Everswinkel
Abschiedsrede des FDP-Vorsitzenden Ulrich Hoyer

Freitag, 22.07.2011, 09:07 Uhr

Everswinkel - Abschiedsrede des scheidenden FDP-Vorsitzenden Ulrich Hoyer beim FDP-Ortsparteitag am 20. Juli im Gasthof Diepenbrock: „Alles hat seine Zeit. Und diese vergeht viel zu schnell. Mich hat kürzlich mal jemand gefragt, sagen Sie mal Herr Hoyer, wann haben Sie eigentlich Abitur gemacht? Meine spontane Antwort war: „Gefühlt vor etwa 9 Jahren.“ In der Woche darauf bekam ich die Einladung zum 40-jährigen Abiturjubiläum. Ich fühle mich wie 37, werde aber, so Gott, will nächstes Jahr schon 60.So schnell kann das gehen.

1980 zog meine Familie mit unserem Sohn Jan, dem späteren Trommler, nach Everswinkel, damals eher ein Zufall.Unsere Kinder Marthe, Ulf und Frauke wurden hier in Everswinkel geboren. Sie vier bezeichnen sich als echte Everswinkeler. Hier ist ihre Heimat.Ich selbst hatte meine Heimat in Sachsen durch die Flucht meiner Familie vor den Kommunisten mit acht Jahren verloren. Und habe bis heute nie mehr das Gefühl gehabt, wirklich irgendwo dazu zu gehören. So erfuhr ich schmerzlich sehr früh, welche Einwirkung Politik auf die Menschen hat.Und ich erlebte Vorbilder in meiner Familie.

Mein Großvater Paul Hoyer weigerte sich, als Landrat des Kreises Delitzsch die Enteignung der Bauern zu unterschreiben, obwohl ihm von der SED angedroht wurde, er käme in diesem Fall nicht lebend nach Hause.Mein Vater Peter Hoyer saß in Stasi-Haft mit Folter, Wasserzelle und Prügel. Er hatte, so kann man es in seiner Stasi-Akte nachlesen, auf die zynische Frage des Verhöroffiziers, „Herr Hoyer, was haben Sie eigentlich gegen unseren schönen Statt DDR, geantwortet: „Das will ich ihnen sagen, das ist dieselbe Scheiße wie bei den Nazis!“ Sein Bekennermut ist mir immer ein Ansporn gewesen.Er war später hier im Westen 22 Jahre Kreisvorsitzender der FDP Warendorf, 6 Jahre Bezirksvorsitzender der FDP Münsterland und unbeugsamer Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Stadtrat Warendorf. Das sind die Antriebsmotive, die mir die Kraft geben, mich politisch zu betätigen.Politik ist nämlich immer nur so gut, wie diejenigen sind, die mitmachen.Deshalb rufe ich die Menschen auf, die Kritik üben. Macht endlich selbst mit. Es ist doch Euer Land, Eure Gemeinde.Nichts ändert sich, außer Ihr ändert Euch.

Als ich nach Everswinkel kam, war ich bereits sechs Jahre Mitglied der Warendorfer Ratsfraktion und stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender. Aber alles hat seine Zeit.Hier in Everswinkel wollte ich mich nur um meine Kinder und meinen Beruf kümmern.So wurde ich Mitbegründer der Kindergruppe Everswinkel e.V, die ihre Anfänge im Gästezimmer unseres Hauses hatte, und war sechs Jahre ihr Vorsitzender.Die FDP Everswinkel hatte damals bereits recht gute Ergebnisse um die acht Prozent. Der Fraktionsvorsitzende hieß Rolf Traue. Der Ortsvorsitzende Günter Hein. Aber die Partei war eher eine One-Man-Traue-Show. Als der treue Günter Hein dann als Ortsvorsitzender aufhörte, bedrängte mich Rolf Traue monatelang, den Vorsitz zu übernehmen. Erfolgreich war er schließlich mit dem Argument, wenn du erreichen willst, dass deine Kindergruppe Träger des neuen Kindergartens wird, musst Du in die Kommunalpolitik gehen und baue die Vorurteile ab, die es gegen einen freien Träger gibt. Schließlich gab ich nach.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass Jürgen Möllemann mir kurz darauf das lukrative und interessante Angebot machte, sein Wahlkreisbüro aufzubauen und zu leiten.Und so rutsche ich, ohne es eigentlich je vorgehabt zu haben, auch beruflich in die Politik.Ich sagte zu unter der Bedingung, dass sein Wahlkreisbüro in unserem Haus sein müsse, um mich auch weiter um die Kinder kümmern zu können.Möllemann akzeptierte. Und so befand sich das Möllemann-Hauptquartier im Münsterland für die Öffentlichkeit unbemerkt bis zum Jahr 2000 zuerst in der Wibbeltstraße, dann im Schlehenweg. Wie ich erst später erfuhr, brodelte die Gerüchteküche. Was ist denn das denn für einer, der da zu Hause sitzt. Nur ein Hausmann.Für mich war es allerdings die glücklichste Zeit meines Lebens, wurden doch hier meine Kinder Marthe, Ulf und Frauke geboren. Heute weiß ich, dass es besser ist, der Öffentlichkeit gleich zu sagen, was man macht.

