Es war Freitagabend: Halloween. Noch weitaus unheimlichere und merkwürdigere Szenen spielten sich jedoch im abgedunkelten Rathaus ab. Hier bescherte das Trio Mortabella während der vierten Everswinkeler Kriminacht mit einer gehörigen Portion literarischer und krimineller Energie den zahlreichen Gästen einen schaurig-schönen Abend, der für Gänsehaut pur sorgte. Bei blutrotem Wein und Kerzenschein ließen sich die Krimifans in die Welt der hinterlistigen Morde und menschlichen Abgründe entführen. Man spürte förmlich das Messer im Rücken, und am Ende gab es jede Menge blutüberströmter (Papier)Leichen im Rathaus

Trio Mortabella, so nennen sich die drei Krimiautoren Manfred Schmidt , Regine Koelpin und Christiane Franke . Ihre Heimat ist die ostfriesische Nordseeküste. Zum ersten Mal machten sie im Münsterland Halt. Der Name stammt ursprünglich von Mortadella ab, weil bei den Autoren alles zu spannenden Krimis „verwurstet“ wird. Später einigte man sich dann auf Mortabella (Mortus: Tod und Bella: die zwei schönen Frauen). Veranstaltet wurde das mörderische Treiben vom Kulturkreis Everswinkel. Für den richtigen Sound bei all diesen merkwürdigen Begebenheiten sorgte das Blues-Duo „Doubledoubleyou“, bestehend aus Dr. Wolfram Nagel und Wilfried Hess.

Die Schriftsteller lasen aus ihrem ersten gemeinsamen Buch „Mord, Mord, Mord, der Tod kommt aus Nordwest“, das verschiedene Kurzkrimis umfasst. Im April wird die zweite gemeinsame Publikation „Mord + Mord = Doppelmord“ erscheinen.

Wie im wirklichen Leben ging es bei der ersten Geschichte um die Liebe und ihre dramatischen Folgen. So erfuhren die Gäste in der Erzählung „Zu Spät“ von einer Teeladenbesitzerin, die eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat, der aber dann ein Kind mit seiner Ehefrau bekommt. Schmerz, Enttäuschung, Verzweiflung und das Gefühl, nicht geliebt zu werden, gewinnen die Oberhand. Einige Monate nach der Geburt seiner Tochter besucht der Mann die Geliebte und unterbreitet ihr, dass er seine Frau für sie verlassen habe. Zu spät, die Teeladenbesitzerin hat ihm bereits Rattengift in seinen Tee geschüttet, an dem er jämmerlich stirbt.

Durch das mitreißende und betonte Lesen wusste das Trio die Zuschauer zu fesseln. Die drei Autoren schlüpften während des Lesens in unterschiedliche Charaktere, ganz wie es die Situation erforderte und nahmen die Zuhörer so mit auf eine spannende Reisen in mörderische Welten.

An ihren eigenen Partner erinnert fühlten sich wohl viele beim „Schnarchsack“. Ein Krimi mit messerscharfen Texten und schärfster Satire, der für großes Gelächter sorgte. Er handelte von einem Ehepaar, bei dem die Routine schon lange eingekehrt war und wo Ekel und Hass sich breit machten. Die Körpermasse und der Alkoholkonsum des Mannes nahmen immer mehr zu. „Er bekam kaum Luft, wenn er sich aus seinem beliebten Fernsehsessel herausquälte, und seine Beweglichkeit war die einer Wanderdüne“.

Der Fußballfan saß den ganzen Tag vorm Fernseher, schlang unglaubliche Massen Essen in sich hinein, ohne diese zu kauen und motzte seine Frau an, ihm Bier zu bringen. Schon ahnten die Zuhörer, dass das nicht lange gut gehen kann. Die Frau wetzte schon das Küchenmesser und prüfte die Schärfe, und als ihr Mann „zum dritten Mal den Bayerntreffer feiert, dieses Mal auf Sat 1“, stach sie unerbittlich zu, und es floss wieder mal reichlich Blut. Doch dieses Mal war es erst der Braten, der hinüber war.

Nachts dann begann die akustische Folter. Das Schnarchgeräusch „lässt die Wände vibrieren“ und zum Einschlafen brauchte sie mittlerweile 50 Baldriantropfen. Wieder holte sie das gut polierte Messer und wieder war alles voller Blut, nachdem sie ihren Mann getötet hatte. „Was für eine Sauerei, wer soll das wieder sauber machen?".

Nach einem „bunten“ Abend mit sechs gruseligen Kurzkrimis, die es wirklich in sich hatten und facettenreicher und packender kaum hätten sein können, verließen die Zuhörer das Rathaus und nahmen ihre Gänsehaut mit in die lausige Novemberkälte.

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