Spuk auf vielfältige Art genossen
Spuk auf vielfältige Art genossen

Montag, 31.10.2011, 01:10 Uhr

Everswinkel - Während in ganz Everswinkel die Geister der Halloween-Nacht ihr Unwesen trieben, war man im Vortragssaal des Rathauses vor den Nachstellungen nach „Süßem oder Saurem“ sicher. Aber für ein Gänsehautgefühl im Kreise der dort versammelten vielen Literaturfreunde hatte der Kulturkreis Everswinkel schon gesorgt. Schwarzer Humor und skurrile Geschichten gab es im roten Dämmerlicht von Jule Vollmer und Elmar Dissinger , die nach dem „Struwwelpeter“ die erfolgreiche Literatur-Reihe im Rathaus um eine schaurig-schöne Facette erweiterten.

„Spuk und Grusel“ war der der vielversprechende Titel und davon hatten die beiden sympathischen Künstler jede Menge aus ihrer Schatzkiste ausgegraben. Mit ihrer warm timbrierten Stimme eröffnete Jule Vollmer mit eigenem Text zu der Melodie „Les feuilles mortes“ , bekannt als „Autumn Leaves“, den stimmungsvollen Abend.

Dabei wurde sie versiert von dem Pianisten und Komponisten Elmar Dissinger begleitet. Seit fünf Jahren arbeiten Jule Vollmer und Elmar Dissinger in verschieden Programmen von LiteraMusico zusammen, da war der musikalische Dialog einfach stimmig bis ins kleinste Detail. Elmar Dissinger wusste mit seiner Spielweise jederzeit den richtigen Ton und die passende Klangfarbe einzusetzen, um der Stimme von Jule Vollmer ein instrumentales Gegenüber zu geben. Er mischte Jazzstandards gekonnt mit Passagen aus Chopin-Nocturnes, streute eine Prise Tango hinzu und ließ jedes Chanson in einem facettenreichen musikalisches Gewand erklingen. Von bitterbösem schwarzem Humor waren die faszinierenden Geschichten getränkt. Zu Beginn ging es süffisant um eine Tonfolge, die den Konzertpianisten vor unerwünschten Geräuschen aus dem Publikum schützt. Inspirierend für den Spieler am Flügel, entkräftend bis todesbringend für den Huster in der ersten Reihe.

Gruseliges von Mark Twain und Kollegen der schreibenden Zunft wurde versiert von Jule Vollmer präsentiert, es muss ja schließlich nicht immer Edgar Allen Poe sein. Bei ihrer ausdrucksvollen Art und starken Präsenz fühlte man sich bei den Geschichten „wie an die Hand genommen“ und ins Reich der Finsternis entführt. Wenn zwischen Realität und Wahnsinn der filigrane Vorhang fiel, der Schritt in die Illusion jederzeit ganz natürlich erschien, dann hatte man das der einfühlsamen Kunst der Rezitation von Jule Vollmer zu verdanken. Wandelnde Wohnungen erschienen ganz normal an diesem Abend, bei dem „hier spukts“ eine ganz intime Bedeutung erhielt. Bei Jule Vollmer und Elmar Dissinger konnte das Publikum bei fantastischen Geschichten und Chansons den Spuk auf vielfältige Art genießen. Schließlich war es ja noch nicht Mitternacht und die Geister, die Jule Vollmer rief, konnten ja nicht schrecklicher sein als die Gestalten im Ortskern von Everswinkel. Halloween hatte an diesem Abend alles im schrecklichen Griff. Die Freunde dieser Art köstlich erschreckender Unterhaltung kamen bei dieser Lesung voll auf ihre Kosten.

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