Aber ich wollte eigentlich immer nur Uli Hoyer bleiben. Und nicht ein Möllemann-Double werden. Eine Sache, die leider nur mäßig gelungen ist. Zumal mich Möllemann dann 1998 zusätzlich auf den Posten des Bezirksgeschäftsführers Münsterland beorderte.Und nun hatte ich nicht nur meinen kleinen Ortsverband Everswinkel, sondern auch noch die Betreuung von weiteren 60 Orten in den Kreisen Borken, Coesfeld, Münster, Steinfurt und Warendorf zu erledigen.Und das heißt, ich hatte und habe fast ausschließlich mit zumeist netten Menschen zu tun, die ihre Freizeitpolitik, um 19:30 Uhr beginnen, wenn der eigentliche Arbeitstag im Büro für mich schon vorbei ist.Und bei Mölli gab es nur Vollgas oder Vollbremsung. Eine Achterbahn des Lebens mit Spaß, Stress und auch vielen Anfeindungen.

So bin ich in Everswinkel mal in den Weihnachtsferien abends auf einer Geburtstagsfeier gewesen, wo mich ein Lehrer ohne Anlass penetrant und immer lauter werdend angemacht hat: „Sagen sie mal, Herr Hoyer, wo macht eigentlich der Möllemann zur Zeit auf Kosten der Steuerzahler Urlaub?“ Beim ersten und zweiten Mal habe ich überhaupt nicht reagiert. Erst, als beim 3. Mal plötzlich alle Gespräche an den Stehtischen erstarben und auf meine Reaktion warteten, habe ich geantwortet: „Das will ich gern Ihnen sagen, wenn Sie mir sagen, wie vielen Kindern Sie als Lehrer schon die Karriere versaut haben!“ Dann war Ruhe und die Party ging weiter. Unschöne Situationen, die einen leider auch prägen. Plötzlich war ich nicht mehr der Uli Hoyer von nebenan, sondern irgendwie auch der Möllemann. Und wenn man für ihn Reden schreibt, übernimmt man schnell auch die Diktion. Wie mich gute Freunde warnten, auch schon im Privaten.

Und unmerklich schleichend wurde ich, ohne dass ich das je wollte, nach dem Abgang von Rolf Traue in Everswinkel auch immer mehr zum Gesicht der FDP. Und damit zum Siegen verdammt. Wer nämlich anderen Ortsverbänden beruflich Ratschläge geben soll, wie man es besser machen könnte, der muss es selbst besser machen können. Dies alles, und die Tatsache, dass man beruflich immer nur bis zur nächsten Legislaturperiode planen kann, geht auch ein einer Familie nicht spurlos vorbei.Hätte ich damals nicht einige gute Freunde auch in der FDP gehabt, stände ich heute sicher nicht hier.

Hinzu kam noch zur gleichen Zeit der erste Bürgermeisterwahlkampf, den wir im Team Banken, Steinmeier, Hoyer geführt und in der Stichwahl mit sensationellen 72,9 Prozent gewonnen haben. Sicherlich neben dem Durchsetzen der Waldorfschule gegen den erbitterten Widerstand der CDU der größte kommunalpolitische Erfolg meiner Arbeit. Wir hatten uns damals ein Anforderungsprofil gemacht. Was muss ein Bürgermeister eigentlich können?Hauptkriterien: er muss eine Verwaltung leiten können und er muss in allererster Linie zum Wohl der Gemeinde und nicht zum Wohl einer Partei arbeiten.Da niemand unserer Mitglieder Verwaltungserfahrung besaß, gingen wir Under Cover und streng geheim auf die Suche nach einem externen Bewerber. Und fanden Ludger Banken, der nach kurzer Bedenkzeit zusagte, sich auf das Abenteuer mit der kleinen FDP gegen die übermächtige CDU einzulassen. Nachts um halb Vier fiel mir das entscheidende Wort ein: Überparteilicher Bürgermeister-Kandidat. Seitdem bin ich fest davon überzeugt: Erfolg ist planbar und überall möglich.

