Der lange Weg zum Weihnachtsbaum
Besuch auf dem Hof Püning: Viel Arbeit, bis die Tanne reif ist fürs Wohnzimmer

Everswinkel -

Er ist in jedem Jahr wieder der Verkaufsschlager schlechthin. In geschätzten 25 Millionen Haushalten in Deutschland wird auch am heutigen Abend wieder ein Weihnachtsbaum erstrahlen. Doch wie wird aus einem Samenkorn ein Weihnachtsbaum? Welche Schritte muss die Pflanze dabei über sich ergehen lassen? Welche Arbeiten fallen an, um eine ansprechende Form zu erreichen? Mit all diesen Fragen im Gepäck haben die Westfälischen Nachrichten den Hof Püning aufgesucht.

Samstag, 24.12.2011, 13:12 Uhr

Er ist in jedem Jahr wieder der Verkaufsschlager schlechthin. In geschätzten 25 Millionen Haushalten in Deutschland wird auch am heutigen Abend wieder ein Weihnachtsbaum erstrahlen. Ob Fichte oder Tanne – weihnachtlich geschmückt, verbinden die Menschen mit wohl kaum einer anderen Baumart so viel weihnachtliche Stimmungen, Erinnerungen, Rituale und Traditionen. Im Laufe der letzten Zeit hat die Nordmanntanne die langjährig dominierende Fichte abgelöst. Sie ist ästhetisch in der Form, sattgrün in der Farbe, und die nicht stechenden Nadeln bleiben lange am Baum.

Doch wie wird aus einem Samenkorn ein Weihnachtsbaum? Welche Schritte muss die Pflanze dabei über sich ergehen lassen? Welche Arbeiten fallen an, um eine ansprechende Form zu erreichen? Mit all diesen Fragen im Gepäck haben die Westfälischen Nachrichten den Hof Püning in Alverskirchen aufgesucht.

Seit 25 Jahren zieht Ludger Püning Weihnachtsbäume. Unterstützt von seinem Sohn Christian und von Johannes Rieping bereitet er sich schon früh auf die vorweihnachtlichen Anstürme vor. Rund 1 500 Bäume verlassen in dieser Zeit seine Ackerflächen. Dort stehen derzeit etwa 25 000 Exemplare im Alter zwischen drei und etwa zehn Jahren.

Schon die Antwort auf die Frage nach der Herkunft des Saatgutes verbirgt für viele eine Neuigkeit. „Die Zapfen für die Samengewinnung werden in Georgien und im Nordkaukasus gepflückt“, erzählt der Hofbesitzer. Dort werden sie getrocknet und der Samen aus den Zapfen geschüttelt. In verplombten Säcken wird der zertifizierte Samen nach Westeuropa versandt. „Benannt nach den Herkunftsregionen gibt es etwa 30 verschiedene Arten der Nordmanntanne, die sich genetisch voneinander unterscheiden“, weiß Ludger Püning. Der Samen der in Deutschland verkauften Nordmanntannen stammt zum großen Teil aus dem Umland von Ambrolauri, einer Provinzhauptstadt in Georgien.

In Baumschulen wird der Samen in Beeten in engen Abständen ausgesät. Die sich entwickelnde Pflanze verbleibt zwei Jahre an diesem Standort. „Danach werden die jungen Bäumchen mit Hilfe von speziellen Maschinen unterhalb der Bodenoberfläche abgeschält und an anderer Stelle mit größeren Abständen neu ausgepflanzt“, erklärt Püning die Arbeiten in den Baumschulen. „Nach einem weiteren Jahr landen sie dann, etwa 20 Zentimeter groß, auf den Höfen der Weihnachtsbaum-Anbauer.“

Mit Fräse, Grubber und Kreiselegge wurde hier der Boden vorher aufbereitet. Bodenproben dienen der Überprüfung des Nährstoffgehaltes. In Abständen von 120 Zentimetern werden die dreijährigen „Tännchen“ von Pflanzmaschinen an den endgültigen Standort gesetzt. Nach weiteren sieben bis acht Jahren sind sie etwa zwei Metern hoch. „Damit bis dahin daraus schmucke Weihnachtsbäume werden, dürfen die Bäume nicht nur sich selbst überlassen werden“, erläutert Ludger Püning die weiteren Arbeiten.

„Nach vier bis fünf Jahren werden sie durch regelmäßiges Schneiden in Form gebracht.“ Aber auch „echte“ Handarbeit ist noch gefragt. „Im Frühjahr ,snippen‘ wir die jungen hellgrünen Triebe. Dieser Begriff steht für das Kürzen der Austriebe mit Hilfe des Daumennagels. An diesen Stellen bilden sich neue Knospen und der Baum wird dichter. „Wir gehen jährlich einmal um den Baum herum“, berichtet Püning. Rund 30 Mal müsse dabei „gesnippt“ werden. „Der Daumennagel hält das aus und hat bisher noch keinen Schaden dabei genommen“, beantwortet er schmunzelnd die besorgte Nachfrage.

Eine Auswahl der Prachtstücke in unterschiedlichen Größen wartet auf die Käufer auf dem Hofgelände. „Immer mehr Familien möchten sich zusammen mit ihren Kindern den Baum auf dem Feld aussuchen“, macht Püning auf den Trend zum „Selbstsägen“ aufmerksam. Ein Planwagen pendelt dann zwischen Schonung und Hof. Nach getaner Arbeit warten dann Glühwein, Pommes und Grillwürstchen. Für die Kleinen gibt’s sogar eine Hüpfburg. Auch Katzen und Pferde lassen die Kinderherzen höher schlagen. Und so wird aus dem Kauf des Weihnachtsbaums eine vergnügliche Einstimmung auf das schönste Fest des Jahres.

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