Everswinkel
Lebensweg mit harten Prüfungen

Freitag, 29.05.2009, 04:05 Uhr

Everswinkel - „Wir haben so manchen Sturm erlebt. Es ging uns oft gut, manchmal aber auch gar nicht gut.“ Mit dieser spontanen Zusammenfassung beantwortet Elfriede Erben die Frage nach dem gemeinsamen Lebensweg mit ihren Ehemann Walter. Seit 65 Jahren sind die beiden Erbens verheiratet und feiern damit heute das Fest der Eisernen Hochzeit.

Es war die Zeit während des Zweiten Weltkriegs , aber auch noch viele Jahre danach, in der das Schicksal harte Prüfungen für die Eheleute bereit gehalten hatte. „Wir haben uns 1937 beim Skilaufen und beim Tanzen kennengelernt“, erinnert sich Elfriede Erben. Geboren wurden die Erbens in Böhmen - Elfriede in Hohenelbe im Riesengebirge und ihr Ehemann Walter in Friedland im Isergebirge. Als Tochter in einem Fleischereibertrieb ist Elfriede Erben dort groß geworden. Walter Erben ist gelernter Drogist und war später Geschäftsführer in der Marktdrogerie in Friedland.

„1938 sind die Deutschen einmarschiert, und ein Jahr danach ist mein späterer Ehemann Soldat geworden“, beschreibt Elfriede Erben den Beginn einer schweren Zeit für das junge Paar „Anfangs habe ich noch wöchentlich, später nur noch monatlich Post von ihm erhalten.“ Danach habe sie oft ein Jahr nichts von ihm gehört. „Den Termin der Hochzeit haben wir am Telefon besprochen, denn Walter (zu dieser Zeit an der Ostfront in Leningrad) hatte Urlaub eingereicht und auch genehmigt bekommen.“

Am Pfingstmontag 1944 haben die beiden dann geheiratet. Das Jahr 1945 brachte für Elfriede und Walter Erben dann eine entscheidende Wende. „Im Juni 1945 mussten wir innerhalb einer halben Stunde unsere Sachen packen und uns am Bahnhof einfinden“, erzählt sie bewegt von dieser Zeit. „Unsere Wertsachen hat man uns noch am Bahnhof abgenommen.“ In Sangerhausen in der damaligen DDR haben die noch frisch Vermählten dann eine Bleibe gefunden. Aber: „Dort haben wir uns gar nicht wohlgefühlt“, denkt die Jubilarin nicht gerne an diesen Aufenthalt zurück.

Die gemeinsame Zeit in Sangerhausen sollte auch bald wieder ein jähes Ende finden. „Am 24. Juli 1946 wurde mein Mann aus dem Bett heraus verhaftet und nach Norilsk im sibirischen Bergland deportiert. Neun Jahre habe ich nichts von ihm gehört, denn als Insasse eines Schweigelagers durfte Walter keinen Kontakt mit der Heimat aufnehmen.“ In einer Zeitschrift für Sudetendeutsche in Kempten hat ein Heimkehrer berichtet, dass ihr Mann in Norilsk inhaftiert sei. Kurz danach hat sie die erste Post von ihm erhalten. „Am Heiligen Abend des Jahres 1955 habe ich ihn in Kempten wieder in die Arme schließen können.“

Der DDR hatte sie zuvor über Westberlin den Rücken gekehrt. Ihr Cousin in Münster habe ihnen dann einen guten Start in ihr neues Leben ermöglicht. „Über ihn haben wir viele Kontakte knüpfen können, und auch in der Gemeinschaft der Spätheimkehrer haben wir uns sehr wohl gefühlt.“ Seit drei Jahren wohnen Elfriede und Walter Erben nun in Everswinkel. „Mit der Gesundheit meines Mannes ist es nicht mehr zum Besten bestellt, und hier bei meinem Sohn und meiner Schwiegertochter fühlen wir uns gut aufgehoben“, ziehen die beiden trotz der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit eine zufriedene Bilanz ihrer 65 Ehejahre.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/462120?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F702745%2F702759%2F
Polizei sucht auffälligen VW Polo
Das Foto zeigt das mutmaßliche Fluchtfahrzeug.    
Nachrichten-Ticker