Denn nach demselben Everswinkel-Muster liefen in den danach folgenden Kommunalwahlen die erfolgreichen Bürgermeisterwahlen in Warendorf und in Ostbevern ab.Die Menschen wollten nach jahrzehntelanger CDU-Verkrustung auch in diesen Orten endlich einen überparteilichen Bürgermeister.In dieser Zeit, ich nenne sie mal die Steinmeier-Ära entstand das Erfolgskonzept auch für die FDP vor Ort. Es ist ein Zusammenführen politischer Erfahrungen und Ziele mit den Grundsätzen von Betrieben und Firmen.Seitdem gibt es bei uns einmal im Jahr eine ganztägige Strategie-Konferenz.Wir setzen uns schriftlich Ziele, die die Sorgen der Bevölkerung aufnehmen, und vergleichen sie ein Jahr später immer mit Ergebnissen. Das Motto dabei lautet: der Erfolg für unseren Ort ist wichtiger als alle persönlichen Eitelkeiten. Ich behaupte heute sogar, dass persönliche Eitelkeiten der natürliche Feind des Erfolges sind. Vielleicht ist es das, was die Menschen hier in Everswinkel und Alverskirchen sagen lässt, in der Landes- und Bundespolitik sind wir festgelegt, aber hier vor Ort wählen wir Euch, weil ihr gute Arbeit macht, heiße Themen besetzt und sie unbeirrt durchhaltet. Wenn es ein Erfolgsgeheimnis gibt, dann ist es dieses. Unsere Berechenbarkeit, unsere Menschlichkeit und unsere Glaubwürdigkeit. Bei uns machen Menschen mit, die mitten im Leben stehen, die in ihren Berufen erfolgreich und nicht abgehoben sind, die man im Dorf kennt und deren ehrenamtliches Engagement in Vereinen man schätzt. Aus diesen Ansätzen entwickelte ich unsere beiden Slogans: „Wir sind da, wo Sie uns brauchen.“ Und: „Sagen, was ist. Machen, was geht.“ Das haben die Menschen verstanden. Mich hat immer interessiert, warum es früher Ortsverbände gab, die mehr Erfolg hatten als wir. Ich bin deshalb oftmals dorthin gefahren, wo die FDP besonders viel Erfolg hatte, ja sogar bis nach Helgoland und habe von ihnen gelernt. 31,1 Prozent hatten die, da kann man noch dran arbeiten.

Vieles von dem und vieles Neues findet sich heute wieder in dem Modell FDP-Everswinkel, einem der erfolgreichsten FDP-Verbände in NRW und in Deutschland.Auf diesem Ortsverband beruht der Vortrag „Bausteine erfolgreicher Kommunalpolitik - eine Rezeptsammlung“, den ich in regelmäßigen Abständen in der Theodor-Heuss-Akademie halte, und mit dem ich auch in anderen Bundesländern, zuletzt im Hessenwahlkampf, angefordert wurde. Überall, wo man diese Thesen umsetzte, haben sich die Wahlergebnisse deutlich verbessert, ja sogar verdoppelt.Ja, die FDP Everswinkel ist inzwischen so etwas wie ein Modell.

Aber das alles klappt nur unter einer einzigen Voraussetzung. Es muss menschlich zusammen passen. Nur dann macht es Spaß, zu Sitzungen zu gehen, weil man dort Menschen trifft, die sich mögen, die keine Egomanen sind, die zuhören, die hart arbeiten, und die miteinander, aber auch über sich selbst herzlich lachen können.Fragt man Bürger, was sie von ihrer Freizeit erwarten, hört man zuallererst, was sie nicht erwarten: sich nämlich zu ärgern!Stattdessen möchten sie etwas Sinnvolles tun, was ihnen auch Spaß macht. Also ist doch alles ganz einfach: Freizeitpolitik muss Spaß machen.Das vor allem war mein Ziel in den 20 Jahren, die ich hier insgesamt als Vorsitzender mit gestalten durfte.Und ich sage bewusst mit gestalten durfte. Denn zum Erfolgsgeheimnis des Modells Everswinkel gehört eben vor allem das Team.Es ist schon selten, dass in der Politik sogar Freundschaften entstehen können, man auch mal etwas Privates sagen darf, ohne dass es gleich im ganzen Dorf die Runde macht. Wir haben stets darauf geachtet, dass im Vorstand und in der Fraktion diese menschliche Balance erhalten bleib.

Deshalb gilt mein ganz besonderer Dank Peter Friedrich und Dagmar Brockmann, die mich immer getragen haben, und mir auch mal in den Hintern getreten haben, wenn es mal beruflich oder privat heikel wurde. Ohne Peter Friedrich hätte ich mich sicher bereits vor 10 Jahren nur noch auf meine berufliche Seite konzentriert und säße wahrscheinlich in Berlin.Ihr habt mir hier zu 10 schönen Jahren verholfen. Herzlichen Dank dafür.Ich möchte mich aber auch bei Wolfgang Effing bedanken, der der beste Schatzmeister ist, den man sich nur denken kann. Wolfgang hat Anwerbeversuchen höherer Ebenen bisher immer tapfer widerstanden. Lieber Wolfgang Du trägst den Namen Schatzmeister zu recht, da Du wirklich einen beachtlichen Schatz hast. Und mein ganz besonderer Dank gilt der Presse, Klaus Meyer und Wilfried Mettelem, die uns stets in fairer und kritischer Art begleiten.Wir haben beide immer schnell und aufrichtig informiert, und konnten und können mit fairer und ausführlicher Berichterstattung rechnen. Das ist wahrlich nicht überall selbstverständlich!

Was ich mir von den Bürgern wünsche, ist, dass sie immer daran denken, dass das, was eine Partei im Programm hat, sie später wahrscheinlich auch tun wird.Das beste Beispiel ist der Lebensmittelmarkt bei Elberich. Nur die FDP hatte dieses Thema besetzt und hält es unbeirrt durch. Mit 22 Prozent erreichten wir unser bestes Ergebnis aller Zeiten und eine Mehrheit der Bevölkerung erwartet nun von uns die Umsetzung.Bedauerlicher Weise haben allerdings 78 Prozent der Bürger bei der Kommunalwahl Parteien gewählt, die das nicht wollten. Also mein Tipp für die Zukunft, wenn Sie einkaufen gehen und jeder Einkauf ist auch eine Wahl, und Sie ein Steak wollen, dann sollten Sie nicht die Haribo-Tüte wählen. Denn da ist selten ein Steak drin.

Und was ich mir auch wünschen würde, wäre mehr öffentliche Unterstützung in Form von Leserbriefen. Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen haben Angst, ihre Meinung offen zu sagen. Aber ich kann sie beruhigen: Wir leben hier nicht in der DDR, sondern in dem freisten Land, was es jemals auf deutschem Boden gegeben hat. Und ich bin stolz darauf, dass die Freie Demokratische Partei dieses wunderbare Land, mit dessen angeblichem Elend mindestens 90 Prozent der Weltbevölkerung gern tauschen würden, in den 42 Jahren ihrer Regierungsbeteiligung maßgeblich mit gestaltet hat. Es ist eben eine Lüge und eine billige Ausrede zu sagen, es sei doch egal, wen man wählt. Gerade die deutsche Geschichte mit Naziherrschaft und DDR-Diktaur zeigen, wie dumm ein solcher Satz ist. Deshalb ist die FDP die Partei, die es wahrlich besser verdient. Meckern Sie noch oder machen Sie schon mit? Passen wir auf, dass Deutschland nicht noch einmal seine Freiheit verspielt. Politik ist nämlich kein Spiel, sondern bitterer Ernst, dem sich niemand, auch durch Nichtstun auf dem Sofa, entziehen kann.

Wenn man nach 30 Jahren Vorstandsarbeit Bilanz zieht, steht die berühmte Frage des Personalchefs im Raum:„Was haben Sie vorgefunden, als Sie anfingen, und was liefern Sie heute ab?“Vorgefunden habe ich 1980 einen kleinen aufsteigenden Ortsverband mit drei engagierten Personen.Abliefern kann ich heute eine kampfbereite Truppe,in der genauso viele aktiv mitarbeiten, wie in der CDU. Eine Truppe, deren Stellungnahmen vor Ort, aber auch im Land beachtet werden.Unser Ortsverband macht jährlich einen Neujahrsfrühschoppen, zu dem Landesvorsitzende und Minister kommen, jährlich eine Radtour für Kind und Kegel.Wir haben die Waldorfschule durchgesetzt, wir haben die Verspargelung der Landschaft mit Windrädern angeprangert und zum zentralen Thema des NRW-FDP-Wahlkampfes gemacht. Wir haben erfolgreich in die Wahlkämpfe in anderen Bundesländern eingegriffen und gelten schon als Glücksbringer, etwa in Bayern. Wir verbinden seit Jahren Politik mit Spaß, mit den Zweitaktern und den Octophonics.

Wir haben bisher keine Wahl verloren, sondern immer weiter zugelegt.Von 8 auf knapp 10, dann 12, 17 und jetzt 22 Prozent.Ich liefere heute an meinen Nachfolger eine Partei ab, die in Everswinkel zur Volkspartei geworden ist, deren Wort gilt.Unsere Kasse ist gut gefüllt.Unsere Truppen sind gut drauf. Wäre im September Kommunalwahl würden wir allein schon wegen des Themas Elberich die 30-Prozent-Marke kratzen.Und deshalb fällt mir der Abschied auch leicht!Ihr könnt es auch ohne mich! Ich habe neben meiner beruflichen Arbeit für den Bundestagsabgeordneten Daniel Bahr 2008 und 2009 im Münsterland 10 neue FDP-Ortsverbände gegründet, die bei der Kommunalwahl auch alle in die Räte eingezogen sind. Vreden gleich aus dem Stand mit 15 Prozent, ähnlich wie die lange verwaiste FDP Sassenberg.

Aber wie steht es in der Luther-Bibel:„Was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne und nähme doch Schaden an seiner Seele.“Ich habe im Gegensatz zu allen anderen ein Problem, das ich unterschätzt habe.Ich habe über Jahrzehnte in meiner Freizeit das Gleiche gemacht, wie in meinem Beruf.Mir fehlt einfach der Ausgleich, das Private, weil ich hier im Ort auch in keiner Clique verankert bin, keinem Kegelverein angehöre, ja nicht mal die Möglichkeit hatte, in einem Sportverein ein bisschen Freizeit-Kick zu machen. Und das liegt nicht an den netten Menschen in Everswinkel, sondern an meinen vielen unregelmäßigen Abendterminen.

Mir ist kürzlich das Beispiel eingefallen: Ich habe die Lebenskerze an beiden Enden angezündet. Und dann brennt sie bekanntlich doppelt so schnell. Als mein bester Freund und mein langjähriger Schüler und Rechtsanwalt Michael Naunheim am 1. Mai ohne Vorwarnung am Frühstückstisch seiner 8-jährigen Tochter mit einem Herzinfarkt verstorben ist, habe ich einen mächtigen Schreck bekomme. Wenn sein Tod überhaupt einen Sinn gehabt hat, dann vielleicht den, es mir eine Warnung sein zu lassen. Denn alles hat seine Zeit. Die Unersetzlichen liegen auf den Friedhöfen dieser Welt, wie Otto Graf Lambsdorff einst sagte.

Ich bin zu einer ganz einfachen Einsicht gekommen: Es gibt tatsächlich auch noch ein Leben vor dem Tod! Und das werde ich jetzt beginnen. Ich ziehe mich komplett aus der Kommunalpolitik zurück. Und blase damit den einen Docht der Kerze wieder aus.Ich konzentriere mich zukünftig auf meine berufliche Arbeit als Mitarbeiter des FDP-Landesvorsitzenden und Bundesgesundheitsministers Daniel Bahr. Und auf meine Tätigkeit als Bezirksgeschäftsführer der FDP Münsterland. Und ich hoffe, dann in meiner Freizeit noch einmal mein persönliches Glück zu finden. Alles hat eben seine Zeit.

Mit meiner 35-jährigen Mitgliedschaft in FDP-Ratsfraktionen und ehrenamtlicher Politik habe ich sicher mehr als nur meine Pflicht getan. Besonders in den letzten Jahren habe ich meine Aufgabe darin gesehen, die FDP-Truppe als Trainer so fit zu machen, dass sie es auch allein kann. Das ist gelungen. Und ich kann mich guten Gewissens von Euch verabschieden, ohne den Erfolg zu gefährden.Ich bitte um Verständnis, wenn ich jetzt auch mal etwas für mein persönliches Glück tun möchte.Alles hat eben seine Zeit. Ich danke allen, die mich kritisch begleitet, getragen und motiviert haben. Sollte ich jemandem weh getan haben,besonders dem politischen Mitbewerber, so war es nie meine Absicht.Denn Wahlkämpfe dürfen nie ins Persönliche und unter die Gürtellinie gehen. Es war eine tolle Zeit in Everswinkel. Aber alles hat eben seine Zeit!“

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